Herstellung eines Dammes quer durch das Luch hindurch wurde möglich . Wo sonst die Fehrbelliner Fähre , über Sumpf und See hin , auf- und abgefahren war , erstreckte sich jetzt der Fehrbelliner Damm . Das Jahr genau zu bestimmen , wann dieser Damm gebaut wurde , ist nicht mehr möglich ; doch existiert schon aus dem Jahre 1582 eine Verordnung , in der von seiten des Kurfürsten Johann Georg » dem Capitul zu Cölln an der Spree , den von Bredows zu Kremmen und Friesack , den Bellins zu Bellin und allen Zietens zu Dechtow und Brunne kund und zu wissen gethan wird , daß der Bellinsche Fährdamm sehr böse sei und zu mehrerer Beständigkeit mit Steinen belegt werden solle « . Das große Havelländische Luch blieb in seinem Urzustand bis 1718 , wo unter Friedrich Wilhelm I. die Entwässerung begann . Vorstellungen von seiten der zunächst Beteiligten , die ihren eigenen Vorteil , wie so oft , nicht einzusehen vermochten , wurden ignoriert oder abgewiesen und im Sommer desselben Jahres begannen die Arbeiten . Im Mai 1719 waren schon über tausend Arbeiter beschäftigt und der König betrieb die Kanalisierung des Luchs mit solchem Eifer , daß ihm selbst seine vielgeliebten Soldaten nicht zu gut dünkten , um mit Hand anzulegen . Zweihundert Grenadiere , unter Leitung von zwanzig Unteroffizieren , waren hier in der glücklichen Lage , ihren Sold durch Tagelohn erhöhen zu können . Im Jahre 1720 war die Hauptarbeit bereits getan , aber noch fünf Jahre lang wurde an der völligen Trockenlegung des Luchs gearbeitet . Nebengräben wurden gezogen , Brücken und Stauschleusen angelegt , Dämme gebaut und an allen trockengelegten Stellen das Holz-und Strauchwerk ausgerodet . Die Arbeiten waren zum großen Teil unter Anleitung holländischer Werkführer und nach holländischen Plänen vor sich gegangen . Dies mochte den Wunsch in dem König anregen , mit Hilfe der einmal vorhandenen Arbeitskräfte aus dem ehemaligen Sumpf- und Seelande überhaupt eine reiche , fruchtbare Kolonie zu machen . Der Plan wurde ausgeführt und das » Amt Königshorst « entstand an dem Nordrande des kreisförmigen Havelländischen Luchs , ungefähr da , wo das vom Rhin-Luch abzweigende Verbindungsstück in das Havelländische Luch einmündet . Die Fruchtbarkeit freilich , die eben dem gewonnenen Grund und Boden von Natur aus abging , hat kein Königlicher Erlaß ihm geben können ; aber in allem andern hat der » Soldatenkönig « seinen Willen glücklich durchgeführt und Königshorst mit seinen platten , unabsehbaren Grasflächen , seinen Gräben , Deichen und Alleen , erinnert durchaus an die holländischen Landschaften des Rheindeltas . Hier wie dort ist die grüne Ebene der Wiesen und Weiden belebt von Viehherden , die hier gemischter Rasse sind : Schweizer , Holländer , Oldenburger und Holsteiner . Die Gewinnung guter Milch und Butter war von Anfang an ein Hauptzweck gewesen , und es wurde demgemäß eine förmliche Lehranstalt für die Kunst des Butterns und Käsemachens eingerichtet , wohin die Beamten und kurmärkischen Ämter eine Anzahl von Bauerntöchtern , für deren gute Führung sie verantwortlich waren , als Mägde zu schicken hatten . Diese Mägde wurden während eines zweijährigen Dienstes in allem Nötigen unterwiesen . Dann mußten sie ohne Hilfe der Holländerin eine Probe guter Butter bereiten , die der König selbst zu prüfen nicht verschmähte . Fiel die Prüfung zugunsten der betreffenden Magd aus , so verlieh ihr der König einen Brautschatz im Betrage von hundert Talern . Diese Einrichtung hat bis zum Tode des Königs bestanden und zu ihrer Zeit reiche Früchte getragen , die noch heutzutage nachwirkend sind . Auch Friedrich II. widmete dem Amte Königshorst eine besondere persönliche Aufmerksamkeit . Anfänglich ließ er den größten Teil der dortigen Ländereien zu Fettweiden benutzen , um die Einfuhr von ausländischem Schlachtvieh für den Berliner Markt entbehrlich zu machen ; in späteren Regierungsjahren aber kehrte er ganz zu dem Benutzungsplan des Gründers von Königshorst zurück und stellte das von seinem Vater begründete Lehrinstitut als » eine – wie der König in einem Erlaß vom 13. Mai 1780 sich ausdrückte – ordentliche Akademie des Buttermachens « wieder her . Bis diesen Tag gilt die Königshorster Butter ( Horstbutter ) in Berlin als die beste . Eins fehlt ihr vielleicht – das Aroma . Das Luchgras , was immer auch die Kultur zu seiner Verbesserung getan haben mag , kann nicht wetteifern mit dem süßen , saftigen , kräuterreichen Gras der Nordseemarschen . Noch weniger ist es geglückt , das Sandland der alten Horsten ( Sandstellen im Sumpf ) zu einem fruchtbaren Boden umzugestalten ; nur mühsam wird das Getreide gewonnen , das zum Unterhalt des Viehstandes nötig ist . Von der Bedeutung jener Entwässerungsarbeiten aber , die durch König Friedrich Wilhelm I. eingeleitet wurden , wird man sich am ehesten eine Vorstellung machen können , wenn man erfährt , daß die Gesamtlänge der im Luche befindlichen Gräben und Kanäle über einundsiebzig Meilen beträgt . Der Brieselang 1. Finkenkrug 1. Finkenkrug Es sauset und brauset Das Tamburin , Es rasseln und prasseln Die Schellen darin . Clemens Brentano In Tagen sommerlicher Lust : Mai , Juni , Juli und August vergeht kein Sonntag , wo nicht Scharen von Besuchern den Brieselang umschwärmten . Aber die Tausende , die kommen und gehen , begnügen sich damit , den Zipfel seines Gewandes zu fassen , die Parole lautet nicht » Brieselang « , sondern » Finkenkrug « . Und doch ist der Finkenkrug , an der südlichsten Seite der Südhälfte gelegen , ein bloßes Portal , durch das man hindurch muß , um in die eigentliche Schönheit des Waldes einzutreten ; nicht diesseits liegt die Herrlichkeit , sondern jenseits , und alles , was den Brieselang ausmacht , seinen Charakter , seine Erinnerungen , seine Schätze , alles liegt drüber hinaus . Der Finkenkrug ist nur erste Etappe . Wer den Brieselang kennenlernen will , der muß auch , rüstigen Fußes , die beiden andern Staffeln zu erreichen wissen : die Försterei und die Eiche . Nur erst wer bei der » Königseiche « steht , der