nach rechts ) ; da stand vor Jahresfrist noch das Remontedepot , einhundertundachtzig Pferde , alle schwarz . « » Und es schlug ein ? « » Es schlug ein und es gab ein Wetter , wie ich es hier nicht wieder haben möchte , und doch war es zugleich eine Stunde , daß mir das Herz im Leibe lacht , wenn ich daran denke . Da habe ich gesehen , was ein preußischer Futtermeister ist . « » Ein Futtermeister ? « » Ja , solch Remontedepot , müssen Sie wissen , hat einen Wachtmeister von altem Schrot und Korn , der regiert das Ganze ; er ist wie ein kleiner König . Und ich sage Ihnen , dieser Futtermeister , ... nun , der verstand es . Das Remontedepot hatte acht Türen . Als nun das Wetter über uns stand und die ersten Blitze herunterfuhren , stellte er seine acht Knechte an die acht Eingänge , sich selber aber mitten auf diesen Platz da . Da stand er wie ein Feldherr , während das Feuer in breiten Scheiben niederfiel . › Kerls ‹ , schrie er , › wenn ich rufe : Vorwärts , Türen auf ! dann ist ' s Zeit , dann hat ' s eingeschlagen ‹ . So vergingen wohl zehn Minuten ; die Blitze ließen nach , ein Hagelwetter kam , Körner wie die Taubeneier . Mit einem Mal schwieg auch das ; der Hagel war wie abgeschnitten . Aber im nächsten Augenblick › Krach ‹ und der Blitz lief über den First hin . › Vorwärts ! ‹ Alle Türen flogen auf ; die Schloßen fielen nieder wie ausgeschüttet , und im nächsten Moment jagten die einhundertundachtzig schwarzen Pferde an mir vorbei , hier über die Brücke hin , in die Bütenheide hinein , auf Pausin zu . Zwölf Minuten später hatten wir die Spritzen hier ; denn als die einhundertundachtzig schwarzen Pferde wie die wilde Jagd durchs Dorf jagten , da wußten die Pausiner , was los war . › Das Remontedepot brennt ‹ und heidi ging es in den Wald hinein , auf das Depot zu . Solch Wettfahren hat die alte Bütenheide ihr Lebtag nicht gesehen . Ein schöner Tag war es , aber ich mag ihn nicht wieder erleben . « 3. Die Königseiche 3. Die Königseiche Man sieht noch am zerhaunen Stumpf , Wie mächtig war die Eiche . Uhland Diese Erzählung konnte nicht umhin , uns leise daran zu mahnen , daß wir noch einen Teil unserer Wanderung vor uns hätten , ein letztes Drittel , einen Schlußabschnitt , den es auf alle Fälle gut sei hinter sich zu haben , umso mehr als das sich ansammelnde grelldurchleuchtete Gewölk am Himmel das Einbrechen eines Brieselanggewitters nicht geradezu unwahrscheinlich machte . Ein Wind machte sich auf , das Gewölk zerstreute sich wieder , die Schwüle ließ nach ; so ging es vorwärts . Als wir den entgegengesetzten Waldrand nahezu erreicht hatten , nahm unser Führer die Tete und brach mit dem Kommando » halb rechts « in das Unterholz der Bütenheide ein . Es schien undurchdringliches Gestrüpp , bald aber lichtete es sich wieder und in eine breite , durch den Forst gehauene Avenue tretend , hatten wir die Königseiche auf etwa dreihundert Schritte vor uns . Wir ließen sie zunächst als ein Ganzes auf uns wirken . Sie steht da , wie ein Riesenskelett mit gen Himmel gehobenen Händen . Die Avenue hat ganz den Charakter eines feierlichen Aufgangs , einer Trauerallee , die zu einem Denkmal oder Mausoleum führt . Erst ein Weißbuchen- , dann immer schmaler werdend ein Weißdornspalier , bis die Avenue in einen tannenumstellten Kreis mündet , aus dessen Mitte die » Königseiche « aufsteigt . Sie führt ihren Namen mit Recht . Es ist ein majestätischer Baum , acht Fuß Durchmesser , achtzig bis hundert Fuß hoch ; man braucht zwanzig Schritt , ihn zu umschreiten . Sein Holzinhalt wird auf fünfundzwanzig Klafter und sein Alter auf tausend Jahre berechnet . Bis vor kurzem lebte er noch ; seit etwa drei Jahren indes ist er völlig tot , nirgends ein grünes Blatt , die Rinde halb abgefallen . Aber noch im Tode ist er gesund . Alles Kernholz . Die Forstleute sagen : er steht noch hundert Jahr . Dem wird jeder zustimmen , der die » Königseiche « sieht . Auf einen Laien macht sie den Eindruck , als halte sie nur einen langen Winterschlaf , als brauche sie dazu mehr Zeit als junge Bäume und müsse deshalb ein paar Sommer überschlagen , aber als sei ihr Erwachen unter allen Umständen gewiß und als würde es binnen kurzem im ganzen Brieselang heißen : sie lebt wieder . Eine Welt von Getier bewohnt die alte Eiche . Der Bockkäfer in wahren Riesenexemplaren hat sich zu Hunderten darin eingenistet ; am ersten großen Ast schwärmen Waldbienen um ihren Stock , und im kahlen Geäst , höher hinauf , haben zahllose Spechte ihre Nestlöcher . In den Tagen sich regenden deutschen Geistes , in den Tagen Jahns und der Turnerei , wurde die Eiche Wanderziel und Symbol . Dies war ihre historische Zeit . Damals vereinigte man sich hier , gelobte sich Treue und Ausharren und befestigte in Mittelhöhe des Stammes die Inschrifttafel , die bis diese Stunde dem Baum erhalten worden ist . Die Inschrift selbst aber , die um des Kaisergedankens willen , den sie ausspricht , in diesem Augenblicke wieder ein besonderes Interesse gewährt , ist die folgende : Sinnbild alter deutscher Treue , Das des Reiches Glanz gesehn , Eiche , hehre , stolze , freie , Sieh , Dein Volk wird auferstehn . Brüder , alle die da wallen Her zu diesem heil ' gen Baum , Laßt ein deutsches Lied erschallen Auf dem altgeweihten Raum : Wie in Sturmeswehn die Eiche , Stehet fest bei Treu und Recht , Einend schirme alle Zweige Einer Krone Laubgeflecht 15 Außer diesen Turnerfahrten scheint die Eiche , vorher und nachher ,