“ flüsterte er , „ wenn Sie vielleicht – “ ein Blick auf den Verwundeten vollendete den Satz . „ Danke , mein Junge ! “ gab der Arzt in demselben Tone zurück , „ aber es ist zu spät , hier kann nichts mehr helfen . “ Der Secundant blickte auf . „ Aber , Doctor , wollen wir ihn denn hier auf dem feuchten Waldboden sterben lassen ? Wir könnten ihn doch wenigstens in ’ s Forsthaus tragen . “ „ Nein ! “ sagte der Arzt bestimmt . „ Er hält den Transport nicht aus , die erste Bewegung hat den Tod zur Folge , und übrigens stirbt es sich grade so leicht oder so schwer unter freiem Himmel , als zwischen vier engen Wänden . In wenig Minuten ist ohnedies alles vorüber . “ Die Unterredung war im leisen Flüstertone geführt worden , jetzt trat eine Pause ein , keiner der drei Männer sprach , schweigend erwarteten sie das Nahen des Todes . Man vernahm nichts als die immer schwächer und schwächer werdenden Athemzüge des Sterbenden , dann noch ein letztes tiefes Aufathmen , ein Aufzucken , ein erneutes Hervorbrechen des Blutstromes – es war vorüber . Der Secundant ließ langsam den Kopf seines Freundes niedergleiten , er hatte den Todeskampf mit keiner Bewegung gestört ; jetzt , wo nichts mehr zu schonen war , brach die Fassung des jungen Mannes zusammen ; der Arzt ehrte seinen Schmerz , er winkte dem jungen Günther , sich mit ihm zurückzuziehen , erst in einiger Entfernung von der Gruppe blieben sie stehen . [ 4 ]  „ Nun , Bernhard , “ die sonst so freundliche Stimme des Doctors hatte einen Klang tiefer Bitterkeit , „ also Du hast es mit Deinem Starrkopf wirklich durchgesetzt , ein Duell mit anzusehen . Bist Du nun zufrieden ? Bernhard blickte ihn alt , sein vorhin so ruhiges Gesicht war bleich , die Gleichgültigkeit , die er während des ganzen Streites mit den Officieren bewahrt hatte , war jetzt völlig geschwunden . „ Das war ja – ein Mord ! “ sagte er langsam . „ So ? Meinst Du ? Nun , dann sahest Du wenigstens , daß er in vollster Ordnung , mit aller gegenseitigen Höflichkeit und Einwilligung vor sich ging , und daß wir Anderen dabei standen , ohne auch nur die Hand zur Rettung zu rühren . Die Herren in der Stadt haben ein Privilegium auf diese Art Mord , mein Sohn ! “ „ Aber weshalb schossen sie beide ? “ fragte Bernhard , das Auge noch immer unverwandt auf den Todten gerichtet . „ Hm , das ist schwer zu erklären , wenigstens Dir gegenüber . Es handelte sich um eine tiefe , eine tödtliche Beleidigung , die mit Blut gesühnt werden sollte . Wie sie gesühnt ward , das hast Du ja soeben gesehen ! Der Beleidigte wußte nicht mit Pistolen umzugehen , deshalb fehlte er , und der Beleidiger war ein trefflicher Schütze , deshalb schoß er den Gegner nieder – man nennt das auf deutsch ‚ seiner Ehre genug thun ‘ , merke Dir das ! “ Mit diesen in schneidendem Tone gesprochenen Worten wandte der Arzt sich von ihm und trat wieder zu der Gruppe . Der Secundant hatte sich inzwischen etwas gefaßt , er stand auf . „ Wir werden ihn jetzt wohl in den Wagen tragen müssen , Doctor ! Wollen Sie mich auf einem schweren Gange begleiten ? Sie wissen , wohin ich mit der Leiche fahre ; ich habe nicht den Muth , allein hinzutreten mit einer solchen Nachricht ! “ Der Arzt reichte ihm die Hand . „ Ich komme mit Ihnen ! Freilich ist ’ s ein schwerer Gang , noch dazu hier , wo mit dem einen Leben Alles zusammenbricht . Wollte Gott , wir hätten die Stunde erst hinter uns ! “ Sie hoben den Todten empor , Bernhard legte unaufgefordert mit Hand an und Niemand wehrte ihm ; langsam traten die Männer mit ihrer Last den Rückweg an und schlugen die Richtung nach dem in einiger Entfernung wartenden Wagen ein . – Still und einsam lag die kleine Waldwiese , wo sich vor kurzem noch so viel Leben geregt , wo eins davon sich verblutet hatte . War es der letzte Act eines längst begonnenen Drama ’ s , was sie soeben gesehen , oder der erste eines eben beginnenden – wer konnte Auskunft darüber geben ? Die Sonne kämpfte sich allmählich durch den Nebel , er wallte und wogte hin und her und verschwebte endlich als blauer Duft fern im Walde . Siegreich behaupteten die Strahlen ihre Bahn , hellbeschienen standen die riesigen Föhren mit ihren rothen Stämmen und hoben die starren Häupter empor in die klare duftige Herbstluft , und goldene Lichter spielten auf dem herbstlich bunten Laub der Eiche . Die Sonne schmolz den Reif vom Boden und mit ihm die Spuren der Fußtritte , die einzigen Spuren des stattgehabten Kampfes . Nur dort , wo der Todte gelegen , zeichnete sich in schwachen Umrissen , aber noch deutlich erkennbar , ein dunkler Fleck auf dem Rasen ab ; es sah aus , als sei ein Schatten dort zurückgeblieben , der Schatten irgend eines unsichtbaren Gegenstandes , der unverrückbar und geisterhaft mitten in dem hellen Sonnenscheine lag . Ein leichter offener Jagdwagen , von zwei munteren Braunen gezogen , rollte im schärfsten Trabe den Waldweg entlang , der von der Eisenbahnstation E. hinein in das Gebirge führte . Der Herr , welcher von seinem Sitze aus das Gefährt selbst lenkte , hielt die Zügel mit so gleichgültiger Ruhe , als sei es eine Kleinigkeit für ihn , die jungen wilden Thiere zu bändigen . Er war ein Mann von etwa vierzig Jahren , eine gedrungene , markige Gestalt ; schwarzes kurzgeschnittenes Haar umgab eine breite , massive Stirn , auf die Erfahrungen und Sorgen schon manche Linien gezeichnet hatten . Die Züge konnten für gewöhnlich , ja für