hat den Brieselang hinter sich und kann mitsprechen . Wir tun es . Der geneigte Leser wolle uns folgen . Es ist Sonntag vor Pfingsten . Wir haben den Elf-Uhr-Zug benutzt und die Sonne steht bereits in Mittag , als wir landen . Wir sind zu drei : mein Reisebegleiter , ein pommersch Blut , ich selbst , und als dritter unser Führer , ein Autochthone dieser Gegenden . Das Dreieck Spandau – Nauen – Kremmen umschließt seine Welt . Er ist hager und ausdauernd wie ein Trapper , erfahren und lederfarben wie » Pfadfinder « . Er versteht auch zu sprechen . » Können Sie es glauben « , so hebt er an , » daß ich diese Straße seit zwanzig Jahren nicht gekommen bin . Ich fasse den Brieselang immer von Norden her , hier unten bin ich ein Fremder ... Ja , vor zwanzig Jahren ! Das war ein Tag , gerade so kalt , wie der heutige warm ist , und wir hatten Wahl in Finkenkrug . « » In Finkenkrug ? « » Ja , in Finkenkrug . Er mag dadurch poetisch verlieren , mehr verlieren , als er politisch gewinnt , aber ich kann es nicht ändern . Es war in Finkenkrug und ich kam mit dem Falkenhagener Oberförster des Weges . Die Pferde waren ganz weiß , der Wald glitzerte ; ich habe kein Rotkehlchen gesehen , so tot war der Wald . « » Und Sie kamen an und stießen auf das leere Nest . Jeder war zu Hause geblieben . « » Fehlgeschossen . Viele Hunderte waren da , immer neue Schlitten fuhren an , und ehe eine halbe Stunde um war , war es nicht mehr möglich , die Ankommenden und Hereindrängenden in den Stuben unterzubringen . Da rief Oberförster Brandt : ' Wir machen ein Feuer und tagen draußen . ' Allgemeiner Jubel . Er war Oberförster , und die paar Klafter Holz , die nun bald lichterloh und mit Geprassel an zu brennen fingen , wird er wohl nach oben hin verdefendieret haben . Es war ein entzückendes Bild . Der glitzernde Wald , das verschneite Haus , auf dessen weißes Dach die roten Lichter fielen , und um das Feuer herum , in Pelze gewickelt , all die havelländischen Bredows , die Ribbecks , die Hünekens , Erxleben von Selbelang , Risselmann von Schönwalde , dazwischen die Pastoren in ihren Filialreisemänteln , endlich die Kutscher und Knechte mit ihren Pferdedecken . Jede Stimme galt . Der alte Landrat von Hobe präsidierte und versicherte uns einmal über das andere , daß von Patow-Potsdam gewählt werden müsse . « » Und was wurde ? « » Nun , er wurde gewählt . Aber nicht ohne Zwischenfälle . Es muß wahr sein , nie habe ich solche Vertilgung von Grog und Glühwein gesehen . In solchem Moment höchster Hitze sprang der Oberprediger aus Kremmen , ein scharfer Liberaler , auf die Tribüne und schrie : › Was wollt Ihr jungen Most in alte Schläuche fassen ; weg mit Patow , ich stelle mich zur Wahl . ‹ Und sein Anhang rief ihm Bravo zu . Aber ein Pächter aus Pressentin , der schon völlig unter Grog stand , schrie in die Versammlung hinein : › ' runter mit ihm und hinein ins Feuer . ‹ Allgemeines Gelächter . Aber der Oberprediger , der klugerweise nicht abwarten wollte , wieviel hier Ernst oder Spaß war ( denn einige faßten bereits zu ) rettete sich durch einen Sprung und verschwand im Unterholze des Brieselang . Er hat den Tag nicht vergessen können . « So ging das Gespräch . Es war inzwischen heiß geworden , so heiß , daß unsere Phantasie mit einem gewissen Neid an dem Winterbilde hing , das unser Führer eben vor uns entrollt hatte , und schon dämmerte die Frage herauf , ob nicht ein flüchtiges » Ausspannen « , eine Lagerung an schattiger Stelle gestattet sei , als wir deutlich eine Art Janitscharenmusik vernahmen , belebende Klänge , die , immer lauter werdend , unsern Füßen ihre Elastizität wieder gaben . Wir waren am Ziel , wenigstens an einem vorläufigen . Der Finkenkrug blitzte durch das Gezweig , und in guter Haltung rückten wir auf einen kastanienumschatteten Platz , zu dem sich der Waldweg hier verbreitert . Eine Alternative , vor die wir uns plötzlich und gegen Erwarten gestellt sahen , gebot uns , mitten im Wege haltzumachen . Der Finkenkrug umfaßt nämlich eine Doppelwirtschaft : links ist Kaffee und Kegelbahn , rechts ist Bier und Büchsenstand . Dies hielt sich die Waage . Aber was zuletzt unserem Schwanken ein Ende machte , war , daß nach rechts hin , wo freilich das verlockende Seidel blühte , doch zugleich auch die minder verlockende Janitscharenmusik ihren Platz genommen hatte , die , in die Waldesferne hinein unbedingt segensreich wirkend , in nächster Nähe ihr entschieden Bedenkliches hatte . Also links . Da hatten wir es denn wirklich mal getroffen . Es war auch die Damenseite , die Seite der jungen Paare , und ich kann mich nicht entsinnen , von meinen Landsmänninnen – honni soit qui mal y pense – jemals einen so ungestört guten Eindruck empfangen zu haben . Schlank , hübsch , wohlgekleidet , munter ohne Lärm , neckisch ohne Frivolität , frei ohne » Freiheiten « , schritten sie paarweise auf und ab , spielten zwischen den Bäumen , oder flogen in der Schaukel durch die Luft . Fremde , die sich auf vergleichende Völkerkunde verstehen , würden die günstigsten Urteile von dieser Stelle mit hinweggenommen haben , wenn man ihnen , die Paare vorstellend , hätte sagen können : dies ist die Schwester eines Steinmetzen , die Braut eines Büchsenmachers , die junge Frau eines Schiffszimmermanns oder Kahnbauers . Eine kurze Rast wurde genommen , das Seidel von » gegenüber « geprobt ; dann brachen wir wieder auf , mit einem Gruß gegen das graziöse Paar , das eben jetzt im Versteckspiel hinter den