zu erwecken gewohnt war , den ernsten Mann erschüttert , während in Renatus die widersprechendsten Vorstellungen , Gedanken und Empfindungen auf und nieder wogten . Bald fühlte er sich geneigt , sich Tremann mit Bewunderung in brüderlicher Verehrung in die Arme zu werfen ; dann wieder bedünkte es ihn , als dürfe er demselben , ohne sich etwas zu vergeben , nicht eine Genugthuung bereiten , deren er jetzt ohnehin schon vollauf genießen mußte ; denn daß ein Mann das Rechte um des Rechten willen thun , daß er fördern und Hülfe leisten könne , ohne dabei an sich selbst und an die Wirkung zu gedenken , welche diese Hülfsleistung auf das Gefühl des Geförderten hervorbringt , das einzusehen , dazu war die Seele des jungen Freiherrn nicht gemacht . Und doch fühlte er , daß er nicht schweigen dürfe , daß er Tremann mindestens ein Zeichen seiner dankenden Anerkenntniß schuldig sei . Ich bewundere Ihre Entschlossenheit , sagte er endlich , und ich wünschte , ich befände mich in so einfachen Verhältnissen , wie Sie , daß ich das Gleiche möglich machen und mich doch behaupten könnte . Unser Standpunkt ist nur wieder sehr verschieden . Tremann sah ihn prüfend an . Er hörte aus den Worten des Freiherrn , was in dessen Seele vorging , aber er gab nichts auf die hochmüthige und vorurtheilsvolle Ueberhebung , mit welcher jener seine Zustände als ganz besondere von denen des bürgerlichen Kaufmanns abzutrennen suchte ; und wie der Arzt die Ungebühr des Kranken nur als ein Krankheitszeichen ansieht , das ihn nicht beirren darf , sagte Tremann : Das ist vielleicht nicht so schwer , als es Sie dünkt , und ich bin bereit , Ihnen meine Ansicht und meine Plane für Sie mitzutheilen , wenn Sie mir vorher ein paar Fragen beantworten wollen . Haben Sie Liebe für das Landleben ? Denken Sie , Sich auf Ihren Gütern aufzuhalten ? Ich bin auf dem Lande geboren , und die Herren von Arten haben stets auf ihren Besitzungen gelebt , es ist ein Herkommen unter uns , gab er abermals ausweichend zur Antwort . Das fing Paul endlich doch zu verdrießen an . Wir haben es hier nicht mit Ihren Familien-Traditionen , Herr von Arten , sondern mit Ihren Möglichkeiten zu thun , sagte er schärfer , als er bis dahin zu dem Freiherrn gesprochen hatte , und zu der Uhr emporsehend , fügte er hinzu , daß ihm in einer halben Stunde eine Geschäftsbesprechung bevorstehe , daß er also genöthigt sei , dem Freiherrn in großen Umrissen die Möglichkeiten und Maßnahmen vorzuzeichnen , mittels deren er es für thunlich halte , die Arten ' schen Verhältnisse zu ordnen und durch Rettung eines Theiles des Vermögens die Mittel zu einer allmählichen Wiederherstellung desselben zu gewinnen . Er rieth , Neudorf und Rothenfeld sofort zu verkaufen . Für Neudorf finde sich in dem Baurath Herbert , der einst die Rothenfelder Kirche aufgeführt und bei der Gelegenheit den Werth der Neudorfer Steinbrüche habe kennen lernen , ein Käufer , da der Baurath mit Andern in Gemeinschaft eine regelmäßige Ausbeutung der Brüche unternehmen möchte . Auch auf Rothenfeld sei ein den Zeitumständen nach recht günstiges Gebot gethan . Nach dem Verkaufe dieser Güter werde Renatus die Möglichkeit besitzen , seine Wechselschulden zu tilgen , die hoch verzinsten Hypotheken von Richten theilweise abzulösen und dann Geld von der Landschaft zu geringern Zinsen auf Richten zu erhalten . Sei dies geschehen , so frage er sich , ob der Freiherr es nicht vorziehe , im militärischen Dienste zu verbleiben , in welchem er sich eine ehrenvolle Laufbahn eröffnet und den Weg zu weiterem Vorwärtskommen gebahnt habe . Man mache an einen Privatmann , welchem Stande er auch angehöre , in einer großen Stadt nicht die Ansprüche , die man gewohnt sei , an die Herren von Arten auf ihrem Schlosse zu erheben . Der Hauptmann von Arten könne in der Stadt sehr standesgemäß mit dem achten Theile der Summe leben , welche der Freiherr von Arten einst in Richten alljährlich ausgegeben habe . Ueberantworte man Richten einem rechtschaffenen und vermöglichen Pächter , nachdem man die Bauten hergestellt , das Inventarium vervollständigt und somit die Mittel vorbereitet habe , welche zur Verbesserung des Gutes unerläßlich wären , so werde man sich in der Lage befinden , jährlich einen Theil der auf Richten dann noch haftenden Schulden zu tilgen . Noch im rüstigsten Mannesalter aber könne Renatus dann wieder Herr eines Besitzes sein , der bei den Fortschritten , welche die Bodenkultur nach den neuen Forschungen und Erfahrungen der Engländer und Franzosen nothwendig auch in Deutschland machen müsse , immer noch ausreichend groß genug sein werde , ihm , wenn er dann den Abschied nehmen und , nach seinem Familien-Herkommen , sich auf seinem Gute niederlassen wolle , auch auf dem Lande ein reichliches Leben möglich zu machen und den Seinen ein schönes Erbe zu werden . Wolle Renatus aber jetzt gleich den Dienst aufgeben , um sich auf sein Stammgut zurückzuziehen , nun , so bleibe ihm nichts übrig , als den Degen ehrlich mit dem Pfluge zu vertauschen , die Landwirthschaft gründlich als einen Beruf zu erlernen , die Bewirthschaftung seines Gutes selbst zu übernehmen und zu sehen , in wie weit es ihm gelinge , mit tüchtigen Gehülfen das Gut zu heben und seine Bedürfnisse mit seinen Einnahmen in das Gleiche zu setzen , wobei denn freilich auch auf die unüberlegten Ausgaben der Baronin Vittoria Rücksicht genommen , und die Erziehung des jungen Freiherrn Valerio in eine andere Richtung als bisher geleitet werden müßte . Renatus hatte ihm schweigend zugehört . Als Tremann dann geendet hatte , dankte Jener ihm für diese gewiß sehr richtigen und höchst wohlgemeinten Auseinandersetzungen und für seine Rathschläge ; aber , sagte er , ich sehe und fühle , wo der Punkt liegt , den Sie bei Ihren Planen für meine Unternehmungen nicht in ' s Auge fassen und den ich unberücksichtigt zu lassen nicht im Stande bin , ja