ihre ältere Tochter und das kleine Mädchen an der Hand führend , den Schauplatz des kränkenden Vorfalles und schwankte müden Schrittes ihrem Hause zu . Die Tanzmusik begann von neuem . Die alten Bauern stopften ihre Pfeifen , und die jungen Burschen führten ihre kreischenden Mädchen zum Reigen . In kurzem wirbelte eine mächtige Staubwolke über der Stelle , wo eben noch zwei Herzen in bitterer Pein geschlagen hatten . – Daran schien niemand mehr zu denken ; das wäre auch zu viel verlangt gewesen ; denn – Hochzeit ist nicht alle Tage . Nur ein junger Mann , vorher der eifrigste Tänzer , trat aus dem Gedränge zurück und lehnte sich an den Stamm einer Linde . Er war eine schlanke , hochaufgeschossene Gestalt , aber von den kräftigsten Formen . Das volle , schwarze Haar legte sich in glänzenden Wellen nach dem Hinterkopf zurück und ließ ein auffallend hübsches , wenn auch von Luft und Sonne fast asiatisch gebräuntes Gesicht frei . Seine edle , ungezwungene Haltung zeichnete ihn weit aus vor den anderen Burschen ; und wenn diese in ihren langen Röcken , kurzen Westen und den fast zum Ersticken fest geschnürten , buntseidenen Halstüchern mitunter höchst drollig aussahen , so mußten der zierliche Anzug und besonders das lose um den weißen Hemdkragen geschlungene schwarzseidene Halstuch an dem jungen Mann vorteilhaft auffallen . Derselbe hieß Joseph , war der Stiefbruder des Bräutigams und der einzige Sohn der Frau Sanner – ihr Abgott und Erbe all ihrer Besitztümer . Gegen so viele Vollkommenheiten waren natürlich die Herzen der Dorfschönen nicht gestählt . Das sah man hauptsächlich an ihrem Bestreben , den schönen Tänzer , der unbegreiflicherweise für den herrlichen Walzer plötzlich taub geworden zu sein schien , wieder in ihre Reihen zu ziehen – allein vergebens . Er trat endlich zu einer Gruppe alter Frauen , die in seiner Nähe saß ; mehrere derselben entwickelten eine staunenswerte Zungenfertigkeit . » Eine jede von euch weiß , wie es scheint , Hunderte von Fehlern an der Schulmeisterin « , sagte er fast ungeduldig . » Was hat sie denn aber getan , daß sie gefänglich eingezogen worden ist ? « » Das kann Euch Mamsell Dore am allerbesten erzählen « , sagte der Wirt , der eben hinzutrat ; über seinen buschigen , strohfarbenen Augenbrauen und auf den Wangen flammten noch blutrote Flecken des Zornes . Mamsell Dore jedoch sah scheel nach dem Sprechenden auf und entgegnete mürrisch : » Laßt mich zufrieden . Mir steht die Sache bis an den Hals . Ich habe so viel Ärger und widerwärtige Gänge wegen dieser Dieberei gehabt , daß ich froh bin , wenn ich nicht daran denke ! « Damit stand sie auf und rauschte von dannen . » Wie , gestohlen hätte diese Frau ? « fragte ungläubig der junge Mann . » Na – und ob ! « entgegnete der Wirt . » Seht « , fuhr er fort , und ein Blick des Hasses und Ingrimms streifte das Häuschen der Schulmeisterin , » das Weib da oben hatte ihr Lebtag einen Dünkel , daß es kaum zu sagen ist ... Glaubt Ihr denn , daß die je in eine Spinnstube gegangen wäre ? Ja , da kommt Ihr schön an , die war ihr lange nicht gut genug . Zur Kirmse saß sie an ihrem Fenster und guckte auf die Gäste runter , als sei die Nußschale da droben ein Rittergut und sie die gnädige Frau ... Ihr Mann war nicht um ein Haar besser . Er nannte seine Frau – ha , ha , ich muß noch lachen , wenn ich daran denke – seine Rose , seine Krone und Gott weiß was alles . Der ist gestorben , ohne zu wissen , wie die grüne Tanne inwendig aussieht ; er hielt sich für viel vornehmer als der Pfarrer , der gar oft auf ein Spielchen bei mir einspricht ... In seinem Garten , nicht größer als meine Hand , steckte er den lieben langen Tag und vertat seine paar Groschen in teurem Blumensamen . Wenn nun das nichtsnutzige Zeug wuchs und blühte , hatte Euch der alte Narr eine Freude , als ob er eine unverhoffte Erbschaft getan hätte ... Auf einmal starb er und hinterließ seiner Frau nichts als das Häuschen und zwei Kinder . Da hat sie denn bald gemerkt , daß der Hunger vor den grün angestrichenen Fensterläden und den weißen Vorhangslappen so wenig Respekt hat als vor den elenden Baracken draußen am Ende des Dorfes , und so ist es gekommen , daß sie « – er machte eine unzweideutige Gebärde , die das bezeichnet , was man » lange Finger « zu nennen pflegt . Der junge Mann mußte zu dieser Anschuldigung abermals ein zweifelhaftes Gesicht machen , denn der Wirt fuhr ihn heftig und polternd an : » Na , na , spielt Euch nur nicht gar so auf den ungläubigen Thomas ! ... Hat Euch die Alte etwa auch behext mit ihrem scheinheiligen Getue ? ... Na , wartet nur , Ihr werdet schon klein beigeben ... Vor ein paar Monaten sitzt Mamsell Dore spätabends allein in der Pfarre . Sie hatte alle Türen fest verschlossen , weil sie sich fürchtete ; denn der Herr Pfarrer war verreist , und es lag viel Geld im Hause ... Da hört sie auf einmal ein Hin- und Hertappen draußen auf dem Gang . Sie kriegt eine Gänsehaut und traut sich natürlich nicht von der Stelle . Weil aber der Spektakel gar nicht aufhört , so faßt sie sich endlich ein Herz , macht schnell auf und leuchtet hinaus . Da steht denn unten am äußersten Ende des Ganges , vor der weit offenen Stubentür des Herrn Pfarrers , die Schulmeisterin , leichenblaß vor Schrecken . Mamsell Dore fragt ganz erstaunt , wie sie denn durch die fest verschlossene Haustür hereingekommen sei ? Darauf sagte die Schulmeisterin , aber stotternd und bebend – Mamsell Dore hat gehört , wie ihr die