verschiedenes Haar und manches andere von Herrn Sylvester Abweichende . Sie mußte sich oben sagen : Du bist so lebhaft mit der Vorstellung an deinen Brief beschäftigt , daß du nichts hörst und siehst als Die Menschen , die dich armes Kind wie einen Spielball hin- und herwerfen ! Als sie wieder oben war , fand sie Alles so still und schlummernd , wie sie die kleinen Zimmer verlassen . Sie erschrak , daß sie ihr Nähtischchen nicht verschlossen hatte , doch fand sie Alles unversehrt . Sie hatte jenes Gefühl , das uns in solchen Augenblicken sagt : Ohne Leben war es inzwischen in dem stillen Raume doch wol nicht ! Kleine Geister huschten gewiß auf und ab , lasen , was sie nicht sollten , kramten , wo sie nicht durften , legten aber Alles ganz wieder so unversehrt hin , als wäre nichts geschehen ! Jetzt wollte sie schreiben und erschrak , daß sie die Tinte vergessen hatte . Es war ein Gefäß dafür da , es stand immer in der Ofenröhre , aber es war eingetrocknet ... Sie goß Wasser dazu und rührte mit einem Spahn den schwarzen Brei um . Er gab hinlängliche Flüssigkeit , um einen kurzen und bündigen Brief zu schreiben . Als sie fertig war , schloß sie das Geschriebene mit einer von den neugekauften Oblaten . Sie hatte , so oft sie in ihrem Leben schon Briefe geschrieben und mit bunten Oblaten gesiegelt hatte , immer solche Farben für diesen Zweck gewählt , wie sie dem Verhältnisse , an das sie schrieb , zukamen . Fröhlichen Menschen und Freunden leichter Art , dem Onkel nach Plessen , siegelte sie mit rothen Oblaten ; Treuen , Beständigen mit blau ; an Louis Armand hätte sie gewiß eine grüne Oblate , die Farbe der Hoffnung gewählt . Für den Professor Sylvester wählte sie eine gelbe . Glücklicherweise erwachte jetzt die alte Märtens . Fränzchen konnte also ihrem Drange sogleich folgen und den fertigen Brief in die Königsstraße Nr. 13 tragen . Sie ordnete das Band an ihrem Hute , ihr Haar , sie legte sich einen hübschen gestickten Kragen um den schönen , etwas brauninkarnirten Hals , nahm die weiße Florecharpe gar zierlich über Schulter und Arme , zog sich ein paar alte , aber sehr gepflegte dunkle Handschuhe an , verbarg den Brief in einem Taschentuche und machte sich mit der Erklärung , sie käme in einer kleinen halben Stunde wieder , auf den Weg . Die Trau Tischlermeisterin hatte es gern , wenn das junge Mädchen , dem sie im Ganzen sehr zugethan war , sich nach Tische etwas » Motion « machte . Sie nannte sie » versessener « als sie sein sollte . Franziska war es als brennte der Boden unter ihr . Sie fühlte , da sie nun den geliebten Freund wiedergesehen und er sie mit fragendem theilnehmendem Schmerze betrachtet hatte , daß sie Alles aus dem Wege räumen müsse , was sie möglicherweise von Louis ' Vertrauen trennen konnte . Auch mit Heinrich Sandrart gedachte die kleine Schönheit kurzen Prozeß zu machen und überlegte sich schon den Brief , den sie auch an diesen gleich nach des Onkels Abreise schreiben wollte . Von einer Mitreise nach dem unheimlichen Forsthause , in den engen Wald , wo die gelben Blumen auf dem Sumpfe und die weißen Zuckerkügelchen auf den gestrichenen Zwetschenbroten ihr eine grauenvolle Erinnerung boten , war jetzt , wo ihr Louise Eisold den » Muth des Herzens « eingeflößt hatte , keine Rede . Fränzchen kam in die lange geräuschvolle Königsstraße und suchte nach der Hausnummer . Sie fand sie bald . Es war ein großes stattliches Haus mit vielen Stockwerken und mit einer großen Anzahl von Fenstern . Ein Hinterhaus war nicht sichtbar . Sie hatte geglaubt , die erste Anfrage schon würde ihr die Klingel zeigen , wo sie ihr Briefchen abgeben könnte . Unten waren nur Läden , im ersten Stocke wohnten die Besitzer derselben . Im zweiten verwies man sie in den dritten . Niemand kannte einen Professor Sylvester . Niemals hatte ein französischer Sprachlehrer dieses Namens hier gewohnt . Der Gedanke , daß sie von diesem zweideutigen Manne , der » grünen Brille « , könnte getäuscht sein , kam ihr sowenig ein , daß sie , als man ihr im dritten Stocke sogar kurzweg die Thüren vor der Nase zuschlug und ein impertinentes » Wohnt hier nicht « zurief , auch noch über eine dunkle , schmuzige , steinerne Stiege in den vierten Stock stieg . Hier sah sie schon die Dächer der Nachbarhäuser . Sollte Herr Sylvester hier gewohnt haben ? Die Klingelschilder , die sie fand , konnte sie in der Dunkelheit kaum lesen . Keins zeigte Den Namen , den sie suchte . Wie sie voller Betrübniß so stand und sich deutlich zurückrief , wie ihr Herr Sylvester anfangs dieses Haus , und nur dieses , das sie im Vorübergehen oft darauf angesehen hatte , als seine frühere Wohnung genannt , war sie unentschlossen , ob sie nun hier doch noch klingeln sollte ... In dem Augenblick hörte sie einen lebhaften Wortwechsel , der hinter einer dieser schon schwarzen , verräucherten Thüren geführt wurde . Schämen Sie sich , sagte eine alte keifende Stimme ; Sie bringen ' s noch so weit , daß Sie bald Ihr festes Quartier angewiesen kriegen ! Eine andere hellere weibliche Stimme lachte laut auf . Lachen Sie nur , sagte die ältere Stimme wieder , seit dem letzten male , wo Sie gefaßt wurden , ist dem Oberkommissär schon die Geduld gerissen . Er läßt das Vögelchen nicht wieder fliegen , wenn er ' s nun beim Fittich hat ! Nur höhnischer Spott von der Andern war die Antwort . Wann bekomm ' ich meine vier Thaler ? Machen Sie ein Ende oder ... Wesen , ich rathe dir ! Verklagen Sie mich ! war die Antwort auf diese wilde , dreifach gesteigerte Apostrophe . Die Gerichte werden Ihnen anstreichen ,