Wald herum , quer über die Felder um das ganze Gutsgebiet ; seine Blicke streiften über das dämmernde Land mit einer Sicherheit , wie sie es nie getan . Der Erbe dieses Grundbesitzes lag sterbend in der Wiege ; er aber war der Vater und der Erbe dieses Erben ! Er stieß seinem Pferde die Sporen in die Weichen , daß es bäumend in die Luft stieg ; aber er zwang es nieder auf die Vorderfüße , seine Faust war kräftiger als je . » Vorwärts ! Wir traben bald auf eigenem Grund und Boden ! « Seine Brust hob sich ; mit Mühe bändigte er ein Jauchzen , das fast die stille Nacht erschüttert hätte . Als er zu Hause von dem schäumenden Rappen stieg , kam ihm die Bauerndirne , die als Kindesmagd war gemietet worden , mit Geheul entgegen : das Kind lag abermals in seinen Gichtern . Am andern Morgen kam der Arzt , und am folgenden Tage kam er wieder ; und während er an der Wiege des Kindes war , ging Herr Hennicke in atemlosem Wandern in der Winterstube auf und ab ; aber die Waage stand immer noch zwischen Tod und Leben . Als am dritten Tage der Doktor zu ihm ins Gemach trat , streckte er Herrn Hennicke die Hand entgegen und sprach mit heiteren Augen : » Die edle Tote hat Euch ein teueres Pfand gelassen ; Gott hat geholfen , Euer Kind wird leben ! « Seit jenem Augenblicke haßte Herr Hennicke den alten Arzt ; noch mehr aber seinen eigenen Sohn . Das Wesen des Mannes wurde seit dem Tode der sanften Frau noch finsterer und gewaltsamer . Wenn die Hörigen säumig waren oder die Pachtbauern mit ihrem Zinse oder den Mast- und Schweinegeldern im Rückstand blieben , ließ er die einen in den Block legen oder peitschen , für die andern suchte er alte , längst vergessene Strafen aus dem Staube der Archive . Freilich , der Gelder konnte er nicht entraten ; denn er liebte Weiber und Gelage und war auf Wochen oftmals in der Stadt , im fröhlichen Verkehre mit des Herzogs Leuten ; und wenn auch noch auf zwei Jahrzehnte der Gutsertrag in seine Kasse floß , er war noch jung , und die Mündigkeit des Kindes traf noch in seine besten Mannesjahre . Wenn der Geburtstag seines Sohnes sich jährte , es war ihm nur ein Merkmal der ihm drohenden Verarmung . Überdies war schwere Zeit damals in den siebenziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts ; Kriegs- und andere Lasten drückten , und der mitregierende König achtete weder des Volkes noch der Stände Rechte . Es half Herrn Hennicke nicht viel , daß er jeden Anlaß nahm , um Bauernfeld in Hoffeld umzuwandeln ; es wurde not , nach einer zweiten Erbtochter mit freiem Eigen auszuschauen ; vielleicht in einer Zeit , wo er weniger als je dazu den Antrieb spürte . Allein es wollte nicht so glücken wie das erste Mal . Auf mehreren Herrensitzen hatte er schon angeklopft ; aber die Töchter waren meistens aus der andern Tür gegangen , wenn er zur einen eingetreten war . Die niedrige Stirn des Mannes unter dem schwarzen , kurzgeschorenen Kraushaar wollte ihnen nicht gefallen ; sie sahen lieber auf ihre Vettern und Freunde , welche schon die zierliche , von Herrn Hennicke stets verschmähte französische Perücke auf ihren jungen Köpfen trugen ; auch munkelte es stark , daß trotz des Freierganges der schwarze Mann von einer niederen Leidenschaft gehalten sei und , gleich dem Bauern , nur das Gut freien gehe . So kam es endlich , daß er zu einem lang gemiedenen saueren Weg sich rüstete . Hinter dem Walde von Eekenhof , von dessen Herrenhaus nur eine halbe Stunde fern , saß eine Erbtochter ganz allein auf ihrem nicht gar großen , aber schuldenfreien Hofe . Sie war ein Waisenkind von etlichen dreißig Jahren , eine herbe wirtschaftliche Jungfrau , deren farbloses Antlitz mit dem glatt gescheitelten Flachshaar stets so sauber gehalten war wie die tannenen Fußböden ihrer Zimmer , von denen die Bauern sagten , daß man den Braten von den Dielen essen könne . Vor etwa zehn Jahren war die Meinung aufgekommen , ein armer Vetter werde bei der wohlhäbigen Base sich ein sicheres Nest erwerben ; aber es war nicht dazu gekommen , und einem neugierigen Frager hatte mit verschmitztem Lächeln der junge Fant erwidert : » Wenn sie nur Brauen auf dem Schädelbogen hätte ! Ich fürchte mich vor ihren nackten Augen ! « Seit jener Zeit hatte die Jungfrau an ihrer Aussteuer nur noch emsiger gesponnen als je zuvor . Des Tages über saß sie allein an ihrem Rade und spähte unterweilen aus ihren kleinen Augen auf die vorbeiführende Heerstraße , ob nicht zu Roß oder zu Wagen ein Freier angefahren komme ; am Abend , zumal im Winter , wenn die Wirtschaftsarbeit abgetan war , schnurrten auch die Räder der leibeigenen Mägde um sie her , und war die Herrin zum Schlaf in ihre Kammer gegangen , so mußten die Dirnen stundenlang noch in der kalten Stube weiterspinnen ; klagten sie am andern Morgen , daß sie mit den steifen Fingern den dicken Wocken , den sie ihnen zur Nacht noch aufzustecken pflegte , nicht völlig hätten zwingen können , so wickelte sie den Flachs um ihre Finger und sengte ihnen denselben daran ab . Sie soll dabei gesagt haben : » Nun wird ' s wohl heiß genug sein für die ganze Woche ! « Da , eines Morgens , als sie von ihrem Spinnrade in den grauen Regentag hinausäugte , kam ein Reiter mit zwei großen Hunden dem Tore ihres Hofes zugetrabt . Ihre dünnen Lippen verzogen sich zum Lächeln ; denn es war Hennicke , den sie seit seiner Frauen Hingang schon jeden Tag erwartet hatte . Sie lächelte sogar noch , wenn auch ein wenig säuerlich , als mit Herrn Hennicke seine Hunde sich ins Zimmer drängten und ihre schmutzigen Tatzen auf die