Kissen liegt auf ihm mit allen Orden des Onkels ! ... Wie funkelt das ! ... Vierzehn Mönche sind es ... Zwei fehlen ... Sebastus und Hubertus fehlen ... Sebastus ? - sagte , seinem Temperament verfallend , Thiebold halblaut ... Den seh ' ich ja jetzt auch ! ... hauchte Paula , als wenn sie Thiebold ' s Frage gehört hätte und alle , auch wol drinnen die Frauen , mochten denken : Den Sohn des Mannes sieht sie , der erschlagen wurde von dem Todten , den sie eben begraben ? Der liegt recht krank ! fuhr Paula fort . Er liegt im Krankenkämmerchen von Himmelpfort ... Ach , das ist da eng und klein ! ... Durch ein Gitter ... Da kann er in eine andere Zelle sehen , nicht acht Schritte lang ... Das ist die Kapelle der Kranken ... Fünf Schritte breit ist auch die nur ... Maria von altem bunten Holze ... Neben ihr - dahin also legen sie ihre Weihnachtskrippchen ? ... Ein Oechslein ... ein Eselein ... wie zum Spiel für Kinder ... Gebt sie ihm doch ! ... Geht das Eselchen nicht durch das Gitter ? ... Es geht ... Armer Pater , spiel ' mit dem Krippchen der Franciscaner ! ... Lange blieb es jetzt drinnen still ... Tante Benigna sprach endlich laut und betonte die Worte so scharf , als könnte Paula dadurch verhindert werden , ferner ihren Geist außerhalb der körperlichen Hülle dahin schweifen zu lassen ... Armgart aber schien das höchste Verlangen zu tragen , vom Leichenbegängniß mehr zu wissen ... Nein ! Nein ! Komm ! sagte die Tante mit Entschiedenheit ... Laß sie doch , Tante ! bat Armgart ... Sie träumt das nur so - komm ! ... Sie sieht es nicht ... Die Tante hatte schon die Vorhänge ergriffen und bedeutete die Männer , sich nicht den Zwang anzulegen , zu leise aufzutreten ; man dürfte getrost ganz laut sprechen ... Schon wollte sich entfernend Püttmeyer in Andacht , Thiebold in Bewunderung ausbrechen , als Armgart , die sich nicht trennen konnte und jetzt weit über dem mit einer seidenen Decke belegten Ruhesopha hingestreckt lag und das in glatten Scheitel gewundene Haar der Freundin streichelte , hastig winkte und die Tante bedeutete , Paula schiene einen heftigen Schmerz zu fühlen ... Schnell wandte sich die Tante ... Da sie gleichfalls zu sehen glaubte , daß sich Paula durch irgendetwas erschreckt fühlen mußte , kehrte sie zurück ... Der Vorhang , der die Männer von dem Gemache trennte , fiel wieder zu ; aber sie hörten die angsterfüllte Stimme der Träumenden in kurzen Sätzen die Worte ausstoßen : Wer stört nur da - die Ruhe des Todten ? ... Der Zug hält ja ... Wer spricht ? ... Das ist die Eiche , an der ... Wer spricht nur immer und predigt so laut ? ... Ha ! ... Herr von Terschka springt aus dem Wagen ... Die Mönche schweigen ... Benno ... Gensdarmen ... Der - Jude ... Merkwürdig ! rief Thiebold , dem das Traumsprechen Paula ' s an sich nicht neu war , und ergriff die Hand des zitternden Doctors , dem der Angstschweiß auf die Stirne trat . Was mag denn nur vorgefallen sein ? ... Nichts mehr wurde hörbar ... Man vernahm ein Murmeln der Gräfin , ein unverständliches Sprechen , wie durch die Zähne ... Dann war alles still . Die Tante kam heraus und sagte , scheinbar voll Beruhigung und doch voll Bestürzung : Sie ist erwacht ! Jetzt - in einem Augenblicke - flüsterte Thiebold ... Wo ich , konnte die Tante für sich hinzusetzen , schon die Freude habe zu sehen , wie dieser liebenswürdige junge Mann förmlich schon unter dem Umstand leidet , seinen Hut nicht holen und sich bei etwas Vorgefallenem nützlich machen zu können ... Wie ganz anders das , als einst z.B. mein Levinus war ! ... Im Erwachen weiß sie nichts mehr von dem , was sie im Traumschlaf gesehen ? fragte Püttmeyer im Gehen und athemlos vor Beklemmung ... Kein Wort weiß sie dann ! bestätigte die Tante . Sie können sich denken , wie diese Dinge uns aufregen . So besonders lebhaft sprach sie seit lange nicht wieder , und wir glaubten schon den höchsten Grad erreicht zu haben ... Sie werden sehen , daß sich unser Engel nach einigen Minuten erholt hat und am Arm ihrer Freundin eintritt , als wenn nichts geschehen wäre ... Was mag nur die plötzliche Störung gewesen sein ! Und gerade da , an - der verhängnißvollen Eiche ? ... So kamen sie in das behagliche Wohnzimmer zurück ... Und Sie dürfen in der That annehmen , meine Gnädigste , begann Püttmeyer , daß das alles - Na natürlicherweise ! fiel Thiebold ein und erklärte es für » selbstverständlich « , daß die Herren , die gegen Abend zurückkommen würden , alles das als wirklich so vorgefallen bestätigen würden ... Püttmeyer mußte bedauern , daß die weite Entfernung Eschedes ihn zwang , unmittelbar nach dem Diner sich schon in den Wagen zu setzen , der ihn heute früh abgeholt hatte , und wieder in sein Städtchen zurückzufahren ... Die Tante war inzwischen mit der Nachfrage um das Diner beschäftigt . Die Störung des Leichenbegängnisses nahm sie allmählich für etwas wirklich Vorgekommenes , vielleicht doch nur Unverfängliches . Sie wüßte , sagte sie , wie schreckhaft Paula wäre und wie schon die geringste Abweichung von dem , was in der Ordnung , sie in Verwirrung bringen könnte ... Thiebold schwebte hoch über der Erde . Er erzählte eine Anzahl von Geschichten , die ihm die alten Holzvermesser seines Geschäfts , die Förster und Holzschläger auf seinen Reisen als glaubhafte » Ahnungen « versichert hätten . Er behauptete , in Canada englische , aus Schottland gebürtige Soldaten gesehen zu haben , die am zweiten Gesicht krank waren ; krank , betonte er , wenn man krank eine so wunderbare Gabe nennen könnte , die