er hat es nicht gewollt - er hat es nicht gewollt ! Paul hatte sie dieses Mal zu Ende sprechen lassen ; nun er schwieg , befand sie sich offenbar in einer Verlegenheit , und er beeilte sich nicht , sie aus derselben zu befreien . Die Kriegsräthin war ihm stets ein Gegenstand der Abneigung gewesen , und ihr jetziges Auftreten war nicht dazu geeignet , diese Abneigung zu vermindern . Der Graf hatte mit seinem Worte Recht gehabt : die schöne Laura verstand es nicht , mit Anstand alt zu werden . Die dicken , falschen Locken , die falschen Zähne , welche in herausfordernder Weiße aus dem stets lächelnden Munde hervorsahen , die geschminkten Wangen und der schäbige und doch auffallende Ausputz ihrer Trauerkleider machten sie lächerlich , während ihre schlecht erheuchelte Betrübniß sie Paul noch widerwärtiger erscheinen ließ . Wünschen Sie noch etwas ? fragte er ; sonst bitte ich Sie , mir zu sagen , wie viel Sie für das Begräbniß aus Ihrer Tasche hergegeben haben , damit ich es Ihnen wiedererstatte , denn ich bin beschäftigt . Sie zog ein Taschenbuch aus dem großen , schwarzen Sammet-Pompadour , blätterte darin herum , nahm einen Bleistift zu Hülfe , rechnete eine Weile , versicherte danach , daß sie im entferntesten nicht darauf gehofft hätte , daß Herr Tremann ihr auch damit noch zu Hülfe kommen wolle , wie sie sich aber in einer Lage befinde , in welcher sie benutzen müsse , was die Großmuth ihrer gütigen Gönner für sie zu thun geneigt sei , und sie schloß endlich mit der Antwort , daß sie fünf Thaler und zwölf Groschen zu der Beerdigung zugeschossen habe . Paul nahm einen Zehnthalerschein aus seiner Kasse . Als die Kriegsräthin ihre Börse hervorholte und Miene machte , nach dem Gelde zu suchen , welches sie herauszugeben hatte , sagte er ihr , sie möge sich nicht bemühen , sondern den Ueberschuß für etwaige noch nachträgliche Ausgaben behalten . Damit hoffte er , indem er ihr ein Lebewohl bot , ihrer nun auch ledig zu sein . Indeß sie erhob sich zwar von ihrem Sitze , aber sie blieb nahe bei dem Pulte stehen , sah sich im Zimmer mehrmals um , schien gehen und dann doch wieder nicht gehen zu wollen , so daß Paul , obschon er das Erkünstelte in ihrem Betragen klar durchschaute , sich doch veranlaßt fand , sie zu fragen , was sie suche oder was sie sonst noch etwa wolle und begehre . Was hätte ich hier zu suchen , rief sie mit einem Seufzer , oder was könnte ich Anderes begehren , als Ihnen , mein verehrter Herr Tremann , meine Dankbarkeit für alle Ihre Wohlthaten an meinem lieben , seligen Weißenbach zu beweisen ! Und ich glaube , ich kann das , ich kann das wirklich , so wie ja die Maus auch dem Löwen helfen konnte ! - Sie sah sich nochmals in dem Zimmer um , trat dann an das Pult heran und sprach : Ich weiß nicht , Herr Tremann , in wie weit Sie von der Liebschaft unterrichtet sind , welche die Cousine und Pflegemutter Ihrer Frau Gemahlin mit dem Grafen Gerhard von Berka seiner Zeit gehabt hat ; aber .... Sie hielt inne , da Paul ' s finstere Miene ihr Scheu einflößte . Er ließ sie schweigend stehen , denn er war peinlicher berührt , als er es ihr zu zeigen für nöthig fand , und er ging mit sich zu Rathe , ob er sie sprechen lassen oder sie von sich weisen solle . Aber obgleich jedes ihrer Worte ihm durch den Ton und die plötzliche Vertraulichkeit dieser Frau zu einer doppelten Kränkung wurde , entschloß er sich endlich doch , sie anzuhören . Was bringt Sie dazu , mir die Frage vorzulegen , welche Sie an mich gerichtet haben ? fragte er sie . Meine Dankbarkeit , Herr Tremann , nur meine Dankbarkeit , und , setzte sie hinzu , auch die alte Freundschaft für das Flies ' sche Haus . Freilich hat Seba es jetzt ganz vergessen , daß ich ' s gewesen bin , die sie zuerst unter die Menschen und in die Gesellschaft gebracht hat , und daß ich ihre Manieren und ihre Haltung formirte . Ich habe auch , was an mir gewesen ist .... Ich bin sehr beschäftigt , unterbrach sie Paul , dem die Weise der Kriegsräthin immer unleidlicher werden mußte , und der zu merken anfing , worauf es abgesehen war . Ich bin sehr beschäftigt , haben Sie also die Güte , Sich an das Wesentliche zu halten , Frau Kriegsräthin ! Wie Sie wünschen , wie Sie wünschen ! versicherte sie . Aber , Herr Tremann , erlauben Sie mir nur zu meiner Rechtfertigung noch ein paar Worte . Sie sind ein erfahrener Mann , Herr Tremann , und Sie haben gewiß die Frauen kennen gelernt . Sie wissen , wie die Mädchen sind . Seba ließ sich nicht abhalten , an den Herrn Grafen zu schreiben , Brief auf Brief und Jahr und Tag . Das war sehr unrecht , und ich sagte ihr immer .... Und diese Briefe ? fragte Paul , der seine Ungeduld nur mühsam unterdrückte . Die Kriegsräthin schlug die Augen nieder . Diese Briefe besitze ich , sagte sie . Sie besitzen diese Briefe - Sie ? Wie kommen Sie dazu ? fuhr Paul auf , dem das Blut in die Wangen stieg , obschon er seiner Empörung und seinem Zorne Gewalt anthat . Wie kommen Sie , Frau Kriegsräthin , zu diesen Briefen ? Sie machte eine Bewegung mit beiden Händen , als wolle sie andeuten , sie könne sich dessen kaum erinnern . Ich fand mich , Sie wissen es ja , Herr Tremann , als mein armer , guter Weißenbach seiner Versuchung unterlegen war , genöthigt , mir mein Brod zu suchen . Da nahm Graf Berka mich als Haushälterin , und ich kann sagen ,