zweifelte nicht , daß auch diese hochlehnigen Eichensessel , daß der schwere , schön geschnitzte Tisch , der jetzt den Modellen und Maschinen zum Träger diente , daß diese große , altmodische Uhr einst Arten ' scher Besitz gewesen waren , welcher bei der Versteigerung des Hausrathes an die neuen Eigenthümer direkt oder indirekt übergegangen war ; und ungeduldig den großen , langsam fortrückenden Zeiger der Uhr verfolgend , wollte er sich eben erheben , als die Thüre , welche nach dem Comptoir ging , sich lautlos öffnete und , eben so lautlos hereintretend , der Herr dieses Hauses vor ihm stand . Willkommen in Deutschland ! sagte er ; und ich bitte um Verzeihung , daß ich Sie warten ließ ! Ich war dazu genöthigt , um jetzt völlig zu Ihrer Verfügung zu sein . Seit wann sind Sie zurück ? Renatus antwortete , daß er schon gestern gekommen sei ; aber er konnte sich in den geschäftsmäßigen , wennschon sehr verbindlichen Ton des Andern nicht gleich finden , er konnte überhaupt sich noch nicht Rechenschaft von demjenigen geben , was in ihm vorging . Das Arten ' sche Gesicht , Paul ' s mit jedem Lebensjahre wachsende Aehnlichkeit mit dem verstorbenen Freiherrn verfehlten ihre Wirkung auch jetzt wieder nicht auf dessen Sohn . Aber dieser Mann in der dunkeln , bürgerlichen Tracht , auf dessen hoher Stirn die Sorge ihre Spur in leichten Furchen zurückgelassen hatte und in dessen braunem Gelocke hier und da bereits ein weißer Silberfaden schimmerte , war das noch derselbe Offizier , der feurige Krieger , der einst wie ein Sanct Georg mit seinem flammenden Schwerte zwischen Renatus und den Tod getreten war ? Auch jenem Jünglinge , mit dem der junge Freiherr einst in Seba ' s Zimmer so feindselig an einander gerathen war , glich Paul jetzt nicht mehr . Die frische Farbe seines Antlitzes war bleicher geworden , alle seine Züge hatten sich gefestet . Der Mund , der Blick der Augen waren ernster , die Stimme selbst dünkte Renatus tiefer geworden zu sein , und wie ihm damals der Schwung und das Feuer des jungen Fremden eine unruhige Eifersucht eingeflößt hatten , so setzte ihn jetzt etwas Mächtiges , etwas Gebieterisches in dem Wesen dieses Mannes in Verwunderung , obschon er selbst sich ihm gegenüber , in der glänzenden Uniform , in der straffen , regelrechten Haltung , mit dem Degen an der Seite , entschieden als der Vornehmere , als das Mitglied einer höheren Kaste bedünkte . Auch war es ein Ton nachlässiger Vornehmheit , mit welchem er Tremann aufforderte , sich gar nicht zu geniren , er könne warten , denn er habe Zeit . So besitzen Sie , antwortete Tremann ihm in der früheren , freien Weise , was mir in der Regel fehlt , und ich denke , wir machen uns eben deßhalb gleich an unsere Geschäfte . Wollen Sie ablegen ? Ich bitte ! Renatus , der bis dahin nicht ohne Absicht noch immer seinen Säbel an der Seite und seinen Czako in der Hand behalten hatte , hakte den Säbel los , stellte ihn in die Fensterbrüstung , stülpte den Czako darüber , zog die Handschuhe aus , fuhr sich , in den Spiegel blickend , der über dem Kamine hing , einige Male mit der feinen Hand durch sein wohlgepflegtes , blondes Haar und setzte sich dann mit einem unterdrückten Seufzer , wie Einer , der an eine schwere Arbeit geht , an dem Tische nieder , an welchem Tremann bereits vor ihm Platz genommen und auf dem er verschiedene Aktenstücke und Papiere ausgebreitet hatte . Sie waren eigenthümlich anzusehen , der schöne , kräftige Geschäftsmann , der mit selbstgewisser Sicherheit sich zu seiner Arbeit anschickte , und der jüngere , eben so schöne und kräftige Offizier , dem sich das Unbehagen an dem Ungewohnten , das er über sich zu nehmen hatte , in jedem Zuge ausprägte . Mit jener kurzen Uebersichtlichkeit , zu welcher es nur ein sehr klarer Kopf bei völliger Beherrschung seines Stoffes bringt , setzte Tremann dem Freiherrn den Zustand aus einander , in welchem dessen Vermögensverhältnisse sich befänden . Er wiederholte ihm und erklärte ihm ausführlicher , als es in seinen Briefen geschehen war , daß die allmählich aufgehäufte Schuldenlast und die daraus erfolgenden Zinszahlungen es jetzt völlig unmöglich machten , die Angelegenheiten in der gewohnten Weise fortzuführen , und er kam darauf zurück , daß es großer , durchgreifender Entschlüsse bedürfe , wenn man zufriedenstellende Erfolge erzielen wolle . Er trug die Summen zusammen , welche allmählich auf Rothenfeld und Neudorf aufgenommen worden waren , erinnerte Renatus daran , daß man sein mütterliches Capital , welches der verstorbene Freiherr zur ersten Stelle auf Richten eintragen lassen , noch vor dem Ausbruche des Krieges mit der Zustimmung von Renatus auf eine zweite Hypothek gestellt habe , weil es nothwendig gewesen sei , neue namhafte Capitalien herbeizuschaffen , die man gegen dritte Hypotheken nicht habe erhalten können , und schließlich hielt er dann den gegenwärtigen Werth der Güter jener Schuldenlast gegenüber , welcher dieselbe freilich noch immer überstieg , aber doch nicht mehr in solcher Weise überstieg , daß es für Renatus möglich gewesen wäre , sich noch als einen reichen Mann zu betrachten . Die unwiderlegliche Gewalt der Zahlen übte auf Renatus in diesem Falle eine erschreckende Wirkung . Indeß er war von Jugend auf gewohnt , mit sicheren Hoffnungen , mit dem Glauben an das Fortbestehen seiner ausgezeichneten Verhältnisse in die Zukunft zu sehen , und sich von dem unangenehmen Eindrucke rasch emporraffend , sagte er mit der vornehmen Leichtigkeit , die er ebensowohl als der verstorbene Freiherr , wenn es ihm paßte , anzunehmen wußte : Das klingt allerdings bedenklich und würde auch bedenklich sein , wenn man genöthigt wäre , in diesen immer noch ungünstigen Zeiten zu dem Verkaufe eines solchen Besitzes zu schreiten ; glücklicher Weise ist das nicht der Fall ! Tremann , der mit großem Bedachte und reiflichem Ernste seine Auseinandersetzungen