gehen . Frau Märtens sprach von den Wirthsleuten im Vorderhause . Wie er es mit seiner » Servirung « halten wolle ? Ob er jetzt immer wieder » präsent « bliebe ? Ich denke wol , sagte Louis Armand . Ich bedarf wenig . Mein Zimmer , wo ich die Proben meiner schwachen Talente ausgelegt habe , sieht wie der Eingang zu einem vornehmen Herrn aus . Nebenan hab ' ich eine Kammer , ein leichtes Bett , einen Riegel für meine Kleider und bin zufrieden , wenn mir die Leute vorn täglich nur frisches Wasser bringen . Wenn Sie etwas rekommandiren , sagte die alte Märtens , Herr Armand , so sagen Sie ' s nur . Und ihr minder gelehrter Gatte setzte hinzu : Ich glaubte , unsre Sachen sollten nun recht Hand in Hand gehen . Mit aller Macht ! antwortete Armand . Ich nehme meinen alten Plan mit Freuden wieder auf ! Ich bleibe noch in dieser schönen Stadt , die ich nun erst kennen lernen will und gearbeitet muß nun werden nach Wohlgefallen . Die Tischlermeisterin , die trotz ihrer Pfennigblätter nach beschränkter Leute Art auf einem und demselben Gegenstande lange verweilte , sagte : Es sind ganz accurate Menschen , die die Appartements vorne logiren . Heute nahm die kleine Frau das Intelligenzzettel von der Hausthür und sagte wie ich gerade vom Markt komme : Gott sei Dank , nun ist Alles vermiethet ! Es ist eine reinliche Frau . Ihr Mann war - was begleitete er doch , Märtens ? Armand konnte die Abneigung des alten Märtens , auf ein so weitläufiges , wenn auch gebildetes Gespräch einzugehen , nur theilen . Franziska bot er die Hand . Diese gab ihm die ihrige . Da ihr das Blut zum Herzen drängte , war die Hand eiskalt . Er drückte sie theilnehmend und sah ihr fragend und forschend in ' s dunkle Auge , das sie zitternd und bewegt niederschlug . Heinrich Sandrart grüßte er leicht . So ging er . Unglücklich Liebende sehen schwarz . Sie verdächtigen Alles , auch das Unschuldigste . Wer will dem jungen Sergeanten verdenken , wenn wie ein Blitzstrahl in den ohnehin gehäuften Zündstoff seines Mistrauens der Gedanke fiel , daß Fränzchen diesen Franzosen lieber haben möchte als ihn ? Über diese Vermuthung in Vorwürfen sich Luft zu machen , hatte er kein Recht . So blieb ihm nichts übrig , als sich noch einmal an Franziska voll Liebe und Theilnahme zu wenden . Fränzchen , sagte er , gehen Sie heut Abend mit dem Onkel und mir in ' s Theater ! Der Hauptmann gibt mir frei bis zehn Uhr . Es wird die Leonore gegeben , ein so schönes Stück für Soldaten und für Mädchen , die einen Soldaten gern haben können ... Fränzchen aber , statt der Antwort , zeigte auf den Onkel , der plötzlich sehr unruhig schlief , kirschroth wurde und sich im Schlafe krümmend bewegte ... Er träumt schwer ! sagte Frau Märtens , die eben den Tisch zum Mittagessen deckte . Es drückt ihn doch nicht die Alpe ? Wirklich entfuhren dem Förster allerlei Ausrufungen , die einen lebhaften , drückenden Traum verriethen . Fort ! Fort ! sagte er . Urschel fort ! Urschel , sie soll ! ... - Feuer ! Feuer ! Es brennt - ! Sie soll ... Damit riß er sich , unterstützt von der Tischlermeisterin , die von dem Druck der » Alpen « Schreckliches zu erzählen wußte , auf und erwachte . Wird schon gegessen ? sagte er rasch orientirt , hab ' ich geschlafen ? Damit zog er die Uhr mit einem schönen Horngehäuse . Schon halb eins ! sagte er . Sandrart stand stumm und still . Er holte rasch seine Dienstmütze . Er hatte sich in seinem Flötenspiel und der Eifersucht auf den jungen , gewandten Franzosen verspätet . In der Angst , schon wieder eine Rüge » zu besehen « , wie er ' s nannte , lief er davon . Fränzchen hatte ihm ohnehin schon durch ein Kopfschütteln den Besuch des schönen Soldatenstückes abgeschlagen . Die Alte gab ihm das Zeugniß hinterher : Ein guter , aber » drömerischer « Mensch ! Die Unterhaltung beim Mittagsmahle war eben so spärlich wie das bescheidene Mahl selbst ... Die beiden alten Leute aßen wenig , Fränzchen fast gar nichts und Heunisch hatte zu gut gefrühstückt und einen garstigen Traum gehabt . Seine ersten Worte mußten der Frau Tischlermeisterin und ihrer Bildung eine sehr schmeichelhafte Anerkennung zu Wege bringen . Immer , sagte er , wenn ich von der Schneidemühle und vom Feuer träume , schmeckt ' s mir den ganzen Tag nicht . Dann liegt mir ' s ordentlich wie ein Alp auf der Brust . Wenn nur die Marzahn nicht einmal das Haus ansteckt ! Jede Nacht steht sie auf und leuchtet mir mit der Lampe in alle Winkel . Ich kann von Glück sagen , daß ich die Hunde zu Hause ließ . Erst wollt ' ich den Packan und die Jette mitnehmen , die sind die wachsamsten und schlagen gleich an . Ja sie sind Gott sei Dank vernünftiger als die Alte ! Seit sie von einem Bruder , der in Amerika gestorben ist , das Geld gekriegt hat , sieht sie alle Nacht Gespenster ! Ei , Muttersche , sagt ' ich ihr erst vor ein paar Tagen ganz fuchswild : Muttersche , Muttersche , ist sie toll ? Ich schieße ' mal drauf los , wenn sie wieder sagt : Da geht der Herr Baron über die Wiese und sucht unter der Eberesche seinen Erstgebornen ! Mann ! Mann ! sagte Madam Märtens und rückte ihrem Gatten das gekochte Rindfleisch hin zum Zerschneiden ; schweigen Sie still , Onkel ! So etwas kommt Einem die Nacht vor , daß man nicht schlafen kann ! Sie erzählte darauf eine lange Gespenstergeschichte . Als sie zu Ende war , sagte Heunisch bedenklich , wenn sie noch so fortmacht