dafür gerächt , indem er niederträchtige Karrikaturen auf mich gemacht . Nun , ich theile dies Loos mit den bedeutendsten Männern aller Zeitalter , bin auch nicht kleindenkend genug , jenen unbedeutenden Pfuscher dafür zu fassen . Aber mit dem Herrn von Brand , der sich , wie ich schon seit einigen Tagen gehört , ein boshaftes Vergnügen daraus macht , die schlechten Blätter bald Diesem , bald Jenem zu zeigen , werde ich ein ernstes Wort reden . « » Darauf ist Herr von Brand gefaßt und sehr begierig , dies ernste Wort zu vernehmen . « Der kleine Mann maß den ihm zur Seite Stehenden , der übrigens in sehr ruhigem Tone sprach , von Oben bis Unten , und sagte dann nach einer Weile : » Und wer sind Sie , der sich hier unberufen eindringt ? « » Nicht unberufener als mancher Andere , « erwiderte der Fremde . » Uebrigens bin ich einer Ihrer Verehrer , Herr von Dankwart . Ich staune Sie an , denn Sie haben Großes geleistet . « Der Angeredete beantwortete dieses zweifelhafte Kompliment mit verächtlicher Miene und einem Achselzucken . » Ja , Sie haben Großes gethan ; Sie haben es in der kurzen Zeit Ihres Hierseins verstanden , sich durch Ihr anmaßendes Betragen , durch Ihren unergründlichen Hochmuth , durch Ihre beispiellose Grobheit bei Hoch und Niedrig verhaßt zu machen . Und das ist keine Kleinigkeit bei der allgemeinen Liebe und Achtung , welche Ihre Herrin genießt , von deren Glanze , wenn auch unverdienter Weise , etwas auf Sie überging . « Obgleich diese Worte mit großem Ausdruck gesprochen wurden , so hatte der Fremde seine Stimme doch dabei gedämpft , so daß sie nur von den Mitspielenden verstanden wurde . Doch sprang Herr von Dankwart bleich vor Zorn von seinem Stuhle auf und sagte mit zitternder Stimme : » Ihren Namen , Herr , ich muß Ihren Namen wissen ! Danken Sie es diesem Orte , daß ich nicht anders mit Ihnen verfahre . Aber wenn Ihre Unverschämtheit nicht von Feigheit begleitet ist , so werden Sie mir Ihren Namen sagen . « » Coeur de rose ! « lachte nun plötzlich der Fremde mit ganz anderer Stimme , » Sie und ich haben meinen Namen vorhin schon ausgesprochen , und der Baron von Brand wird Ihnen gern den Gefallen thun , ihn nochmals vor diesen beiden Herren zu nennen . « Die Excellenzen hoben erstaunt die Augen empor , und wenn sie auch die Stimme des Barons erkannten , und deßhalb wußten , daß er es sei , war es ihnen doch nicht möglich , auch nur einen Zug des ihnen wohlbekannten Gesichtes zu entdecken . » Eine vortreffliche Maske ! « rief der Oberststallmeister . Und der Hofmarschall setzte argwöhnisch hinzu : » Ja , recht vortrefflich ; Herr von Brand versteht das meisterhaft , zweierlei Gesichter zu zeigen . « Herr von Dankwart that einen tiefen Athemzug , dann sagte er : » Ah ! also Herr Baron von Brand ! - Nun gut , - das Uebrige wird sich finden . « Darauf setzte er sich wieder zur Spielpartie nieder , doch zitterten die Karten auffallend in seiner Hand . Der Baron zog sich lächelnd zurück , als er aber das Zimmer verlassen hatte , wurden seine Züge furchtbar ernst und er murmelte : » Das wäre in Ordnung ! Eine gräßlichere Strafe kann sich Niemand selbst vorschreiben . « - Graf Fohrbach hatte unterdessen nach den bewußten Achselschnüren gespäht , und - o Wonne ! - wie der Baron vorhergesagt , flatterten jetzt weiße von den Schultern des schönen Mädchens herab . Eugenie hatte den ersten freien Augenblick benützt , um die verhaßten Farben von sich zu werfen . Wie glänzten die Blicke des jungen Mannes , und wie verschwand bei diesen Blicken die Blässe von ihren Wangen ! Und da er als geschickter Offizier natürlicherweise gut zu manövriren wußte , so gelang es ihm , die junge Stallmeisterin von dem übrigen Gefolge abzuschneiden und sie in einem halbdunkeln Durchgange zu treffen , wo er es wagen durfte , ihr feierlich die Hand zu küssen . Eugenie aber flüsterte ihm mit einem leichten Erröthen zu : » Meine Schleifen haben das größte Recht , weiß zu sein ; denn ich hoffe , daß unser Leben nun klar vor uns liegt . Mit der Frau Herzogin sprach ich vor dem Balle , sie hat nichts gegen unsere Verbindung einzuwenden . « » Also bist du mein ! « jauchzte der überglückliche Adjutant . Und wenn nicht in diesem Augenblicke ein dicker Hoffourier , gefolgt von mehreren Lakaien , an dem Durchgange erschienen wäre , so hätte er das erschreckte Mädchen in seine Arme gedrückt . Ehe der Baron von Brand den Saal verließ , zeigte er sich nochmals bei der Präsidentin und ihrer Tochter , und nahm die zärtlichen Vorwürfe , die er hier erhielt , ruhig in Empfang ; doch besänftigte er die Damen dadurch , daß er sich noch ein paarmal rechts und links präsentiren ließ . Obgleich er aber jede Gratulation nur mit einer Verbeugung erwiderte , so war für Alle sein Verhältniß zur Tochter des Präsidenten doch eine ausgemachte Sache , und der Baron von Brand wurde förmlich als Bräutigam betrachtet . Einundachtzigstes Kapitel . Gesellschaftliches . Wieder einmal war es Nachmittags zwei Uhr längst vorüber , und wieder einmal stand das Kaffeegeschirr auf dem Tisch , an dem die Kommerzienräthin saß , gänzlich unberührt . Wenn dies vorkam , so konnte man es als ein untrügliches Zeichen ansehen , daß irgend eine Störung vorgefallen war . Aus den leblosen Gegenständen des Hauses ließ sich auf diese Art eher etwas errathen , als aus der lebenden Hauptperson - der Kommerzienräthin selbst . Denn diese saß in ihrer Sophaecke starr und aufrecht wie immer , mit unbeweglichen Gesichtszügen und für jeden Uneingeweihten war durchaus keine Aufregung , von welcher Art auch immer , an ihr zu merken . Wer sie