doch noch immer nicht , wie du gerade an die geraten bist ! « » Du meinst , was ist mir Hekuba ? – Ich weiß es nicht ; einmal , in einer Stunde , hatte sie , wie ich glaubte , es mir angetan ; aber – – « » Aber « , unterbrach ihn sein Freund , » du wirst einen Kommentar in den Sockel deiner Statue einmeißeln müssen ! Warum in so entlegene Zeiten greifen ? Als wenn nicht jede Gegenwart ihren eigenen Reichtum hätte ! « » Warum ? – Erneste ! Du sprichst ja fast wie , ich weiß nicht , welcher große Kritikus über Immermanns › Tristan und Isolde ‹ . Was geht den Künstler die Zeit , ja was geht der Stoff ihn an ? – Freilich , aus dem Himmel , der über uns Lebenden ist , muß der zündende Blitz fallen ; aber was er beleuchtet , das wird lebendig für den , der sehen kann , und läge es versteinert in dem tiefsten Grabe der Vergangenheit . « Wie drüben die Augen des schönen Mädchens in ihrer kindlichen Liebe , so glänzten jetzt die Augen des jungen Künstlers in Begeisterung . » Wir wollen heut nicht streiten « , sagte der andere und blickte herzlich zu ihm auf ; » aber – wann leuchtet dieser Blitz ? « » Sei nur fromm und ehre die Götter ! – Es gilt dann nur , das neuerwachte Leben in das Licht des Tages hinaufzuschaffen , und ich dächte , auch du hättest mir es zugegeben , daß ein paarmal schon meine Augen sehend und meine Hände stark und keusch genug gewesen sind . – Aber das ist es eben « , fuhr er fort , während der Freund ihm seinen stolzen Glauben durch einen Händedruck bestätigte , » ich fürchte , ich habe dieses Mal nicht recht gesehen , oder – ich war zu kurz in der Heimat ; die furchtbare Walküre des Nordens verschwindet mir noch immer vor dem heiteren Gedränge der antiken Götterwelt ; selbst aus diesen grünen Wellen der Nordsee taucht mir das Bild der Leukothea empor , der rettenden Freundin des Odysseus . – Laß mich jetzt – ich tauge dir doch nicht mehr ! « Sie hatten während dieses Gespräches ihre Kleider abgeworfen und traten nun auf die offene Galerie hinaus , bereit , sich in das Meer zu stürzen . Man hätte wünschen mögen , daß nicht eben der Künstler der noch Schönere von ihnen gewesen wäre , oder lieber noch , daß außer ihnen noch ein anderes Künstlerauge hätte zugegen sein können , um sich zu künftigen Werken an der Schönheit dieser jugendlichen Gestalten zu ersättigen . Noch standen sie gefesselt von dem Anblick der bewegten Wasserfläche , die sich weithin vor ihnen ausdehnte . Rastlos und unablässig rollten die Wellen über die Tiefe , wurden flüchtig vom Sonnenstrahl durchleuchtet und verschäumten dann , und andere rollten nach . Die Luft tönte von Sturmeshauch und Meeresrauschen ; zuweilen schrillte dazwischen noch der Schrei eines vorüberschießenden Wasservogels . Eine starke Woge zerschellte eben an dem Gerüst , worauf die jungen Männer standen , und übersprühte sie mit ihrem Schaum . » Holla , sie werden ungeduldig ! « rief der junge Aktenmann . » Komm jetzt , und wie Tritonen wollen wir durch den grünen Kristall hindurchschießen ! « Aber sein Freund , der Künstler , blickte in die Ferne und schien ihn nicht zu hören . » Was hast du , Franz ? « » Dort ! Vom Frauenfloß her ! Sieh doch ! « Und er wies mit ausgestrecktem Arm auf die schäumende Wasserfläche hinaus . Der andre stieß einen Laut des Schreckens aus . » Ein Weib ! – Ein Kind ! « » So scheint es ; aber keine Okeanide ! « » Nein , nein ; sie kämpft vergebens mit den Wellen . Und das meerbesänftigende Muschelhorn hat leider ja nur der alte Vater Triton ! « Er machte Miene , sich hineinzustürzen , aber mit rascher Hand hielt ihn sein Freund zurück . » Du nicht , Ernst ! Du weißt , ich bin der bessere Schwimmer , und einer ist genug . Lauf zu der alten Badehexe dort am Schuppen und sag ihr , was zu sagen ist ! « Kaum war das letzte flüchtige Wort gesprochen , so spritzten auch schon die Wasser hoch empor , und bald , auf Armeslänge von dem Floß , tauchte der braune Lockenkopf des Schwimmers auf . Mit den kräftigen Armen die Wellen teilend , flog er dahin ; überall vor seinen Augen flirrte und sprühte es ; aber je nach ein paar Schlägen stieg er mit der Brust über die Flut empor , und seine hellen Blicke flogen über die schäumenden Wasser . Noch fern von ihm spielten die Wellen mit schönen sonnenblonden Haaren ; zwei kleine Hände griffen noch mitunter durch den beweglichen Kristall , aber auch mit ihnen spielten schon die Wellen . Eine Seeschwalbe tauchte dicht daneben in die Flut , erhob sich wieder und schoß , wie höhnend ihren rauhen Schrei ausstoßend , seitwärts vor dem Wind über die Wasserfläche dahin . Die alte Frau Kathi war vor ihrer brodelnden Kaffeemaschine doch auch wieder von ihrer Unruhe befallen worden . Der Sturm rüttelte an den Brettern ihres Schuppens , dann und wann schlug von draußen aus der Luft ein verwehter Vogelschrei herein ; es litt sie nicht mehr auf ihrem Holzstuhle . Sie war wieder hinausgegangen , ja sie hatte ebenfalls ihr Schuhzeug abgetan , um zum Floß hinüberzuwaten , und stand jetzt dort , mit ihrer harten Hand bald an diese , bald an jene Badezelle pochend . » Frölen , ach liebes Frölen , so antworten Sie mir doch ! « Aber es kam keine Antwort ; nicht einmal ein Plätschern ließ sich drinnen hören ; nur das Rauschen und Klatschen der Wellen zog eintönig , unablässig ihrem Ohr vorüber . Als sie ratlos nach