es schien , seine Oberzweige würden brechen . Mißverstandene Sorgfalt fegte und kehrte den Schnee herunter ; da gingen im nächsten Sommer einige jener Zweige aus , denen man mit dem Schneedach ihr warmes Winterkleid genommen hatte . Aber er hat es überwunden und grünt in Frische weiter , und wenn ihm wieder Gefahren drohen , so oder so , möge unser Eibenbaum immer einen treuen Freund haben , wie in alter Zeit . Dies Vorstehende wurde im Herbst 1862 geschrieben ; in den Jahren , die seitdem vergangen sind , sammelte ich Material über allerhand » alte Bäume « , insonderheit auch über Eibenbäume , und ich lasse zunächst folgen , was ich darüber in Erfahrung brachte . Die Eibe , so scheint es , steht auf dem Aussterbeetat der Schöpfung . Wie bekanntlich im Laufe der Jahrtausende ganze Tiergeschlechter von der Erde vertilgt worden sind , so werden auch Baumarten ausgerottet , oder doch nahezu bis zum Erlöschen gebracht . Unter diesen steht die Eibe ( Taxus baccata ) mit in erster Reihe . Einst in den Wäldern von ganz Europa , Nord und Süd , so häufig wie der Auerochs , das Elentier , begegnet man ihr in unseren Tagen nur noch ausnahmsweise . In Hecken und Spalieren trifft man kleinere Exemplare allerdings noch an , am häufigsten in Anlagen nach französischem Geschmack , aber große , imponierende Exemplare sind selten . Vor der waldvernichtenden Axt älterer Ansiedler und neuer Industrieller haben sich nur einzelne knorrige Taxusbäume retten können , die jetzt , wo wir ihnen begegnen , ein ähnliches Gefühl wecken wie die Ruinen auf unseren Bergesgipfeln . Zeugen , Überbleibsel einer längst geschwundenen Zeit . In Mitteldeutschland ist dieser Baum jetzt schon recht selten , obwohl es bekannt ist , daß er hier , wie in ganz Europa , noch vor einem halben Jahrtausend allgemein vorkam . Zu Cäsars Zeiten war er , wie uns dieser gelehrte Feldherr selbst erzählt , sowohl in Gallien als in Germanien in großer Menge überall anzutreffen . Man findet in Thüringen nur noch einzelne verkrüppelte und verstümmelte Bäume . An einem einzigen Orte jedoch haben sie sich zahlreicher erhalten , nämlich am Veronikaberge bei Martinroda , unweit Ilmenau , wo noch zwanzig bis dreißig Fuß hohe Individuen mit einem Stammdurchmesser von 1 bis 11 / 4 Fuß stehen . Daß die Eibe in Thüringen ehemals einen wesentlichen Bestandteil der Wälder aus gemacht habe , ergibt sich aus den Ortsnamen » Ibenhain « , » Taxberg « , » Eiba « und anderen . Die ältesten und schönsten Exemplare dieses einst auch in Griechenland und Italien häufig gewesenen Nadelbaumes trifft man heutzutage noch in England an , besonders auf Friedhöfen , wo einzelne auf mehr als zweitausend Jahre geschätzte Stücke von prachtvollem Ansehen sich finden . 17 Der Taxus ist in England der Baum der Trauer , wie die Zypresse in den Mittelmeerländern und die Trauerweide in Deutschland . » Albero della morte « nennen ihn übrigens auch die heutigen Italiener . Eine große , zum Teil noch nicht völlig aufgeklärte Rolle spielte die Eibe in dem Mythus der germanischen und keltischen Völker , von der sich Nachklänge noch in manchen bis heute üblichen Gebräuchen erhalten haben . Wie der deutsche Name Eibe von dem gotischen aiw ( ivi ) , ewig , herrührt , weil der Baum immer grün ist , und das keltische Wort yw ( eiddew ) dieselbe Wurzel hat , so war dieser während des langen und schneereichen nordischen Winters im frischen Blattschmuck prangende Baum in Britannien und Skandinavien den ewigen Göttern geweiht , Die Druiden hatten bei ihren Heiligtümern ganze Haine davon , und manche in Cäsars Zeiten hinaufragende alte Eiben Englands mögen ehrwürdige Reste aus solchen heiligen Hainen sein . In der Nähe des berühmten heidnischen Tempels bei Upsala in Schweden stand ebenfalls , wie A. Krantz erzählt , » ein gewaltiger Baum mit dicht belaubten Zweigen , ebenso grün im Winter wie im Sommer ; niemand kannte seine Art. « Sehr wahrscheinlich war es eine Eibe . Daß dieser Baum in alter Zeit für heilig und geheimnisvoll gehalten wurde , ergibt sich aus gar vielen noch jetzt fortlebenden Bräuchen . In den östlichen Schären Skandinaviens wird die Eibe allgemein zu Maschenbrettern beim Netzstricken benutzt , weil man glaubt , daß alle Netze , welche über Bretter aus diesem Holze gestrickt worden sind , Glück beim Fischfang bringen . Aber nicht bloß für glückbringend und heilig , auch für geeignet zu geheimnisvollem Zauber und selbst zu teuflischem Beginnen galt und gilt noch der Eibenbaum . Daher fehlen in der Macbethschen Hexenküche neben dem Auge des Wassermolchs , dem Fledermaushaar , Eidechsbein und Käuzchenflügel und der gegabelten Natterzunge auch nicht » Eibenzweige , abgerissen Bei des Mondes Finsternissen . « In Thüringen heißt es , daß die › Ife ‹ ( Eibe ) gegen Viehbezauberung schütze . Die Hälfte der Bewohner des Dorfes Angelroda bei Arnstadt , in dessen Nähe Eibensträuche noch ziemlich häufig sind , zieht an einem bestimmten Tage des Jahres hinaus und bricht sich Taxuszweige ab , um sie in die Viehställe zu stecken ! Im Spessart meint man , daß ein Stück Eibenholz , am Körper getragen , allen Zauber vertreibe . Das Volk sagt dort : » Vor der Euwe , ka Zauber bleibe . « Im Altertum wurde die Eibe ihres elastischen und festen Holzes wegen vorzüglich zu Bogen verwendet . Ebenso machte man Pfeile aus deren zähem Kernholz . Während des ganzen Mittelalters gab so der Eibenbaum den Stoff für die vorzüglichsten Kriegswaffen ab , besonders in England und Schweden . Auch Uller , der nordische Jagdgott , hatte nach der Edda einen Eibenbogen ( altnordisch ybogi ) . Heutzutage wird das rote oder purpurbraune Kernholz der Eibe zu viel friedlicheren und prosaischeren Gegenständen verarbeitet , namentlich zu Faßpipen . Besonders in Ungarn werden aus dem dort sogenannten » Theißholz « ( » tisza-fa « , welcher Name aber nicht auf die Theiß bezogen werden sollte , sondern