auflösen . Und dann , von beiden Freunden geleitet , soll Juliane des schönsten Daseins sich zu erfreuen haben . Keine Lücke bleibe in ihrem Herzen , ihre Liebe bedürfende Seele sei ganz glücklich im Genuß . « ... » Gemach , mein guter Eduard ! gemach ! So gelassen wolltest du wirklich dreinsehen , wie der Freund seine Tage unter Prüfungen der Selbstüberwindung hinschleichen ließe , sein wärmstes Leben , sein lebendigstes Gefühl ertötete , und mit halb verschloßnem mißtrauendem Herzen keinen fröhlichen Augenblick verlebte ? Ich gestehe dir aufrichtig , diese heroische Tugend darf ich nicht zu der meinigen zählen . Wäre der Fall so , wie du ihn wähnst , so wäre , aufs schnellste entfliehen , für mich das ratsamste , und das , was ich gewiß zuerst tun würde . Aber es ist nichts von dem allen . Wahr ist es , Julianens Schönheit überraschte mich : sie ist ein anmutiges Wesen , mit immer neuen , immer lieblichen Bildern erfüllt ihre holde Gestalt die Phantasie , aber - « - » Ach , wenn du ihre Seele kenntest , so weich ! zugleich so voller Kraft und Liebe , ihren Charakter , die herrlichen Anlagen ! « - » Ich verkenne Julianen nicht . Wäre sie aber auch für mich bestimmt , ich zweifle , daß ich ganz glücklich sein würde . « - » Freund , wer mit diesem Engel nicht leben könnte , der - « - » Der verdient gar nicht zu leben , willst du sagen . Leicht wahr ! Ich spüre selbst so etwas ! Indessen ... versteh mich , mein lieber Freund ! Gräfin Juliane , Erbin eines großen Namens , eines großen Reichtums , aus den Händen der höchsten Kultur kommend , im Zirkel der feinen Welt schimmernd , der Anbetung von allen , die sie umgeben , gewohnt , und Florentin , der Arme , Einsame , Ausgestoßne , das Kind des Zufalls . « - » Wilder , seltsamer Mensch ! Warum nennst du dich so ? und warum dünkst du dich noch immer allein ? in unserer Mitte allein ? « - » Habe Geduld mit mir , ich darf mich nicht entwöhnen , allein zu sein ; muß ich nicht fort ? « - » Was treibt dich , ich beschwöre dich ? Vertraue dich nicht ohne Not dem eigensinnigen Glück , bleibe bei mir ! « - » Ich will ' s versuchen , lieber Freund , aber ich stehe nicht dafür , ich muß , ich muß doch endlich dahin , wo meine Bestimmung mich ruft . « - Eduard wollte noch etwas sagen , als die Müllerin zu ihnen herauskam . Juliane ließ ihnen sagen , sie möchten in ihr Zimmer kommen und ihr Gesellschaft leisten , sie könnte unmöglich schlafen . Alle , auch der Müller , den sie drum hatte bitten lassen , versammelten sich nun bei ihr ; sie war vom Bett aufgestanden , und saß in einem bequemen Stuhl beim Kaminfeuer ; die Kleider der Müllerin hatte sie noch an . In der erhellten Stube sah Florentin nun deutlich die Zerstörung auf Eduards Gesicht , und in seinem Wesen ; kaum daß diese sich etwas legte , da Julianens zärtlich beredter Blick sich nicht von ihm wandte und ihn um Verzeihung zu flehen schien . Sie rief ihn zu sich , und sprach leise und beruhigend mit ihm . Florentin war gewiß , daß etwas Ernsthaftes zwischen ihnen vorgegangen sein mußte , während er sie allein gelassen hatte . Es war ihm klar , daß es Eifersucht sei , was das schöne reine Verhältnis der Liebenden zerstöre . Eine ängstigende Unruh ' drückte sein Herz , da es ihm einfiel , daß er selbst vielleicht , unglücklicher-oder unvorsichtigerweise , Ursach ' dazu gegeben habe . Er überdachte noch einmal jedes Wort , das ihm Eduard vor der Tür gesagt hatte , er mußte ihn bewundern , daß er , bei einer Leidenschaft , die ihm selbst so fürchterlich und so zerreißend schien , mit soviel Feinheit und Aufopferung fühlte und sich äußerte . Sein Glaube an Eduards schöne edle Seele erhielt eine neue Bestätigung , die ihn mehr als jemals anzog ; auf diese Weise fühlte er sich von widersprechenden Gefühlen durchstürmt , und alles , was er in sich beschließen konnte war : bald , sehr bald fortzugehen . Während daß er in sich gekehrt , und in seine Gedanken verloren dasaß , waren die übrigen in einem allgemeinen Gespräch begriffen . Juliane erzählte : das Brausen des Waldes und des Wassers hätten sie entsetzlich zu fürchten gemacht , es wäre ihr nicht möglich gewesen einzuschlafen , obgleich sie die Augen fest verschlossen und sich die Decke über den Kopf gezogen habe , um nichts zu hören . » Als spräche des Waldes und des Wassers Geist drohend zu mir herüber « , sagte sie noch schaudernd , » so war mir ; jeden Augenblick fürchtete ich , sie würden mir in sichtbaren Gestalten erscheinen ; alle alten Romanzen und Balladen , die ich jemals gelesen habe , sind mir zu meinem Unglück grausend dabei eingefallen . Sie hätten es nur hören sollen , Florentin ! « - » O ich habe auch die Geister zusammen sprechen hören , aber mich nicht vor ihnen gefürchtet , mir klang es freundlich und vertraulich ; es sind mir freilich keine Balladen und Romanzen dabei eingefallen . « - » Wissen Sie uns keine Geistergeschichte zu erzählen ? « fragte sie den Müller , » in Gesellschaft mag ich sie gar gerne hören ; der Kreis wird gleich eng und vertraulich dabei . « - » O wir wissen genug « , sagte die Müllerin , da es der Mann ablehnte zu erzählen , » aber sie sind alle gar zu fürchterlich und erschrecklich , so daß ich es nicht wagen möchte , sie der gnädigen Gräfin jetzt zu erzählen . « - » Ich bin der Meinung