des Richters und erhielt es . Beim Bischof in Chur wurde Beilager gehalten . Am dritten Tage setzte es Händel . Der Räzünser , dessen Werbung der Judex abgewiesen haben mochte , wurde zu spät oder ungebührlich geladen oder an einen unrechten Platz gesetzt oder nachlässig bedient oder schlecht beherbergt oder es wurde sonst etwas versehen . Kurz , es gab Streit und der Räzünser streckt den Judex . Der Vater hat den Schwieger zu rächen , berennt Räzüns eine Woche lang und bricht es . Inzwischen bestattet das Weib den Judex und reitet nach Hause . Dort sucht sie der Vater , mit Beute beladen . Er stößt ins Horn , der Sitte gemäß . Sie tritt ins Tor , sagt den Spruch und kredenzt den Wulfenbecher , den ihr der Vater in Chur nach wölfischer Sitte als Morgengabe gereicht hatte . Kredenzt ihn mit drei Schlücken . Der Arbogast , der durstig daneben stand , hat sie gezahlt : drei herzhafte Schlücke . Der Vater nimmt den Becher , leert ihn auf einen Zug und haucht die Seele aus . War es so oder war es anders , Bischofsneffe ? « » Wörtlich und zum Beschwören so « , bestätigte Graciosus » Von hundert Zeugen , die den Burghof füllten , zu beschwören ! Soviel ihrer noch am Leben sind . Und solches ist geschehen nicht im Zwielichte , nicht bei flackernden Spänen , sondern im Angesicht der Sonne zu klarer Mittagszeit . Der Comes dein Vater war rasend geritten , hatte im Bügel manchen Trunk getan – « » Und mit fliegender Lunge ins Horn gestoßen , vergiß nicht ! « höhnte Wulfrin . » Er triefte und keuchte – « » Er lechzte wie eine Bracke ! « überbot ihn Wulfrin . » Er sehnte sich nach seinem Weibe « , dämpfte Graciosus . » Trunken und brünstig ! unter gebleichten Haaren ! pfui ! Ist das zum Abmalen und An-die-Wand-Heften ? Was will die Judicatrix ? Mich schwören lassen , daß wir Wölfe gemeinhin am Schlage sterben ? Was freilich auf die Wahrheit herausliefe . « » Es ist ihr Wille so und man gehorcht ihr in Rätien . « » Seht einmal da ! ihr Wille ! « hohnlachte Wulfrin . » Mein Wille ist es nicht und meine Heimat ist nicht ein Bergwinkel , sondern die weite Welt , wo der Kaiser seine Pfalz bezieht oder sein Zelt aufschlägt . Sage du deiner Richterin , Wulfrin sei kein Laurer noch Argwöhner ! Sie rühre nicht an die Sache ! Sie zerre den Vater nicht aus dem Grabe ! Ich lasse sie in Ruhe , kann sie mich nicht ruhig lassen ? « Er drohte mit der Hand , als stünde die Stiefmutter vor ihm . Dann spottete er : » Hat das Weib den Narren gefressen an Spruch und Urteil ? Hat es eine kranke Lust an Schwur und Zeugnis ? Kann es sich nicht ersättigen an Recht und Gericht ? « » Es ist etwas Wahres daran « , sagte Graciosus lächelnd . » Frau Stemma liebt das Richtschwert und befaßt sich gerne mit seltenen und verwickelten Fällen . Sie hat einen großen und stets beschäftigten Scharfsinn . Aus wenigen Punkten errät sie den Umriß einer Tat und ihre feinen Finger enthüllen das Verborgene . Nicht daß auf ihrem Gebiete kein Verbrechen begangen würde , aber geleugnet wird keines , denn der Schuldige glaubt sie allwissend und fühlt sich von ihr durchschaut . Ihr Blick dringt durch Schutt und Mauern und das Vergrabene ist nicht sicher vor ihr . Sie hat sich einen Ruhm erworben , daß fernher durch Briefe und Boten ihr Weistum gesucht wird . « » Das Weib gefällt mir immer weniger « , grollte Wulfrin . » Der Richter walte seines Amtes schlecht und recht , er lausche nicht unter die Erde und schnüffle nicht nach verrauchtem Blute . « Graciosus begütigte . » Sie redet davon , ihr Haus zu bestellen , obwohl sie noch in Blüte und Kraft steht . Vielleicht sorgt sie , wenn sie nicht mehr da wäre , könntest du deine Schwester in Unglück stürzen – « » In Unglück ? « » Ich meine sie berauben und verjagen unter dem Vorwande einer unaufgeklärten und ungeschlichteten Sache . Darum , vermute ich , will sie dich nach Malmort haben und sich mit dir vertragen . « Wulfrin lachte . » Wirklich ? « sagte er . » Sie hat einen schönen Begriff von mir . Meine Schwester plündern ? Das arme Ding ! Im Grunde kann es nicht dafür , daß es auf die Welt gekommen ist . Doch auch von ihr will ich nichts wissen . « Während er redete , zählte sein Blick die Jahresringe der jungen Palme . » Fünfzehn Ringe ? « sagte er . » Fünfzehn Jahre « , berichtigte Graciosus . » Und wie schaut sie ? « » Stark und warm « , antwortete Gnadenreich mit einem unterdrückten Seufzer . » Sie ist gut , aber wild . « » So ist es recht . Und dennoch will ich nichts von ihr wissen . « » Sie aber weiß von nichts anderm als von dem fremden reisigen fabelhaften Bruder , der sich mit den Sachsen balgt und mit den Sarazenen rauft . › Wann der Bruder kommt ‹ – › Das gehört dem Bruder ‹ – › Das muß man den Bruder fragen ‹ – davon werden ihr die Lippen nicht trocken . Jedes Hifthorn jagt sie auf , sie springt nach deinem Becher und damit an den Brunnen . Sie wäscht ihn , sie reibt ihn , sie spült ihn . « » Warum , Narr ? « » Weil sie dir ihn kredenzen will und dein Vater sich daraus den Tod getrunken hat . « » Dummes Ding ! Du also wirbst um sie ? « Der ertappte Graciosus errötete wie ein Mädchen . » Die Mutter begünstigt mich , aber an ihr selbst