, trat an das Feuer des Kamines , warf die Blätter hinein und blieb bei ihnen stehen , bis das letzte derselben in Asche zerfiel und zerstob . Die Begegnung mit der Kriegsräthin , die ganze Angelegenheit hatte ihn verstimmt ; indeß er war mit derselben noch nicht am Ende , denn er hatte seine Abrechnung noch mit dem Grafen selbst zu halten , um Seba wo möglich ein für alle Mal vor den Verletzungen , die ihr von dieser Seite kommen konnten , sicher zu stellen , und er beschloß nach kurzem Ueberlegen , dies sofort zu thun . » Hochgeborener Herr ! « schrieb er . » Ich habe so eben von Ihrer ehemaligen Haushälterin , der verwittweten Kriegsräthin Weißenbach , eine Reihe von Briefen erhalten , die eine edle und von mir hochverehrte Frau in dem Vertrauen jugendlicher Liebe und in dem Glauben an die Ehrenhaftigkeit des von ihr damals geliebten Mannes geschrieben hat . Beides , ihre Liebe wie ihr Vertrauen , waren ein Irrthum , und ich wünsche sie vor jeder unangenehmen Erinnerung an dieselben , wie sie ihr durch die Weißenbach leicht bereitet werden könnte , fortan zu bewahren . Indem ich es unerörtert lassen will , auf welche Weise jene Briefe in die Hände und den Besitz der Kriegsräthin , die sie mir gegenüber als einen Handelsartikel zu betrachten für angemessen hielt , gelangt sind , erlaube ich mir , bei Ew . Hochgeboren anzufragen , ob sich vielleicht noch andere Briefe jener Dame in Ihrem Gewahrsam befinden . Sollte das der Fall sein , so bin ich nach der heute gemachten Erfahrung gezwungen , Ew . Hochgeboren an die Herausgabe dieser Briefe als an die Erfüllung einer sittlichen Pflicht zu erinnern , wogegen ich Ihnen auf mein Wort versichern kann , daß in dem Besitze der betreffenden Dame nichts , gar nichts mehr vorhanden ist , was an Sie erinnern könnte . Ich habe es wohl nicht nöthig , Ew . Hochgeboren noch besonders darauf aufmerksam zu machen , daß die Schreiberin jener Briefe von dem Mißbrauche , der mit denselben getrieben worden ist , nicht Kenntniß hat und nicht Kenntniß erhalten wird . Diese Beleidigung und Kränkung sind von ihr durch mich glücklicher Weise abgehalten worden . Die Angelegenheit ist also zwischen Ew . Hochgeboren und mir zu ordnen , und ich habe dabei nur noch zu bemerken , daß ich der Kriegsräthin gegenüber meine Maßregeln in der Art genommen habe , daß neue Ansprüche und Erpressungen auf Anlaß ähnlicher Papiere von ihrer Seite künftig nicht mehr zu befürchten sind . Ihrer baldigen Antwort entgegensehend Paul Tremann . « Er hatte diesen Brief eben erst einem Boten zur Besorgung gegeben und wollte sich in das Comptoir verfügen , in welchem inzwischen seine Gehülfen angekommen und an ihre Arbeit gegangen waren , als man ihm den Freiherrn von Arten-Richten meldete . Es war seit lange von der Rückkehr desselben die Rede gewesen , aber sie kam Paul doch jetzt völlig unerwartet , und weil er voraussah , daß die Besprechung , welche er mit Renatus haben mußte , eine längere Zeit erheischen würde , begab er sich erst zu seinen Leuten , um mit ihnen das Nöthige zu bereden und ihnen seine Befehle zu ertheilen , während er den Freiherrn ersuchen ließ , ihn in dem Privatzimmer , in welchem Paul sich bis dahin aufgehalten hatte , zu erwarten . Renatus war der Gang zu diesem Besuche schwer geworden , und die Bemerkungen des Grafen Gerhard hatten nicht dazu beigetragen , ihm denselben zu erleichtern . Er war beunruhigt durch den Gedanken , wie Paul im Grunde über ihn und über jene seine Maßnahme urtheilen möge , nach welcher er ihm vor Jahren seine Angelegenheiten anvertraute . Er für sein Theil war jetzt sehr geneigt , diesen Schritt für eine romantische und großmüthige Unbesonnenheit zu halten , um derentwillen er von sich nicht schlechter dachte , die er aber doch bereute . Der Graf hatte ihm mit seiner Schilderung der rastlosen Habgier , die jedem Kaufmanne inne wohnen sollte , ein widerwärtiges Bild in die Seele gedrückt ; indeß weder das Haus , in das er getreten war , noch der Raum , in welchen man ihn jetzt gewiesen hatte , stimmten mit des Grafen Voraussetzung zusammen . Der wohlanständige Hauswart , der ernsthafte Diener in schwarzer , bürgerlicher Kleidung , die mit Teppichen nach englischer Weise belegten Fluren und Korridors , auf denen der Tritt nicht hörbar war , konnten eben so wohl in dem Hause einer Herzogin ihren Platz finden , und dieses Zimmer , in welchem Renatus den Kaufmann zu erwarten hatte , trug vollends ein beruhigendes Gepräge . Die dunklen Tapeten , die zurückgezogenen dunklen Fenstervorhänge , der große Schreibtisch und die wenigen schweren Armstühle , die in dem Zimmer standen , sahen sehr würdig aus . Die großen Special-Landkarten an den Wänden , die nicht unbedeutende Bibliothek , welche die eine Seite des Gemaches einnahm , und eine Reihe von Modellen zu Maschinen , die auf einem der Tische aufgestellt waren , hätten auch in das Zimmer eines Gelehrten gehören können . Renatus , der viel Freude an allem Zusammenstimmenden besaß und durch den Anblick desselben , wie durch eine angenehme Luft , sehr leicht besänftigt wurde , hätte sich wahrscheinlich auch jetzt diesem wohlthuenden Eindrucke bereitwillig hingegeben , hätte ihm nicht die ihm bevorstehende Unterredung mit ihren unerläßlichen Erörterungen gar zu schwer auf dem Herzen gelegen und hätte er es verschmerzen können , daß er hier als ein Fremder auf den Herrn eben dieses Hauses warten mußte , das einst seiner Familie angehört hatte . Er hatte auf die Einladung des Dieners in einem der alterthümlichen Lehnstühle Platz genommen , die vor dem Kamine standen , und wie er von dem knisternden Feuer zu den Ausschmückungen des Simses hinaufblickte , leuchtete ihm das Arten ' sche Wappen mit seinem fortis in adversis , hell von den Flammen angestrahlt , vertraut und doch schmerzlich entgegen . Er