, sie vernahm eine Stimme , die Flöte schwieg , der Onkel schnarchte leiser , die alte Märtens sprach über den Hof hinüber . Sie hätte aufschreien mögen , als sie hörte , daß drinnen im Zimmer die Alte aus dem Fenster erschrocken rief : Hat mir ' s doch geschwant ! ... Sie sah hinaus ... Eben kam Louis Armand . Eine Minute darauf war Louis Armand im Zimmer . In bewegtester Spannung von Freude und Furcht erregt , wartete Fränzchen , ob Louis nach ihr fragen und zu ihr eintreten würde . Wie peinlich war dem armen Kinde die Anwesenheit Sandrart ' s ! Sie hätte ihn heißen mögen mit seiner Flöte zum Kuckuk gehen und nie wieder kommen ! Vor Unruhe , vor Verzweiflung , daß sich dies Wiedersehen so fügen , unter so ihre Neigung in den Schatten stellenden Verhältnissen begeben mußte , konnte sie nicht sitzen bleiben . Sie stand auf , pflückte unruhig am Fenster welke Blätter von den Blumen und zerknitterte sie in der Hand . Sie nahm die Scheere und bohrte ein wenig in dem Sande der Töpfe und raufte einige verwelkte Blüten aus dem Kressenkasten . Louis Armand sprach von seinem langen Ausbleiben , von seinem genesenen Freunde und Gönner , von den Bestellungen , die er auf der Schiefertafel verzeichnet fand und etwas mühsam , mit Hülfe der gelehrten Frau Tischlermeisterin entzifferte . Wenn Fränzchen an die Möglichkeit seiner Liebe hätte glauben können , so würde sie gefunden haben , daß seine Stimme bewegt war und bei dem Anblick des jungen Soldaten sogar wehmüthig . Aber wie konnte sie an seine noch ihr erhaltene Theilnahme glauben , da er kein Wort von ihr sprach , sich nicht nach ihr erkundigte ! Endlich mochte sie diesen Zustand nicht mehr aushalten . So sehr ihr Stolz widerstrebte , das liebekranke Herz zwang sie , ein Zeichen ihrer Anwesenheit zu geben . Noch wußte sie nicht , sollte sie thun , als hätte sie an ihrem Bett oder der Kommode etwas zu schaffen und rasch , ganz wie von ungefähr , an der geöffneten Thür vorüberschlüpfen , oder sollte sie etwas fallen lassen , das etwa soviel sagte , als : Hörst du denn gar nicht ? Hier ist ja auch Jemand , dem sein Herz wie ein Hammer klopft und der dir am liebsten gleich um den Hals fallen möchte , wenn so etwas in dieser schrecklich anständigen Welt möglich sein dürfte ! Aus vielen Rücksichten und besonders deshalb , weil sie beim Vorüberhuschen an der Thür fürchten mußte , zu ihm hinein zu müssen , gedrängt von ihrem Gefühl , entschloß sie sich , etwas fallen zu lassen und nun fragte sich nur , was ? Die Scheere gab nicht Klang genug , obgleich die auseinanderfallenden beiden Schenkel der Scheere gleich sagen mußten : Das kann nur Franziska sein ! ... Ein Nadelkissen mit Sägespähnen gestopft gab keinen Klang . Der Fingerhut war auch zu winzig . Da dachte sie an eine Zwirnrolle . Diese bot den Vortheil , daß sie fiel und gleich weit umher lief . Sie durfte ihr nachspringen und sich beim Suchen bücken , verwickeln . Und wenn sie sich bückte , war sie sogar nicht sicher , in das Nebenzimmer mit Gewalt hineingezogen zu werden . Die Rolle fiel also und richtig ! Man kam . Aber leider gleich ihrer Zwei . Louis Armand kam und Heinrich Sandrart . Das hatte sie nicht bedacht , daß auch der junge Sergeant das Ohr spitzte und auf Alles lauschte , was sich nebenan begab . Doch war es gut , daß sich Heinrich Sandrart fast am emsigsten bückte und Louis ungehindert war , Fränzchen die Hand zu bieten und ihr die Freude auszudrücken , sie wiederzusehen . Ei ! Leben Sie denn auch noch , Herr Armand ? fragte sie . Wir glaubten schon , daß Sie nicht mehr an uns denken ! Louis warf einen theilnehmenden Blick auf Sandrart , der die Zwirnrolle zurückgab und dem beim Suchen das Blut in die Wangen geschossen war . Es ist viel von Ihnen gesprochen worden , Herr Armand , sagte Sandrart mit einer Art Eifersucht , um sich in das Gespräch mischen zu dürfen . Fränzchen wollte schon sagen : Doch mit Ihnen wol nicht ? Sie unterdrückte aber die Bemerkung , weil sie ihr selbst zu schnippisch vorkam . Louis sprach manches Freundliche , aber Unerhebliche , mit großer Ruhe . Er prüfte Franziska , er sah Sandrart an . Endlich erwähnte er den französischen Unterricht . Woher wissen Sie ... Der schlafende Onkel da im Stuhle erzählte dem Prinzen Egon Alles , was ihn glücklich und traurig macht . Franziska sah zu dem schlafenden Förster , den der Madeira überwunden hatte . Jetzt konnte sie sich denken , was Louis Alles von ihr gehört hatte ... Haben Sie den Onkel gesprochen ? ... sagte sie mit gezogenen Worten und sehr kleinlaut . Wie heißt denn Ihr Lehrer ? Herr Sylvester . Sylvester ? Das ist ein Vorname ! Ich kenn ' ihn nur bei diesem Namen ... Heinrich Sandrart wollte nun auch gesprächig , launig sein , sich in einem günstigen Lichte zeigen . Er fing an , Herrn Sylvester zu schildern ... Doch hörte Louis nicht viel darauf . Er war zu bewegt , den niedergeschlagenen Blick des jungen hocherglühenden Mädchens zu beobachten . Der Gedanke , daß sie Bälle besuchte und vielleicht von ihrer alten sittsamen Bahn gewichen war , drückte ihn peinlich . Ein näher forschendes Gespräch war nicht möglich . Denn auch der alte Märtens kam nun von unten aus der Werkstatt herauf und jetzt gab es ein Begrüßen , ein Fragen , ein Erkundigen , ein Dolmetschen und Vermitteln durch Frau Märtens , das endlos zu werden schien , aber den festen gesunden Schlaf des Försters nicht störte . Auf diesen endlich Rücksicht zu nehmen , schien Louis eine nothwendige Pflicht des Anstandes . Er ergriff seine Schiefertafel und wollte nach vorn