gegeben , in Leos Begleitung eine kurze Meerfahrt zu machen , und ich begreife nicht , wie er dich stundenlang im Walde allein lassen konnte . « » Wanda wollte es durchaus , « entschuldigte sich Leo , » sie wünschte unsern Streit hinsichtlich des Weges entschieden zu sehen . « » Jawohl , liebe Tante , ich wollte es « – die junge Dame legte einen so entschiedenen Nachdruck auf das Wort , wie sie es schwerlich gewagt haben würde ohne die schützende Nähe des Vaters – » und da wußte Leo sehr gut , daß es ganz vergeblich gewesen wäre , mich zurückzuhalten . « Die Miene der Fürstin zeigte deutlich , daß sie es wieder einmal für nötig hielt , dem Eigenwillen ihrer Nichte mit « vollster Strenge entgegenzutreten . Sie war im Begriff , eine sehr ernste Rüge auszusprechen , als ihr Bruder ihr zuvorkam . » Du erlaubst wohl , daß ich Wanda mit mir nehme ? « sagte er , rasch einfallend . » Ich fühle mich doch etwas ermüdet von der Reise und möchte mich auf mein Zimmer zurückziehen . Auf Wiedersehen also ! « Damit stand er auf , nahm den Arm seiner Tochter und verließ mit ihr das Zimmer . » Der Onkel scheint ganz und gar hingerissen zu sein von Wandas Anblick , « bemerkte Leo , als die beiden verschwunden waren . Die Fürstin sah ihnen schweigend nach . » Er wird sie verziehen , « sagte sie endlich halblaut , » Er wird sie mit derselben blinden Vergötterung umfassen , wie einst ihre Mutter , und Wanda wird bald genug ihre Macht kennen und brauchen lernen . Das war es , was ich fürchtete bei dieser Rückkehr zum Vater . Schon die erste Stunde zeigt , daß ich recht hatte . – Was ist das mit diesem Abenteuer im Walde , Leo ? « Der Gefragte zuckte die Achseln , » Ich weiß es nicht . Vermutlich wieder eine von Wandas Neckereien . Sie machte mich zuerst mit allerlei Andeutungen neugierig , um mir dann hartnäckig jede Auskunft zu verweigern und sich an meinem Aerger zu ergötzen . Du kennst ja ihre Art. « » Jawohl , ich kenne sie . « Auf der Stirn der Fürstin lag eine leichte Falte . » Wanda liebt es nun einmal , mit allen zu spielen , alle , die in ihre Nähe kommen , ihren Mutwillen fühlen zu lassen . Du solltest ihr das nicht so leicht machen , Leo , wenigstens soweit es dich betrifft , « Der junge Fürst errötete bis an die Stirn . » Ich , Mama ? Ich bin ja oft genug im Streit mit Wanda . « » Und läßt dich trotzdem am Gängelband ihrer Launen leiten , wie und wohin es ihr beliebt . Laß das gut sein , mein Sohn ! Ich weiß , wer bei euren Streitigkeiten schließlich triumphiert – doch das sind für jetzt noch Kindereien . Ich wollte etwas Ernstes mit dir besprechen ; schließe die Balkonthür und komme hierher an meine Seite ! « Leo gehorchte ; sein Gesicht verriet , daß er verletzt war , vielleicht weniger durch die eben empfangene Zurechtweisung als durch den Ausdruck » Kindereien « . Die Fürstin nahm jedoch nicht die geringste Notiz von seiner Stimmung . » Du weißt , « begann sie , » daß ich bereits einmal vermählt war , ehe ich deinem Vater die Hand reichte , und daß ein Sohn aus dieser ersten Ehe existiert . Du weißt auch , daß er in Deutschland erzogen wurde , hast ihn aber bisher noch niemals gesehen . Das wird jetzt geschehen . Du wirst ihn kennen lernen . « Leo fuhr mit dem Ausdruck der lebhaftesten Ueberraschung empor . » Meinen Bruder Waldemar ? « » Waldemar Nordeck , ja ! « Der Nachdruck , den die Fürstin auf den Namen legte , enthielt einen vielleicht unbeabsichtigten , aber ganz entschiedenen Widerspruch gegen jede Zusammengehörigkeit dieses Nordeck mit einem Baratowski . » Er lebt hier in der Nähe auf dem Gute seines Vormundes . Ich habe ihm von unserm Hiersein Nachricht gegeben und erwarte ihn in diesen Tagen . « Leos früherer Unmut war verflogen . Der Gegenstand des Gespräches interessierte ihn augenscheinlich aufs höchste . » Mama , « sagte er zögernd , » darf ich nicht endlich Näheres über diese düsteren Familiengeschichten erfahren ? Ich weiß nur , daß deine erste Ehe eine unglückliche war , daß du mit Waldemars Verwandten und seinem Vormunde gänzlich zerfallen bist , und auch das weiß ich nur aus den Andeutungen des Onkels und der alten Diener unsres Hauses . An dich und den Vater habe ich nie eine Frage über diesen Punkt gewagt . Ich sah , daß sie ihn verletzte und dich erzürnte . Ihr schient beide jede Erinnerung daran verbannen zu wollen . « In dem Antlitze der Fürstin lag ein seltsamer Ausdruck von Härte , und dieselbe Härte klang auch in ihrer Stimme , als sie erwiderte : » Gewiß ! Demütigung und Erniedrigung deckt man am besten mit Vergessenheit , und an beiden ist jene unselige Verbindung überreich gewesen . Frage mich jetzt nicht danach , Leo ! Du kennst die Ereignisse – laß dir daran genügen ! Ich kann und will dich nicht Schritt für Schritt in ein Familiendrama einführen , an das ich noch jetzt nicht denken kann , ohne daß der Haß gegen einen Toten sich in mir regt . Ich dachte diese drei Jahre gänzlich aus meinem Leben zu streichen und ahnte nicht , daß ich dereinst selbst gezwungen sein werde , sie wieder hervorzurufen . « » Und wer zwingt dich dazu ? « fragte Leo rasch . » Doch nicht etwa unsre Rückkehr ? Wir gehen jedenfalls nach Rakowicz zum Onkel . « » Nein , mein Sohn , wir gehen nach Wilicza . « » Wilicza ? « wiederholte Leo befremdet . » Das ist ja – Waldemars Herrschaft