nicht allzuviel gesehen und erlebt zu haben . Sie lebte wie so mancher Alte , still und abgeschieden . Ein beständiges Gleichmaß in beständigem Wechsel . Auf Sommerdürre folgten die Stürme , dann fiel Schnee , dann war alles Sumpf und Bruch , dann wieder Sommerdürre ; – so kamen die Jahre , so gingen sie . Nichts geschah . Es gibt Holunderbäume in Pfarrgärten , die in fünfzig Jahren mehr gesehen haben , als die große Eiche in fünfhundert . Nur die letzten Jahrzehnte schufen einen Wandel : Landpartien und Berliner kamen . Es handelte sich jetzt für uns darum , ihr ein besonderes Zeichen unserer Huldigung zu geben . Ein dreimaliges Hurra erschien uns für unsere zivilen Verhältnisse teils zu prätentiös , teils unausreichend . Aus dieser Verlegenheit indes sollten wir alsbald gerissen werden ; – unser Reisegefährte hatte alles bereits sinnig erwogen . Er nahm seine umsponnene Flasche , füllte ein Glas mit rotgoldenem Kap-Konstantia-Wein , trat vor und sprach : » Eiche , tausendjährige , sei uns gegrüßt ! Hier hat der Wende gelagert und der Berliner , und allerlei Wein , fränkischer und deutscher , nicht minder die › gebrannten Wasser ‹ beider Indien , Jamaikas und Goas , sind dir zu Ehren an dieser Stelle verschüttet worden . Aber ob Südafrika , ob Mohrenland von jenseits der Linie , dir je gehuldigt , das ist mindestens fraglich . Empfange denn die Gabe aus Gegenden , in denen nur Freiligrath und der Kaffer › einsam schweift durch die Karroo ‹ , empfange diesen Tropfen Kap Konstantia ; – die Hänge des Tafelberges grüßen dich und den Brieselang ! « Damit goß er den Kapwein ihr zu Füßen . Wir schwenkten die Hüte , stimmten Lieder an von Arndt und Körner und machten uns auf den Rückweg . Im Fluge . Denn immer bedrohlicher zog sich ' s über uns zusammen und kein Wind machte sich mehr auf , das Gewölk zu zerstreuen . So ging es an den alten Stätten vorbei , am Forsthaus , am Remontedepot , an dem Elsbusch , aus dem uns Lampe , der » Jäger « , so bedrohlich entgegengetreten war . Als wir Finkenkrug erreichten , war es die höchste Zeit , wenn uns daran lag , mit den Extrazüglern , die eben in Sektionen formiert aufbrachen , den Rettungshafen der Eisenbahn zu gewinnen . Musik vorauf , so ging es durch die letzte Waldstrecke . Die Pauke tat wieder ihr Äußerstes , als plötzlich einer rief : Pauke still ! Und sie schwieg wirklich . Über das weite Himmelsgewölbe hin rollte der erste Donner . In den Wipfeln begann ein unheimliches Wehen , die obersten Spitzen brachen fast . » Rasch , rasch « , hieß es , » Laufschritt « ; alles drängte durcheinander , » sauve qui peut « und der Zug , der schon hielt , wurde im Sturm genommen . In demselben Augenblick aber brach es los ; die Blitze fuhren nieder , das Gekrach überdröhnte das Gerassel des Zuges ; wie ein Wolkenbruch fiel der Regen . Als wir eine Stunde später im klapperigen Gefährt über die Alsenbrücke fuhren , auf den Tiergarten zu , stand das Wasser in Lachen und Lanken . Wer um diese Zeit vom Finkenkrug bis zur » Königseiche « gewandert wäre , der hätte wohl den Brieselang gesehen wie vor tausend Jahren ! Der Eibenbaum im Parkgarten des Herrenhauses Der Eibenbaum im Parkgarten des Herrenhauses Die Eibe Schlägt an die Scheibe , Ein Funkeln Im Dunkeln . Wie Götzenzeit , wie Heidentraum Blickt ins Fenster der Eibenbaum . Nicht voll so alt wie die Brieselangeiche , von der ich im letzten Kapitel erzählt habe , aber doch auch ein alter , oder sehr alter Baum ist die Eibe , die in dem Parkgarten hinter dem Herrenhause steht . Von ihr will ich , einschaltend , an dieser Stelle erzählen . Der Stamm dieses Baumes , wie es seiner Art 16 in den Marken keinen zweiten gibt , ist etwa mannsdick , und die Spannung seiner fast den Boden berührenden Zweige wird dreißig Fuß sein . Die Höhe beträgt wenig mehr . Aus der Dicke des Stammes hat man das Alter des Baumes berechnet . Man kennt Taxusbäume , die nachweisbar zweihundert bis dreihundert Jahre alt sind ; diese sind wesentlich kleiner und schwächer als der Baum , von dem ich hier spreche . Man kennt ferner einen Taxusbaum , ( bei Fürstenstein in Schlesien ) , der nachweisbar tausend Jahr alt ist , und dieser eine ist um ein gut Teil höher und stärker als der unsrige . Dies läßt für diesen auf ein Alter von fünfhundert bis siebenhundert Jahren schließen , und das wird wohl richtig sein . Dieser unser Taxusbaum war vor einhundert oder einhundertundzwanzig Jahren eine Zierde unseres Tiergartens , der damals bis an die Mauerstraße ging . Als später die Stadt in den Tiergarten hineinwuchs , ließ man in den Gartenstücken der nach und nach entstehenden Häuser einige der schönsten Bäume stehen , ganz in derselben Weise , wie man auch heute noch verfahren ist , wo man die alten Elsen und Eichen von » Kemperhof « wenigstens teilweise den Villen und Gärten der Viktoriastraße belassen hat . Unser Taxusbaum , jahrhundertelang ein Tiergartenbaum , wurde , ohne daß er sich vom Fleck gerührt hätte , in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein Gartenbaum . Und noch etwa zwanzig Jahre später tritt er aus seiner bis dahin dunklen Vergangenheit in die Geschichte ein . Zu Anfang dieses Jahrhunderts gehörten Haus und Garten dem Generalintendanten von der Recke , der öfters von den Königlichen Kindern , zumal vom Kronprinzen , dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. , Besuch empfing . Der Kronprinz liebte diesen von der Reckeschen Garten ganz ungemein ; es wurde ein bevorzugter Spielplatz von ihm , und der alte Taxusbaum mußte herhalten zu seinen ersten Kletterkünsten . Der Prinz vergaß das dem alten Eibenbaume nie . Wer überhaupt dankbar ist ,