als eine Freundin in sein Haus , und .... Und er , Graf Berka , also ist ' s , der Ihnen diese Briefe übergeben hat ? fragte Paul bestimmt . Die Kriegsräthin schlug voll Demuth ihre Blicke nieder . Der Herr Graf hatte keine Geheimnisse vor mir , sagte sie . Er wußte , daß man mir vertrauen könne , und , fügte sie hinzu , dächte ich nicht , daß ich nicht mehr jung bin , daß der Herr mich abberufen und diese Briefe dann einmal in unbedachte Hände fallen könnten , so hätte ich gegen Sie , Herr Tremann , und gegen Niemanden dieser Angelegenheit erwähnt . Aber Mademoiselle Flies hat mich nicht vorgelassen ; hat , als ich ihr geschrieben , meinen Brief zurückgeschickt - was sollte ich da machen ? Paul ' s Verachtung gegen die Kriegsräthin , seine Verachtung gegen den Grafen , der solche Briefe aufbewahren und sie , wenn man das wenigst Schlimme von ihm denken wollte , so schlecht aufbewahren konnte , daß sie einer Person wie dieser in die Hände fallen mochten , schwellten die Adern auf seiner Stirn . Wo sind die Briefe ? fragte er kurz und kalt . Die Kriegsräthin brachte aus ihrem Pompadour ein ansehnliches Packet Papiere hervor , das mit einer Schnur über Kreuz zusammengebunden war . Hier , sagte sie ; aber sie reichte sie Paul nicht hin , sondern hielt sie fest , als fürchte sie , daß sie ihr entrissen werden könnten . Sind das die Briefe alle , welche Graf Berka von Mademoiselle Flies erhalten hat ? Alle , so viel ich weiß . Paul ging mit sich zu Rathe ; die Kriegsräthin verwandte kein Auge von ihm . Was verlangen Sie für diese Briefe ? fragte er darauf . Die Kriegsräthin ließ einen Ausruf der Entrüstung hören . Sie betheuerte , daß es ihr nur darauf angekommen sei , dem Wohlthäter ihres Gatten ihre gute und anhängliche Gesinnung zu bezeigen , um wo möglich seine Geneigtheit und das Zutrauen , das er doch einst zu ihr gehabt habe , wieder zu erlangen . Sie brachte es endlich bis zu der unter Thränen gethanen Erklärung , daß sie , die Kinderlose , sich immer der Hoffnung hingegeben habe , sich in ihrem Pfleglinge einen Sohn zu erziehen ; aber Seba habe sie durch ihr Dazwischentreten auch um dieses Glück gebracht , und sie würde in ihren Herzensergüssen kein Ende gefunden haben , hätte Paul sie nicht noch einmal mit der nackten Frage unterbrochen , was sie für die Briefe fordere . Ihren Beistand - weiter nichts ! rief die Kriegsräthin , sich die Augen trocknend . Paul schüttelte verneinend das Haupt . Ich bin nicht gewohnt , solche Wechsel in Blanco auszustellen . Nennen Sie die Summe . Sie haben für meinen Mann so viel gethan .... Täuschen Sie Sich nicht , Frau Kriegsräthin , ich bin nicht im entferntesten gesonnen , auch nur irgendwie ein Aehnliches für Sie zu thun ! bedeutete er ihr . Aber , hob sie noch einmal an , wenn ich diese Briefe .... Da hielt sich Paul nicht länger . Wenn Sie die Unwürdigkeit begehen sollten , von diesen Briefen irgend einen Gebrauch zu machen , der Mademoiselle Flies verletzen könnte , so würde ich zunächst den Grafen Gerhard fragen , auf welche Weise Sie in den Besitz derselben gelangt sind ! sagte er . So wahr Gott lebt , ich habe sie von ihm selbst ! rief die Kriegsräthin erschrocken aus . Dann behalten Sie sie ; aber ich mache von dieser Stunde ab den Grafen verantwortlich für jeden Mißbrauch , den Sie mit denselben treiben ! Und nun , Adieu , Frau Kriegsräthin ! - Er drehte ihr den Rücken und wollte das Zimmer verlassen . Darauf jedoch hatte sie es nicht abgesehen . Sie trat rasch hinzu , legte die Briefe auf sein Pult und sagte : Sie mißtrauen mir , Herr Tremann ; aber wie unrecht Sie mir auch thun , ich will es Ihnen nicht vergelten . Da sind die Briefe ! Seba soll sehen , ob ich ihre Freundin war und bin . Da sind die Briefe - alle ! Thun Sie nun , was Ihnen von Ihrem Herzen und von Ihrer Generosität geboten wird . Sie blieb stehen . Paul nahm eine Feder in die Hand . Was denken Sie jetzt zu unternehmen , da Ihr Mann gestorben ist ? Der Herr Graf hat mir schon längst dazu verhelfen wollen , daß ich eine Concession erhielte , möblirte Zimmer zu vermiethen ; aber um das anzufangen , um die Möbel anzuschaffen .... Brauchen Sie Geld , natürlich ! Wie groß ist die Summe , deren Sie zu bedürfen glauben ? Ich habe mir das oftmals ausgerechnet ; dreihundertfünfzig Thaler wären doch das Wenigste - das Allerwenigste ! meinte sie . Paul fand diese Summe viel zu hoch . Nach einigen kurzen Erklärungen wurden sie jedoch des Handels einig . Er ließ sich von ihr einen Schein unterschreiben , daß sie ihm gegen die von ihm empfangene Summe sämmtliche in ihrem Besitze gewesenen Briefe Seba ' s an den Grafen Berka ausgehändigt habe , so daß , falls noch jemals derartige Briefe zum Vorschein kommen sollten , sie als Fälschung anzusehen wären . Und nachdem die Kriegsräthin sich noch verpflichtet hatte , sich niemals mehr , weder schriftlich noch mündlich , an Seba zu wenden , zahlte er selbst ihr die bedungene Summe aus und entließ sie , froh , sich ihrer endlich entledigen zu können . Als er allein war , sah er die von der Kriegsräthin nach ihrem Datum geordneten Briefe noch einmal flüchtig an . Die vergilbten Blätter rührten ihn . Er dachte all der trügerischen Hoffnungen , all der verzweifelnden Leidenschaft , mit denen sie geschrieben worden waren , aber er hätte ein Heiligthum zu entweihen geglaubt , hätte er gelesen , was nicht für ihn bestimmt gewesen war . Er nahm das ganze Päckchen