bescheiden sein . « Max hielt es unter seiner Würde , den Ausfall zu bemerken , er wandte sich zu seinem Bruder , der noch kein Wort gesprochen hatte . » Dir gegenüber brauche ich ja kein Geheimnis aus meinen Wünschen und Hoffnungen zu machen , aber das bleibt natürlich unter uns . Ich habe vorläufig noch gar keine Gewißheit , aber ich glaube hoffen zu dürfen . Dann brauchte ich dich allerdings nicht länger in Anspruch zu nehmen , du hast Opfer genug gebracht für mich – « » Für deine künstlerische Zukunft habe ich sie gebracht ! « unterbrach ihn Raimar . » Damit scheint es jetzt vorbei zu sein . Nach deinen Aeußerungen von vorhin wirst du der Kunst einfach den Rücken kehren , wenn du eine Million heiratest . « Der junge Mann geriet einen Augenblick in Verlegenheit bei diesen mit voller Schärfe gesprochenen Worten , die durchaus das Richtige zu treffen schienen , dann aber zuckte er mit überlegener Miene die Achseln . » Ich glaube , du willst mir einen Vorwurf daraus machen , daß ich das Glück nehme , wo ich es finde . Nimm es mir nicht übel , Ernst , aber du sitzest seit zehn Jahren in Heilsberg , und was weiß man denn hier , in dem abgelegenen kleinen Orte von der Welt und ihren Anforderungen ! Du kennst sie überhaupt nur in der Vergangenheit , wo sie vielleicht noch einen romantischen Schimmer hatte , aber wir Kinder der Gegenwart haben keine Illusionen mehr . Wir sehen Welt und Leben , wie sie wirklich sind , und rechnen damit , deshalb gehört uns die Zukunft . – Du hast mit der deinigen ja eigentlich schon abgeschlossen . « Damit stand er auf und trat in einer Haltung , die schon sehr an den künftigen Millionär erinnerte , zu einem der Blumenbeete , wo er eine Knospe abpflückte und sie in das Knopfloch steckte . » Höre , Ernst , « der Major sprach halblaut , aber es grollte bedenklich in seiner Stimme . » Läßt du dir von dem dummen Jungen den Text so weiter lesen und dich als eine Art Urahn aus der Vorzeit behandeln , dann sage ich ihm die Wahrheit ! « Raimar machte nur eine abwehrende Bewegung , dann erhob er sich gleichfalls . » Max ! « Der Gerufene wendete sich etwas erstaunt um , der Bruder stand ihm ruhig gegenüber , aber in seiner Stimme klang die tiefste Bitterkeit und Verachtung . » Ich wünsche dir Glück zu deinen Zukunftsplänen , aber mich , laß aus dem Spiele dabei , und vor allem verschone mich mit deinen weisen Belehrungen . Es ist das erste Mal , daß du dir einen derartigen Ton erlaubst , und ich wünsche , daß es auch das letzte Mal ist , denn ich dulde ihn nicht , solange du in meinem Hause bist ! « » Aber , Ernst , ich bitte dich – « Max war offenbar eingeschüchtert durch diese strenge Zurechtweisung , die er bei dem allzeit nachsichtigen Bruder gar nicht gewohnt war , und wollte einlenken , doch Ernst schnitt ihm das Wort ab . » Du hast wohl ganz vergessen , was mich in Heilsberg festgekettet hat ! Ich wollte dich und die Mutter vor Not bewahren , ich wollte dir eine große Laufbahn öffnen , die sich mir verschloß , und jetzt , wo du am Eingange stehst , machst du nur Jagd auf eine reiche Frau , für die du offenbar gar keine Neigung hast . Jetzt willst du dein Talent , die Kunst , deine ganze Zukunft über Bord werfen , um dir mit dem Gelde dieser Frau das zu erkaufen , was du Lebensgenuß nennst . Ein Leben ohne Arbeit , ohne Zweck und Ziel , ein träges Prassen im Schoße des Reichtums , den andere erworben haben . Ich sage dir gerade heraus , daß ich deine klugen Berechnungen erbärmlich finde , durch und durch , erbärmlich – und dich dazu ! « » Amen ! Schäm dich , Maxl ! « sagte Major Hartmut , dann folgte er dem Freunde , der seinem Bruder den Rücken gewandt hatte und in das Haus getreten war . Maxl stand da und sah ganz verblüfft den beiden nach . Er begriff gar nicht , weshalb er sich schämen sollte , aber allmählich kam es ihm doch zum Bewußtsein , daß man ihn , der gar keine Illusionen mehr hatte und auf der Höhe der modernen Anschauungen stand , wie einen Schuljungen behandelt und ausgescholten hatte . Er war natürlich empört darüber , aber an das Fortgehen dachte er trotzdem nicht . Der Aufenthalt in Heilsberg war notwendig , um sich bei der besagten Millionärin in den Vordergrund zu stellen , da mußte man sich notgedrungen fügen . Aber es war wirklich Zeit , daß man loskam von dieser Kette der Abhängigkeit von dem Bruder , die allerhöchste Zeit ! Inzwischen machte Major Hartmut im Hausflur , wo er seinen Freund eingeholt hatte , seinem Herzen Luft , in sehr nachdrücklicher Weise . » Der Maxl ist ja ein recht nettes Gewächs geworden ! Das hast du davon , daß du ihn nach Berlin geschickt hast , während du hier sitzen bliebst , um für ihn und die Frau Mama zu arbeiten . Der Junge hat ja all die modernen Schlagworte auswendig gelernt und plappert sie nach wie ein Starmatz , verstehen thut er natürlich nichts davon . Du scheinst ihn auch heut erst in seiner ganzen Pracht kennen gelernt zu haben , sonst hättest du ihm hoffentlich schon früher die Wechsel entzogen . « Ernst zuckte die Achseln , der bittere , verächtliche Ausdruck von vorhin lag noch in seinen Zügen , als er erwiderte : » Max ist immer nur selten und flüchtig hier gewesen , und da war er klug genug , sich die nötige Rücksicht aufzuerlegen – solange er mich brauchte . Jetzt scheint er das überflüssig zu finden