hinaus und vor die Haustür ; da kamen zwei arme Kinder mit ihren kleinen Töpfen , dann hintereinander noch ein paar andere Leute von dem äußersten Ende der Stadt , und als ich die abgefertigt hatte , schlug die Uhr zu meinem großen Schrecken elf ; denn ich wußte nun , daß die Verkaufszeit für diesen Vormittag so gut als wie vorüber sei . Ich hatte endlich nur ein paar armselige Schillinge , die ich mittags vor meinem Vater hinlegen konnte . › Was ist das , Nane ? ‹ sagte er . › Weshalb gibst du mir nicht alles ? ‹ › Das ist alles , Vater . ‹ – › Alles ? Das ist ja sonderbar . ‹ Weiter sagte er nichts . Aber auch am Nachmittage und den zweiten und die folgenden Tage blieb es ebenso ; ja selbst die Wagen von den Dörfern kamen immer weniger , und aus einem großen Dorfe , wo wir sonst die beste Kundschaft hatten , blieben sie völlig weg . › Lorenz ‹ , hörte ich einmal , da ich über den Hof ging , unsern Vater fragen , › wann hat Marx Sievers zum letzten Mal geholt ? ‹ › Ich denke , Herr , die andre Woche geht eben heut zu Ende . ‹ › Bei der grausamen Hitze ? – Lorenz ‹ , und an meines Vaters Stimme hörte ich , wie er voll Angst und Sorge war ; › was ist passiert , Lorenz ? Wir haben nimmer besser Bier gehabt ! ‹ › Weiß nicht , Herr ! ‹ erwiderte der Alte düster . Ich mochte nicht stehenbleiben und hören , was sie weiter sprachen ; aber ich wußte wohl , Marx Sievers war der größte Bauer in jenem Dorfe , und wie jetzt , in der Ernte , pflegte sein Fuhrwerk sonst fast jeden dritten Tag zu kommen . In der nächsten Zeit wurden die Darre und die Braupfannen auf das sorgfältigste nachgesehen und gereinigt ; mein Vater untersuchte jeden Sack mit Hopfen , ob auch irgendwo eine Verstockung sich eingenistet habe ; aber er kam stets kopfschüttelnd von solchem Tun zurück ; es war nichts zu finden , was nicht in der Ordnung war . Wir gingen alle wie verstört umher ; denn jeder wußte , die Erntezeit sollte den Hauptverdienst des ganzen Jahres bringen ; und die paar guten Tage , die so schnell vorübergegangen waren , konnten dabei nichts verschlagen . Bei den Mahlzeiten wurde jetzt kein Wort gesprochen , die Augen unserer Mutter gingen angstvoll nach ihres Mannes Angesicht , während sie uns schweigend zuteilte . Der alte Lorenz aber war plötzlich ein ganz wunderlicher träger Mensch geworden ; nicht , weil er keine Geschichten mehr erzählte , denn wer hätte Lust gehabt , die jetzt zu hören ! Sogar die Kinder nicht ! Aber , was nimmer noch passiert war , zu zweien Malen , als ich ihn zum Mittagessen rufen wollte , fand ich ihn bei hellichtem Tage hinter einem Braufaß eingeschlafen . Und da ich ihn weckte , sagte er nur : › Danke , Nane , danke ! ‹ Als ob das ganz so in der Ordnung wäre . Mir aber war das ganz unheimlich , denn der alte Lorenz war ja fast die halbe Brauerei . Da , eines Sonntagmorgens , kam mein Bruder Christian wieder einmal mit solcher Fahrt hereingestürzt , wie er es allemal tat , wenn er was Besonderes zu verkünden hatte . Aber , Gott bewahre , wie sah der Junge in seinen Sonntagskleidern aus ! Das ganze Gesicht voll Blut ; das eine Auge dick verschwollen ! › Wo kommst du her ? ‹ rief mein Vater . › Bist du in dem Krieg gewesen ? ‹ › Nein ‹ , sagte der Junge ; › wir haben uns nur geprügelt . ‹ › Schon wieder einmal ? Und das am heiligen Sonntag ? Was ist denn heute wieder los gewesen ? ‹ › Ja , Vater ‹ , sagte Christian und wischte sich erst mit dem Ärmel das Blut von seiner Backe ; › sie haben schon mehrmals so gelogen , ich hab es euch nur nicht erzählen mögen ; die Jungens sagen , Peter Liekdoorns Finger ist in unserm Bier gewesen ! ‹ Meine Mutter schrie laut auf ; mein Vater war nur totenbleich geworden . › Darum also ! ‹ sagte er leise . In diesem Augenblick wurde angeklopft , und Nachbar Ivers trat herein , der lang nicht dagewesen war . › Nun , Ivers ! ‹ sagte mein Vater , › kommt Ihr auch einmal ? Ihr wagt ' s ja auch nicht mehr , von unserem Bier zu trinken ! ‹ › Hm ! ‹ machte der Alte und sah meinen Vater mit seinen klugen Augen an . › Aber um Christi willen , was ist mit dem Jungen da passiert ! ‹ – › Ja , was ist mit ihm passiert ! Erzähl ' s nur selber , Christian , warum du dich geschlagen hast . ‹ › Ja , Nachbar Ivers ‹ , sagte Christian , › die Jungens sagen alle , Peter Liekdoorns Finger ist in unserem Bier gewesen ! ‹ – › Hm – so , mein Jüngelchen ! Und da hast du mit allen dich deshalb geschlagen ? ‹ › Nein , nicht mit allen ; nur mit ein Stücker viere , aber tüchtig ! ‹ Der Alte sah ihm in sein verschwollenes Angesicht und nickte . › Aber es nützt nur nicht viel , Christian , und wenn du es auch mit allen fertiggebracht hättest . – Nachbar Ohrtmann ‹ , wandte er sich dann zu meinem Vater , › ich komme just um dessen willen zu Euch ; ich möcht Euch raten , nehmt Eueren alten Lorenz einmal tüchtig ins Gebet ! Ihr wisset wohl nicht , weshalb er mit seinem alten Kameraden durchaus die Henkersnacht hat teilen wollen ? ‹ › Ei freilich ! ‹ rief