graziöse Geschmeidigkeit der Kreolin ... Ja , die schwere , düstere Witwentracht war abgestreift , wie die häßliche Puppe von dem hellbeschwingten Schmetterling . Dem Anstand , der Konvenienz war genügt worden bis auf die äußersten Anforderungen – nun endlich durfte auch das Glück kommen , nun durften die Flammen der Leidenschaft rückhaltlos aus den Augen brechen , wie in diesem Moment . » Ich muß schelten , Baron Mainau , « sagte sie mit etwas unsicherer Stimme . » Sie haben mich eben sehr erschreckt durch Ihre rettende That und dann – kommen Sie doch allzu spät . « Er hielt den Hut in der Rechten und verbeugte sich tief . Der Sonnenschein spielte über den braungelockten , rätselvollen Kopf hin , vor welchem die Damen » wie die Lämmer « zitterten . » Ich würde mit Freund Rüdiger versichern , daß ich sehr unglücklich sei , « versetzte er , » allein Eure Hoheit werden mir das sicher nicht mehr glauben , wenn ich sage , wo ich mich verspätet habe . « Die Herzogin richtete ihre Augen groß und befremdet auf sein Gesicht – es war ein wenig bleich geworden , aber sein Blick , dieser selten zu ergründende Blick funkelte ihr in einer Art von wildem Triumph entgegen . Ihre Hand fuhr unwillkürlich nach dem Herzen – die kleine , blasse Rose im Gürtel knickte ab und fiel unbemerkt zu den Füßen des schönen Mannes . Er wartete umsonst auf eine Frage der fürstlichen Frau – sie schwieg , wie es schien , in atemloser Erwartung . Mit einem ehrerbietigen Kopfneigen fuhr er nach einer augenblicklichen Pause fort : » Ich war in Rudisdorf bei meiner Tante Trachenberg und erlaube mir , Euer Hoheit anzuzeigen , daß ich mich daselbst mit Juliane Gräfin Trachenberg verlobt habe . « Die Umgebung stand wie versteinert – wer von ihnen hätte den Mut finden können , dieses momentane furchtbare Schweigen mit einem Laute zu unterbrechen , oder gar einen indiskreten Blick auf das Antlitz der Herzogin zu werfen , die entgeistert die blutlosen Lippen aufeinanderpreßte ? ... Nur ihre Nichte , die junge Prinzessin Helene , lachte unbefangen und mutwillig auf . » Welche Idee , Baron Mainau , eine Frau zu heiraten , die Juliane heißt ! ... Juliane ! ... Puh – eine Urgroßmutter , mit der Brille auf der Nase ! « Er stimmte ein in das heitere Lachen – wie klang das melodisch und harmlos ! ... Das war die Rettung ! Die Herzogin lächelte auch mit todesblassen Lippen . Sie sagte dem Bräutigam einige Worte mit so viel Ruhe und vornehmer Haltung , wie nur je eine Souveränin einen Untergebenen beglückwünscht hat . » Meine Damen , « wandte sie sich darauf leicht und ungezwungen an eine Gruppe junger Mädchen , » ich bedaure , Ihren reizenden Schmuck ablegen zu müssen – der Kranz drückt mich an den Schläfen . Ich muß mich für einen Augenblick zurückziehen , um die Blumen zu entfernen ... Auf Wiedersehen beim Diner ! « Sie wies die Begleitung der Hofdame zurück , welche ihr behilflich sein wollte , und trat in ein Haus , dessen Thür sie hinter sich schloß . Lilienweiß war ja ihr Gesicht zu allen Zeiten , und die berühmt schönen Augen hatten so oft jenen heißen Glanz , der an das fiebernde Blut des Südländers denken läßt – sie hatte wie immer gütig lächelnd und grüßend gewinkt und war wie eine schwebende Fee hinter der Thür verschwunden ... Niemand sah , daß sie drinnen sofort wie eine vom Sturm niedergerissene Tanne auf den teppichbelegten Boden hinschlug , daß sie , wahnwitzig auflachend , den Kranz aus dem Haare riß und in wildem thränenlosen Schmerz die feinen Nägel in die seidene Wanddraperie krallte ... Und dazu nur eine kurze , streng zugemessene Spanne Zeit , um die Qual austoben zu lassen – dann mußten diese verzerrten Lippen wieder lächeln und alle die Hofschranzen draußen glauben machen , daß das kochende Blut friedlich und leidenschaftslos in den Adern kreise . Währenddem stand Baron Mainau , seinen Knaben an der Hand , am Ufer und beobachtete , scheinbar amüsiert , den Tumult bei der Wagenburg . Man hatte ihn beglückwünscht ; aber es war wie eine Lähmung über die gesamte Hofgesellschaft gekommen – er sah sich sehr rasch allein . Da stand plötzlich Rüdiger an seiner Seite . » Eine furchtbare Rache ! Eine eklatante Revanche ! « murmelte der Kleine – in seiner Stimme bebte noch eine Schwingung des Schreckens . » Brr – ich sage mit Gretchen : › Heinrich , mir graut vor dir ! ‹ ... Gott steh ' mir bei ! Sah man je einen Menschen , der seinem gekränkten Mannesstolze so grausam , so raffiniert , so unversöhnlich ein Opfer hinschlachtete , wie du eben gethan ? ... Du bist tollkühn , entsetzlich – « » Weil ich in nicht ganz gewöhnlicher Form , zur geeigneten Zeit erklärt habe : › Nun will ich nicht ? ‹ ... Glaubt ihr , ich werde mich heiraten lassen ? « Der kleine Bewegliche sah ihn eingeschüchtert von der Seite an – dieser sonst so formvollendete Mainau war doch manchmal zu rauh , um nicht zu sagen grob . » Mein Trost dabei ist , daß du unter den grausamen Maßregeln deines unbändigen Stolzes selbst schwer leidest , « sagte er nach einem kurzen Schweigen , doch fast trotzig . » Du wirst mir zugeben , daß ich das einzig und allein mit mir auszumachen habe . « » Mein Gott , ja ! ... Aber nun – was nun weiter ? « » Was weiter ? « lachte Mainau . » Eine Hochzeit , Rüdiger . « » Wahrhaftig ? ... Du hast ja nie in diesem Rudisdorf verkehrt – ich weiß es ganz genau ... Also eine schleunigst acquirierte Braut aus dem Almanach de Gotha ? « » Erraten , Freund . « » Hm – von erlauchtem Geschlecht ist sie ,