romantisches Land , das mit Städten und Burgen , mit Tempeln und Begräbnissen übersäet war , und alle Anmuth bewohnter Ebenen mit den furchtbaren Reizen der Einöde und schroffer Felsengegenden vereinigte . Die schönsten Farben waren in den glücklichsten Mischungen . Die Bergspitzen glänzten wie Lustfeuer in ihren Eis- und Schneehüllen . Die Ebene lachte im frischesten Grün . Die Ferne schmückte sich mit allen Veränderungen von Blau , und aus der Dunkelheit des Meeres wehten unzählige bunte Wimpel von zahlreichen Flotten . Hier sah man einen Schiffbruch im Hintergrunde , und vorne ein ländliches fröliches Mahl von Landleuten ; dort den schrecklich schönen Ausbruch eines Vulkans , die Verwüstungen des Erdbebens , und im Vordergrunde ein liebendes Paar unter schattenden Bäumen in den süßesten Liebkosungen . Abwärts eine fürchterliche Schlacht , und unter ihr ein Theater voll der lächerlichsten Masken . Nach einer andern Seite im Vordergrunde einen jugendlichen Leichnam auf der Baare , die ein trostloser Geliebter festhielt , und die weinenden Eltern daneben ; im Hintergrunde eine liebliche Mutter mit dem Kinde an der Brust und Engel sitzend zu ihren Füßen , und aus den Zweigen über ihrem Haupte herunterblickend . Die Szenen verwandelten sich unaufhörlich , und flossen endlich in eine große geheimnißvolle Vorstellung zusammen . Himmel und Erde waren in vollem Aufruhr . Alle Schrecken waren losgebrochen . Eine gewaltige Stimme rief zu den Waffen . Ein entsetzliches Heer von Todtengerippen , mit schwarzen Fahnen , kam wie ein Sturm von dunkeln Bergen herunter , und griff das Leben an , das mit seinen jugendlichen Schaaren in der hellen Ebene in muntern Festen begriffen war , und sich keines Angriffs versah . Es entstand ein entsetzliches Getümmel , die Erde zitterte ; der Sturm brauste , und die Nacht ward von fürchterlichen Meteoren erleuchtet . Mit unerhörten Grausamkeiten zerriß das Heer der Gespenster die zarten Glieder der Lebendigen . Ein Scheiterhaufen thürmte sich empor , und unter dem grausenvollsten Geheul wurden die Kinder des Lebens von den Flammen verzehrt . Plötzlich brach aus dem dunklen Aschenhaufen ein milchblauer Strom nach allen Seiten aus . Die Gespenster wollten die Flucht ergreifen , aber die Flut wuchs zusehends , und verschlang die scheusliche Brut . Bald waren alle Schrecken vertilgt . Himmel und Erde flossen in süße Musik zusammen . Eine wunderschöne Blume schwamm glänzend auf den sanften Wogen . Ein glänzender Bogen schloß sich über die Flut auf welchem göttliche Gestalten auf prächtigen Thronen , nach beyden Seiten herunter , saßen . Sophie saß zu oberst , die Schaale in der Hand , neben einem herrlichen Manne , mit einem Eichenkranze um die Locken , und einer Friedenspalme statt des Szepters in der Rechten . Ein Lilienblatt bog sich über den Kelch der schwimmenden Blume ; die kleine Fabel saß auf demselben , und sang zur Harfe die süßesten Lieder . In dem Kelche lag Eros selbst , über ein schönes schlummerndes Mädchen hergebeugt , die ihn fest umschlungen hielt . Eine kleinere Blüthe schloß sich um beyde her , so daß sie von den Hüften an in Eine Blume verwandelt zu seyn schienen . Eros dankte Ginnistan mit tausend Entzücken . Er umarmte sie zärtlich , und sie erwiederte seine Liebkosungen . Ermüdet von der Beschwerde des Weges und den mannichfaltigen Gegenständen , die er gesehen hatte , sehnte er sich nach Bequemlichkeit und Ruhe . Ginnistan , die sich von dem schönen Jüngling lebhaft angezogen fühlte , hütete sich wohl des Trankes zu erwähnen , den Sophie ihm mitgegeben hatte . Sie führte ihn zu einem abgelegenen Bade , zog ihm die Rüstung aus , und zog selbst ein Nachtkleid an , in welchem sie fremd und verführerisch aussah . Eros tauchte sich in die gefährlichen Wellen , und stieg berauscht wieder heraus . Ginnistan trocknete ihn , und rieb seine starken , von Jugendkraft gespannten Glieder . Er gedachte mit glühender Sehnsucht seiner Geliebten , und umfaßte in süßem Wahne die reitzende Ginnistan . Unbesorgt überließ er sich seiner ungestümen Zärtlichkeit , und schlummerte endlich nach den wollüstigsten Genüssen an dem reizenden Busen seiner Begleiterin ein . Unterdessen war zu Hause eine traurige Veränderung vorgegangen . Der Schreiber hatte das Gesinde in eine gefährliche Verschwörung verwickelt . Sein feindseliges Gemüth hatte längst Gelegenheit gesucht , sich des Hausregiments zu bemächtigen , und sein Joch abzuschütteln . Er hatte sie gefunden . Zuerst bemächtigte sich sein Anhang der Mutter , die in eiserne Bande gelegt wurde . Der Vater ward bey Wasser und Brod ebenfalls hingesetzt . Die kleine Fabel hörte den Lärm im Zimmer . Sie verkroch sich hinter dem Altare , und wie sie bemerkte , daß eine Thür an seiner Rückseite verborgen war , so öffnete sie dieselbe mit vieler Behendigkeit , und fand , daß eine Treppe in ihm hinunterging . Sie zog die Tür nach sich , und stieg im Dunkeln die Treppe hinunter . Der Schreiber stürzte mit Ungestüm herein , um sich an der kleinen Fabel zu rächen , und Sophien gefangen zu nehmen . Beyde waren nicht zu finden . Die Schaale fehlte auch , und in seinem Grimme zerschlug er den Altar in tausend Stücke , ohne jedoch die heimliche Treppe zu entdecken . Die kleine Fabel stieg geraume Zeit . Endlich kam sie auf einen freyen Platz hinaus , der rund herum mit einer prächtigen Colonnade geziert , und durch ein großes Thor geschlossen war . Alle Figuren waren hier dunkel . Die Luft war wie ein ungeheurer Schatten ; am Himmel stand ein schwarzer strahlender Körper . Man konnte alles auf das deutlichste unterscheiden , weil jede Figur einen andern Anstrich von Schwarz zeigte , und einen lichten Schein hinter sich , warf ; Licht und Schatten schienen hier ihre Rollen vertauscht zu haben . Fabel freute sich in einer neuen Welt zu seyn . Sie besah alles mit kindlicher Neugierde . Endlich kam sie an das Thor , vor welchem auf einem massiven Postument eine schöne Sphinx lag . Was suchst du