wieder alles ins Gleichgewicht und ließ noch einen gefälligen Überschuß . Er bat , wie gesagt , sich uns anschließen und » seine Fahne hochhalten zu dürfen « . Unsere Herzen fielen ihm gleich zu , und so ging es weiter . » Herr Lampe , Sie sind gewiß auch Kräuterjäger ? « » Nicht doch . Wer seinen Käscher mit Ehren tragen will , muß die grüne Trommel zu Hause lassen . Fauna apart und Flora apart . Sie glauben gar nicht , welche profunde Wissenschaft die Käferei ist . Hundertundzwanzig Bockkäfer bloß im Brieselang . Das will gemacht sein . « » Gewiß . Aber ich habe mir sagen lassen , daß die Dinge doch Hand in Hand gehen und daß die › Käferei ‹ , wie Sie sagen , ohne › Kräuterei ‹ gar nicht recht bestehen kann . Beispielsweise wenn Sie eine Weißdornhecke sehen , so wissen Sie auch schon , was in dieser Hecke vorkommen kann , ebenso gewiß wir wissen , wo die Kretins und die Kröpfe zu suchen sind . Ursach und Wirkung , Theorie von der Ernährung . Bergwasser . « » Ich danke Ihnen für Ihre Vergleiche . Aber Sie haben recht . Das Land und die Leute , die Kräuter und die Insekten stehen in allernächster Beziehung zueinander , und obwohl ich für strenge Scheidung bin und die Mengerei in der Wissenschaft nicht leiden kann , so kann man doch nicht käfern in absoluter Ignorierung der grünen Trommel . Rund heraus , ich kenne dies und das . Aber das ist nicht Wissenschaft . « » Ich höre , daß der Brieselang eine eigene Flora haben soll , daß hier Dinge vorkommen , die sonst in der ganzen Mark nicht mehr zu finden sind . Hat das seine Richtigkeit ? « » Gewiß . Der Brieselang hat seine eigenen Pflanzen und seine eigenen Insekten , er ist unser gelobtes Land und selbst die Rudower Wiese , in › all dem Ruhm ihrer Orchideen ‹ , muß sich gegen den Brieselang verstecken . « » Was kommt denn wohl so vor ? Ich meine zunächst von Pflanzen . « » Da haben wir zunächst das Wanzenknabenkraut . Da haben wir ferner Neottia Nidus avis , das Vogelnest . Noch seltener ist Coptolanthera rubra , der rote Rundbeutel . Die Krone von allem aber ist vielleicht Dicranum montanum , der gebirgliebende Gabelzahn . Wie der speziell in den Brieselang kommt , wo die Maulwurfshügel für alles , was Berglinie heißt , aufkommen müssen , ist mir unerfindlich . « » Und nun die Käfer . « » Nun wissen Sie , da gibt ' s kein Ende . Aber ich will es gnädig machen . Da ist der Widderkäfer , der Bastkäfer , der Feuerkäfer : dies sind die leichten Truppen . Dann kommt die Garde : der Schwarzkäfer , der Panzerkäfer . Aber das eigentlich schwere Geschütz , das den Ausschlag gibt , das ist doch Procrustes coriaceus und Saperda Seydlii . Besonders Saperda . Sie lächeln ; aber glauben Sie mir , wie unser einem zumute wird , wenn man bloß das Wort Saperda aussprechen hört , davon können Sie sich keine Vorstellung machen . Ich hatte einen legitimistisch-historischen Freund , dessen Gesicht sich immer verklärte , wenn er › Montmorency ‹ sagte ; sehen Sie , so geht es mir mit Saperda . Und sagen Sie selbst , klingt es nicht schön , apart , dies Doppel a und das r in der Mitte . Oh , wir haben auch ein Herz . « » Ist denn nun Saperda im ganzen Brieselang verbreitet ? « » Verbreitet ? Ich weiß nicht , was Sie verbreitet nennen . Wenn eine Sache verbreitet ist , nun , so ist es mit ihr vorbei , so ist sie entzaubert . Es gibt keine verbreitete Schönheit . Schönheit ist immer rar . Saperda findet sich auf einem einzigen Baum , an der Segefelderstraße . « » Davon hab ' ich gehört . « » Nicht mehr wie billig . Manche Messerklinge ist da zerbrochen worden . Der Baum sieht aus wie ein Scheibenpfahl , den hundert Kugeln gestreift , durchbohrt , zersplittert haben . Es gibt keinen unter uns , der den Baum nicht kennte . Bei Segefeld liegt der Sand wie eine Sahara . Aber wir durchwaten ihn mit Freudigkeit ; – der Weg zu den großen Pilgerstätten hat noch immer durch die Wüste geführt . « 2. Försterei Brieselang 2. Försterei Brieselang Lesen konnt ich in seinen festen Zügen Seinen lang und treu bewahrten Entschluß : Auch mit keinem Fingerdrucke zu lügen ; Sicher und wohl ward mir bei seinem Gruß Nic . Lenau Unter solchem Geplauder hatten wir eine Stelle erreicht , wo der Weg , die bis dahin innegehaltene Scheidelinie zwischen Wald und Wiese aufgebend , nach links hin scharf einbiegt . Hier schlug sich Lampe in die Tiefen des Waldes , während wir , den Weg weiter verfolgend , alsbald auf eine große Lichtung mit Gärten , Häusern und Stallgebäuden hinaustraten . Wir hatten den Zentralpunkt dieser Waldregionen erreicht : Försterei Brieselang . Daneben das » Remontedepot « gleichen Namens . Die Lichtung , die diese beiden Häuserkomplexe einschließt , hat den Charakter einer großen Waldwiese . Ein Wasserlauf , » der neue Graben « , der in früheren Jahren das Sumpfland entwässert hat und nun zum Holzflößen dient , zieht sich quer durch die ganze Breite ; eine Brücke führt darüber hin . Jenseits des Wasserlaufes aber steigt der Wald ( » die Butenheide « ) aufs neue an und schließt gegen Norden hin das Bild . Am jenseitigen Rande des Waldes : die Königseiche und Dorf Pausin . Ein Hirschgeweih über der Tür ließ uns nicht lange in Zweifel , wo wir die Försterei , für die wir einen Gruß mitbrachten , zu suchen hätten . Wir traten ein . Es war um die dritte Stunde . Der Förster , ein Mann von nah an siebzig