des Degens : » Herr Kamerad ! Ich bin ein Freund der Reserve und ein Feind naher Berührung ! « » Potz ! « sagte dieser , stellte sich aber seitwärts und gab dem Pagen mit einer höflichen Handbewegung den Vortritt . Die zwei Wildfänge rasselten die Treppe hinunter . Lange noch ratschlagten die Leubelfinge . Daß für den jungen , welcher seine Identität eingebüßt hatte , des Bleibens in Nüremberg nicht länger sei , war einleuchtend . Schließlich wurden Vater und Sohn einig . Dieser sollte einen Zweig des Geschäftes nach Kursachsen , und zwar nach der aufblühenden Stadt Leipzig verpflanzen , nicht unter dem verscherzten patrizischen Namen , sondern unter dem plebejischen » Laubfinger « , nur auf kurze Zeit , bis der jetzige August von Leubelfing neben dem Könige vom Roß auf ein Schlachtfeld und in den Tod gestürzt sei , welches Ende nicht werde auf sich warten lassen . Als nach einer langen Sitzung der Vertauschte sich erhob und seinem Bild im Spiegel begegnete , trug er über seinen verstörten Zügen noch das Häubchen , welches ihm der schwedische Taugenichts aufgesetzt hatte . – II II » Höre , Page Leubelfing ! Ich habe ein Hühnchen mit dir zu pflücken . Wenn du mit deinen flinken Fingern in den dringendsten Fällen dem Könige meinem Herrn eine aufgehende Naht seines Rockes zunähen oder einen fehlenden Knopf ersetzen würdest , vergäbest du deiner Pagenwürde nicht das geringste . Hast du denn in Nüremberg Mütterchen oder Schwesterchen nie über die Schulter auf das Nähkissen geschaut ? Ist es doch eine leichte Kunst , welche dich jeder schwedische Soldat lehren kann . Du rümpfst die Stirne , Unfreundlicher ? Sei artig und folgsam ! Sieh da mein eigenes Besteck ! Ich schenk es dir . « Und die Brandenburgerin , die Königin von Schweden , reichte dem Pagen Leubelfing ein Besteck von englischer Arbeit mit Zwirn , Fingerhut , Nadel und Schere . Dem Könige aus eifersüchtiger Zärtlichkeit überallhin nachreisend , hatte sie ihn mitten in seinem unseligen Lager bei Nüremberg , wo er einen in dasselbe eingeschlossenen , vom Kriege halb verwüsteten Edelsitz bewohnte , mit ihrem kurzen Besuche überrascht . In den widerstrebenden Händen des Pagen öffnete sie das Etui , enthob ihm den silbernen Fingerhut und steckte denselben dem Pagen an mit den holdseligen Worten : » Ich binde dir ' s aufs Gewissen , Leubelfing , daß mein Herr und König stets propre und vollständig einhergehe . « » Den Teufel scher ich mich um Nähte und Knöpfe , Majestät « , erwiderte Leubelfing unmutig errötend , aber mit einer so drolligen Miene und einer so angenehm markigen Stimme , daß die Königin sich keineswegs beleidigt fühlte , sondern mit einem herablassenden Gelächter den Pagen in die Wange kniff . Diesem tönte das Lachen hohl und albern , und der Reizbare empfand einen Widerwillen gegen die erlauchte Fürstin , von welchem diese gutmütige Frau keine Ahnung hatte . Doch auch der König , welcher auf der Schwelle des Gemaches den Auftritt belauscht hatte , brach jetzt in ein herzliches Gelächter aus , da er seinen Pagen mit dem Raufdegen an der linken Hüfte und einem Fingerhut an der rechten Hand erblickte . » Aber Gust « , sagte er dann , » du schwörst ja wie ein Papist oder Heide ! Ich werde an dir zu erziehen haben . « In der Tat achtete Gustav Adolf es nicht für einen Raub , die Krone zu tragen . Wie hätte er , welcher – ohne Abbruch der militärischen Strenge – jeden seiner Leute , auch den Geringsten , mit menschlichem Wohlwollen behandelte , dieses einem gut ! gearteten Jüngling von angenehmer Erscheinung versagt , der unter seinen Augen lebte und nicht von seiner Seite weichen durfte . Und einem unverdorbenen Jüngling , der bei dem geringsten Anlaß nicht anders als ein Mädchen bis unter das Stirnhaar errötete ! Auch vergaß er es dem jungen Nüremberger nicht , daß dieser an jenem folgenschweren Bankett ihn als den » König von Deutschland « hatte hochleben lassen , den möglichen ruhmreichen Ausgang seines heroischen Abenteuers in eine kühne prophetische Formel fassend . Eine zärtliche und wilde , selige und ängstliche Fabel hatte der Page schon neben seinem Helden gelebt , ohne daß der arglose König eine Ahnung dieses verstohlenen Glückes gehabt hätte . Berauschende Stunden , gerade nach vollendeten achtzehn unmündigen Jahren beginnend und diese auslöschend wie die Sonne einen Schatten ! Eine Jagd , eine Flucht süßer und stolzer Gefühle , quälender Befürchtungen , verhehlter Wonnen , klopfender Pulse , beschleunigter Atemzüge , soviel nur eine junge Brust fassen und ein leichtsinniges Herz genießen kann in der Vorstunde einer tötenden Kugel oder am Vorabend einer beschämenden Entlarvung ! Als der nürembergische Junker August Leubelfing von dem Kornett dem Könige vorgestellt wurde , hatte der Beschäftigte kaum einen Augenblick gefunden , seinen neuen Pagen flüchtig ins Auge zu fassen . So wurde dieser einer frechen Lüge überhoben . Gustav Adolf war im Begriff sich auf sein Leihroß zu schwingen , um den zweiten fruchtlosen Sturm auf die uneinnehmbare Stellung des Friedländers vorzubereiten . Er hieß den Pagen folgen und dieser warf sich ohne Zaudern auf den ihm vorgeführten Fuchs , denn er war von jung an im Sattel heimisch und hatte von seinem Vater , dem weiland wildesten Reiter im schwedischen Heere , einen schlanken und ritterlichen Körper geerbt . Wenn der König , nach einer Weile sich umwendend , den Pagen tödlich erblassen sah , so taten es nicht die feurigen Sprünge des Fuchses und die Ungewohnheit des Sattels , sondern es war , weil Leubelfing in einiger Entfernung eine ertappte Dirne erblickte , die mit entblößtem Rücken aus dem schwedischen Lager gepeitscht wurde , und ihn das nackte Schauspiel ekelte . Tag um Tag – denn der König ermüdete nicht , den abgeschlagenen Sturm mit einer ihm sonst fremden Hartnäckigkeit zu wiederholen – ritt der Page ohne ein Gefühl der Furcht an seiner Seite . Jeder Augenblick konnte