die Welt nicht anders machen . Ich schreibe dir eilig , damit du deine Einladungen noch nicht machst . Wenn die Menschen nur nicht so böse wären ! Aber glaube mir , Viele haben die Probe der lebenden Bilder und die Geschichte mit der Doktorin F. noch lange nicht vergessen . Daß ich am allerwenigsten auf Stadtgeklatsch etwas gebe , brauche ich dir wohl nicht zu sagen ; auch wundert mich gar nichts mehr , denn die Menschen sind zu bösartig , und wenn ich auch gewiß nicht dazu beigetragen habe und beitragen werde , dergleichen Klatschereien zu verbreiten , so kann ich dir doch nicht verschweigen , daß in der That das Gerede geht , du beabsichtigest , um der ganzen Gesellschaft zu zeigen , daß du dich um ihre Meinung gar nicht kümmerst , uns deine neue Schwiegertochter zu präsentiren , die sogenannte Braut des Herrn Arthur . Soll ich dir nochmals wiederholen , daß dergleichen Verleumdungen auf mich nicht den geringsten Eindruck machen ? Ich halte das für überflüssig ; denn du weißt , wie sehr ich bin und bleibe deine treue Freundin Louise . « Die Hand der alten Dame zitterte leicht , während sie die Briefe zusammenfaltete und vor sich hinlegte . » Und das schreiben deine bewährtesten Freundinnen , Mama ? « fragte schmerzlich Marianne . » Es ist doch ein wahres Sprichwort , « bemerkte zornig der alte Herr , » Gott bewahre mich vor meinen Freunden , mit meinen Feinden will ich schon fertig werden . Und die sogenannten Feinde unseres Hauses , eigentlich nur die Feinde von Mama , « setzte er mit Nachdruck hinzu , » wie haben sie sich benommen , seit diese traurigen Geschichten ruchbar wurden ! Ich will nur an den Doktor und namentlich an die Doktorin F. erinnern . - Gesteh ' es mir , Charlotte , « wandte er sich an seine Frau , » die neuliche Unterredung mit der Letzteren , die liebevollen Worte , die sie zu dir sprach , haben selbst dich ergriffen und gerührt . « » Warum selbst mich ? « fragte strenge die Räthin , ohne dabei einen Zug ihres Gesichts zu verändern . » Ah ! selbst dich , - das kann man in dem Falle doch wohl sagen , « meinte behutsam der alte Herr . » Du hattest doch ein Vorurtheil gegen die Doktorin . « » Ja , ich hatte es , « erwiderte nach einer Pause die Räthin . Und als sie nach diesen Worten in ihr Sacktuch hinein hustete , klang dieser Husten viel weicher , auflösender als sonst . » Nun , wenn ich recht verstanden habe , « entgegnete etwas heiterer Herr Erichsen , » so war das ein gutes Wort , das Mama eben aussprach . « » Und Mama hat so Recht darin , « sagte liebevoll Marianne , indem sie sich dem Sopha näherte . » Glauben Sie mir , die Doktorin F. ist eine herrliche , vortreffliche Frau . « Die Räthin schaute ihre Tochter mit einem einigermaßen argwöhnischen Blicke an . » Und höheren Orts sehr gelitten , « fügte wichtig der Kommerzienrath bei . » Ich weiß bestimmt , daß sie zuweilen in die kleinen Cirkel der Frau Herzogin kommt . « Die Räthin schaute ihren Mann an . » Und mir ist das sehr angenehm , « fuhr Marianne fort , » denn ich bin überzeugt , die Doktorin wird denen die Geschichten unseres Hauses auf wahre und gute Art auseinandersetzen . « Der Blick der Räthin , den sie jetzt auf ihre Tochter warf , war nicht mehr argwöhnisch , ja man hätte glauben können , sie nicke mit dem Kopfe , doch war dies , wenn es wirklich geschehen , so undeutlich , daß man es nicht recht behaupten konnte . » Was übrigens die höhere Gesellschaft anbelangt , « sagte der Kommerzienrath , indem er sich in die Brust warf , » so kennt man dort das Haus Erichsen , und wenn wir gewollt hätten , würde es uns ein Kleines gewesen sein , uns dort hinein zu lanciren , zum furchtbaren Aerger deiner Freundin Wasser und deiner treuen Louise . - Wie steht Arthur mit all den Leuten ? « fuhr er nach einer Pause eifriger fort . » Vortrefflich ! und selbst wenn er jenen sonderbaren Streich ausgeführt hätte - « Die Räthin schaute ernst auf ihren Mann . » Nun ja , ich sage , wenn er ihn ausgeführt hätte , so hätte ihm das bei den vernünftigen Leuten da oben nicht den geringsten Schaden gethan . « Der Blick der Räthin wurde fragender . » Weißt du , Charlotte , man kann über Alles sprechen . Die Sache ist , wie ich höre , vorüber . Nun gut , Arthur erzählte mir neulich , daß ihm einer seiner Bekannten , Graf Fohrbach , Adjutant Seiner Majestät und Sohn Seiner Excellenz des Herrn Kriegsministers , der im Begriff steht , eine der Hofdamen Ihrer Majestät zu heirathen , das schöne Fräulein von S. - eine alte Familie - gesagt , Arthur soll sich nur auf ihn , den Grafen verlassen - er wolle - im Falle - daß Arthur - « Hier stockte der Kommerzienrath , denn der Blick seiner Frau war außerordentlich scharf geworden . » Und was denn ? « fragte sie ungeduldig . » Nun , sich verheirathen mit - « » Nun denn , mit - ? « » Du weißt ja schon , Charlotte , mit jener Tänzerin . Man setzt ja nur den möglichen Fall , und in dem Falle würde sich die Gräfin Fohrbach ein Vergnügen daraus machen , die Madame Erichsen bei sich zu sehen . « Die Räthin schüttelte den Kopf und sagte in bestimmtem Tone : » Unmöglich ! « » Natürlich , für deine treuen Freundinnen wäre so etwas unmöglich , namentlich für solche , die selbst mit einem verdächtigen Herkommen zu kämpfen haben und die von