gemacht und sich dabei so schonend als möglich geäußert hatte , weil er gerecht genug war , den jungen Freiherrn nicht für die ungünstige Lage verantwortlich zu machen , in welche seine Güter durch die Schuld seines Vaters gebracht worden waren , fühlte sich durch das ganze Betragen und durch die Leichtfertigkeit des Freiherrn doch bewogen , diese Schonung nicht weiter zu üben , und trocken und ohne allen Umschweif sagte er : Wie die Weltlage und unsere industriellen und gewerblichen Verhältnisse sich mir darstellen , ist ein rasches Steigen der Güterpreise nicht vorauszusehen , und wenn Sie Sich jetzt nicht entschließen , Neudorf und Rothenfeld so bald als möglich zu verkaufen , werden Sie nach drei Jahren nicht mehr im Stande sein , auch nur Richten zu behaupten . Renatus wurde plötzlich blaß . Er konnte die frühere leichte Weise solchem Ausspruche gegenüber nicht mehr aufrecht erhalten , und Tremann schien es auch gar nicht auf eine Gegenäußerung von ihm abgesehen zu haben . - Ich mußte mich , fuhr er fort , als ich mich , Ihrem Wunsche gemäß , dem Amte unterzog , das mein verstorbener Compagnon nach Ihres Herrn Vaters Tode von Ihnen übernommen hatte , erst selber genauer über eine Menge von landwirthschaftlichen Fragen und namentlich über die Zustände in Ihren Provinzen unterrichten , da man ohne eine vollständige Einsicht in diese Dinge nur ein schlechter Berather sein würde , und der ehemalige Amtmann Ihres Herrn Vaters , der Gutsbesitzer Steinert , ist mir dabei mit seiner Einsicht und , ich darf sagen , mit seinem guten Willen , Ihnen behülflich zu sein , sehr nützlich gewesen . Nach seinen Mittheilungen ist seit fast dreißig Jahren , seit dem Tode Ihres Großvaters , wie Steinert es nannte , so gut wie gar nichts in die Güter hineingesteckt , wohl aber alles aus ihnen herausgezogen worden , was sie irgend herzugeben vermochten . Der Krieg und die untüchtige Verwaltung des jetzigen Amtmanns , mit dem man aus Vorschnelle und Bequemlichkeit , ohne ihn zu kennen , auf lange Jahre hinaus einen Vertrag gemacht hatte , der ihn halbwegs wie einen Pächter hinstellt , der aber keine Caution irgend einer Art geleistet hat , sind unheilvoll dazugekommen . Die Güter befinden sich in dem völligsten Verfalle . Sie haben allerdings in Richten ein großes Schloß , in Neudorf eine Kirche und ein Pfarrhaus , in Rothenfeld die neue katholische Kirche und daneben sogar noch jene Art von Seminar . Das sind Baulichkeiten genug , aber es sind unfruchtbare , geldkostende Gebäude , und es fehlt an allem Nöthigen - es fehlt an Scheunen und an Ställen , es fehlen Wohnungen für eine größere Anzahl Leute , die herbeigezogen werden müßten , wenn man die Verbesserung des Bodens ernstlich betreiben wollte . Man müßte vierzig , fünfzig Tausend Thaler in die Hand nehmen können , um auf den drei Gütern nur die nothwendigsten Gebäude herzustellen . Man müßte eine eben so große Summe anwenden , um ein Vieh-Inventar herbeizuschaffen , wie es einem solchen ausgesogenen Güter-Complexe nothwendig wäre , und müßte die Mittel haben , durch die ersten Jahre nicht nur diesen Viehstand , sondern auch die Leute völlig durchzuhalten , bis die Güter selber den Aufwand wieder tragen könnten . Wo wollen Sie diese Capitalien , diese Mittel finden ? Wie wollen Sie es machen , diese neuen Capitalien besten Falles aus dem gegenwärtigen Ertrage der Güter , neben den ohnehin laufenden alten Zinsen zu verzinsen ? Er nahm , da Renatus keine Antwort darauf zu geben vermochte , die Papiere zur Hand , welche den letzten Jahresabschluß des Amtmanns enthielten , und jene andern Berichte , die er sich vierteljährlich von ihm hatte senden lassen . Der gegenwärtige Reinertrag der Wirthschaft hatte , da Renatus sich allmählich in der französischen Hofgesellschaft auch an einen größeren Aufwand gewöhnt hatte , kaum die Höhe der Summe erreicht , welche er sich in den beiden letzten Jahren als Zuschuß nach Paris hatte nachsenden lassen , und um den Haushalt und die Bedürfnisse der Baronin und ihrer Gäste zu bestreiten , hatte man gelegentlich von den Kaufleuten in den kleinen , den Gütern nahe gelegenen Städten einzelne Beträge in verschiedener Höhe entnommen , die sie , weil alle diese kleinen Kaufleute die Vermögenslage des Freiherrn kannten , nur unter den ungünstigsten Bedingungen hergegeben hatten . Sie waren , da auch hier sich Zins zu Zins gefügt , zu einer Summe angewachsen , die Renatus in Erschrecken versetzte , und zum ersten Male seiner selber nicht mehr Meister , rief er , sich gegen die Stirn schlagend : Furchtbar , furchtbar ! Da ist ja gar kein Ausweg möglich ! Er war aufgestanden und hatte mit hastiger Hand die Haken und Knöpfe seiner Uniform geöffnet , es wurde ihm angst und bange . Wie verkörpert stiegen die Berechnungen gewaltig vor ihm in die Höhe und drängten auf ihn ein . Alle , alle , alle gegen den Einen , gegen ihn ! Hier war für ihn kein Durchhauen möglich - und hier zu unterliegen war nicht , wie in einer guten Sache auf dem Schlachtfelde , eine Ehre - hier zu unterliegen war ein Schimpf ! Tremann , der ihn seit dem Beginne ihrer Unterredung genau beobachtet hatte , errieth und sah , was in dem jungen Freiherrn vorging , und , wie bei allen tüchtigen Menschen , waren seine Theilnahme und sein Mitleid leicht erregbar , wo er an die Möglichkeit einer nachhaltigen Hülfe glauben konnte . Nur Muth , Herr von Arten ! rief er ; die Sache steht allerdings nicht sonderlich , doch ist sie keineswegs verloren , noch ist sie zu halten , Sie müssen nur den Muth nicht sinken lassen ! Aber der natürliche und wohlgemeinte Zuspruch brachte auf das jetzt doppelt verletzbare Gemüth des Freiherrn nicht die beabsichtigte Wirkung hervor ; denn die feinen Augenbrauen zusammenziehend , sagte er : An Muth hat es noch keinem Arten je gefehlt , und wenigstens diese Eigenschaft unseres