Gott der Herr die Knechtsgestalt annahm . Demnach ist der längere Balken - hm ! - die Gottnatur , der kleinere Querbalken aber die irrende , menschliche - hm ! - mittelpunktlose , die durch die Kugel nur ein gewöhnliches Segment macht . Gerade nur an einem solchen Segment konnte der Heiland rufen : Mich dürstet ! Nur an einem solchen Kreuze , das halb dem Weltall , halb dem kleinen Jerusalem und dem Jahre 33 nach - hm ! - Christi Geburt angehörte , halb dem Gott , halb dem Menschen , konnte Jesus für uns leiden ! Jener Doppelquerbalken der großen Würdenträger und des Papstes , ein Symbol , das gleichsam der dreifachen Krone entspricht und das wir auch auf das Haupt - hm ! - des Pfauen im Teppich gesetzt haben ( Püttmeyer malte ans Fenster ein ) , ist die Einigung beider Auffassungen , der griechischen und römischen , des Christus des Dogmas und der Concilien , und des Christus der Osterwoche , des leidenden . Uralt ist schon die Ahnung unsers christ-katholischen Kreuzes bei allen Völkern . Der Hirtenstab in den Händen des Osiris , der Stab des Hermes , der die Seelen geleitet , der Hirtenstab des Pan , der seinerseits sogar schon das All bedeutete ... Das All , meine gnädigsten Herrschaften - hm ! - und dazu der Stab des guten » Hirten « ! Wie nahe kam da schon die gerade Linie der Ahnung , daß nur noch die große Veranstaltung zum Kreuze fehlte ! Moses - hm ! - schlug schon mit einem Stab aus Felsen Wasser ! Aesculap , der Gott der Heilkunde , trägt einen schlangenumwundenen Stab ! Ja im frühgebrauchten Zeichen der Venus , des Sternes der Liebe , sind der Kreis und schon das Kreuz verbunden - . Das ist dann - hm ! - der freundliche Morgen-und Abendstern , der Stern des Morgenlandes , der die Wahrheit halb schon ahnte , die dann an der Krippe Jesu erst ganz vernommen wurde , diese Wahrheit , die , wenn man sie ganz bezeichnen wollte , einem Rade gleichkäme , ich meine , dieser Figur : . Die drückt die ganze Schöpfung aus ! Alle schwiegen ... Theils vor Bewunderung , theils vor Nichtverständniß , theils aber auch - vor Schauder an dem Bilde des Rades , das Püttmeyer an die Fensterscheiben malte ... Armgart und Paula kannten die Sage von dem Rade auf dem Schloß des Kronsyndikus ... Püttmeyer begriff das eintretende Schweigen nicht . Er war gewohnt , solche tiefkatholische Philosophie lebhafter applaudirt zu hören . Dennoch hob ihn bald wieder die Aussicht auf den vornehmen Comfort des Schlosses und auf das Mittagsmahl ... Noch war das Schloß nicht ganz erreicht . Man sah es aber schon . Schloß Westerhof lag auf einer kleinen Insel . Ohne Zweifel war die Brücke , die jetzt von einem Heiligen gehütet wurde , in alten Zeiten eine Zugbrücke gewesen und hatte zu einer Burg geführt , von welcher noch jetzt vielleicht die vier starken Eckthürme des Schlosses herrührten . Der Herrensitz der großen Gütermassen der Dorste-Camphausen stammte aus der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts und war jedenfalls nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges neu auf alten Trümmern erbaut . Von allen Seiten mit hohen Pappeln geziert , bot das Schloß nicht etwa einen Prachtbau dar ; Glanzliebe würde nicht dem Charakter der Gegend entsprochen haben . Vier bewohnbare Thürme erhoben sich an den vier Ecken eines Quadratgebäudes , oben sich zuspitzend zu einem schieferbedeckten Runddach mit kupfernem Knauf . Zwischen diesen vier Thürmen gingen vier gleichmäßige Seiten von zwei Stockwerken und zwölf Fenstern der Länge nach , im zweiten Stock an jeder Seite ein Balcon von altem künstlich gewundenen Schmiedeeisen . Ein dritter Stock verengte sich in einen Giebel , der gleichfalls spitz zulief und in einem Knopfe endete , sodaß das ziemlich regelmäßige Gebäude acht Spitzen hatte und recht gut auch einem Kloster entsprochen hätte . Die Wirthschaftsgebäude lagen weiter ab und außerhalb der Insel , die ihrerseits groß genug war , auch noch an der Hinterfronte des Schlosses einen parkartigen Garten zuzulassen , der sich jenseit einer zweiten Brücke verlängerte und jetzt schon manche Anlage aus dem Schnee heraus unterscheiden ließ , zumal wenn sie aus Tannen bestand . Endlich fuhr der Wagen über den hartfrierenden , knirschenden Schnee und die steinerne Hauptbrücke ; die Rosse standen und dampften vor dem Portal , einem kleinen , dem Geschmack des Ganzen völlig entsprechenden Schnörkeldache , das von zwei kurzen Säulchen getragen wurde . Zwei große Hunde sprangen den Rossen entgegen . Nun galt es , sich aus den Pelzen herauszuwinden ... Da aber hatte Tante Benigna schon bemerkt , daß der Schnee auf Paula plötzlich eine eigenthümliche Wirkung zu äußern anfing . Schon lange ermüdeten ihre Augen . Und so theilnehmend Paula lächelte und mit der ganzen Lieblichkeit ihres Antlitzes den Worten des Doctors lauschte ( dachte sie doch immer , was wol Bonaventura zu all diesen Philosophemen sagen würde ! ) - allmählich wurde ihr Blick trüber und immer abwesender . Erst schien nur der Schnee sie zu blenden , die schwarzen Wimpern sanken nieder und hoben sich nur leise ; als man aber am Schloß war , hatte auch Armgart schon die Entdeckung gemacht , daß Paula in dem ihr eigenen halb wachen , halb schlafenden Zustande war . Sie verrichtete alle Functionen wie mit vollem Bewußtsein , gab Antworten auf jede an sie gerichtete Frage , nahm Armgart ' s Hand , die sie führte , streichelte auch die Hunde , die in allen möglichen Stellungen sie umkreisten , springend , kratzend , als gält ' es , unter den Strohmatten auf der Treppe , die schon beschritten wurde , oder an den Ritzen der dunkelbraun gestrichenen hohen Thüren , die auf die Corridore hinausgingen , nach Mäusen zu jagen . Die Tante dämpfte alles , was stören konnte . Erst als Püttmeyer auf der Treppe eine Anzahl von Kranken sah , Mütter mit Kindern