« » Ach ja – einen reichen Mann , wie er schon in der Bibel steht . « » Richtig ! Einen Mann , der absolut nicht ins Himmelreich kommt , eben weil er ein Reicher ist – der Arme ! – Ja , ja , hast recht – einen Tyrannen , einen Blutaussauger , einen Menschen , der Geldfragen gegenüber ein steinhartes oder vielmehr gar kein Herz hat , wie es einem praktischen Geschäftsmann ziemt ... Aber laufe doch nicht so , Mädchen ! « Sie war in der Tat in förmlichen Sturmschritt verfallen , und diesmal blieb Herr Markus zurück . Er sah ihr mit gespannter Aufmerksamkeit nach ... Und wenn auch der häßliche , plumpe Anzug das Mädchen entstellte , eine Thüringer Edeltanne war sie doch , eine Erscheinung voll Leben und unbewußter Grazie in dem Spiel der schlanken , jugendkräftigen Glieder ... Schade um diese Gestalt , an der Sonnenbrand , Arbeit und Armut rieben und zehrten , um sie in kurzer Zeit hart und eckig , zum frühgealterten Weibe zu machen ! ... Es blieb allerdings fraglich , ob nicht der Kopf den Adel , die Anmut des schönen Leibes sofort verwischte , wenn das verhüllende Tuch fiel . Der lieblich geschwungene Mund verbürgte noch lange nicht , daß das Mädchen nicht schielte , keine gemeinen Züge hatte und nicht sommersprossig und rothaarig war – doch nein ; unter dem weißen Tuchzipfel stahl sich ein gelöstes , glänzend dunkles Zopfende hervor – rothaarig war sie nicht ! 2. Das Mädchen hatte sich kaum um zwanzig Schritt entfernt , als eine kleine , dicke Frau in braunem runden Strohhut und weiter Jacke aus einem schräg nach dem Fahrweg mündenden Waldpfad trat . Sie schritt direkt auf die Eilige zu und hielt sie an der Schürze fest . » Hör mal , Mädel , habt ihr denn wirklich die teuern Speisekartoffeln so in Hülle und Fülle , daß du Ende Juni , sage Ende Juni , den Betteljungen die ungewaschenen Mäuler damit stopfst ? « fragte sie . – Das klang nicht etwa wie Schelten ; die Frau sprach sehr langsam und bedächtig , aber nachdrücklich – man hörte , daß sie gewohnt sei , in aller Gemütlichkeit den Leuten die Köpfe zurechtzusetzen . – » Ich krieche tagtäglich auf allen vieren durch die Kellerecken , um noch ein paar feine Salatkartoffeln für unseren Tisch zu erwischen , und dort « – sie zeigte nach der Richtung zurück , in der sie gekommen – » dort braten sie haufenweise in der Asche ... Das soll einen nicht ärgern ! Wir bezahlen auf die Minute pünktlich den teuren Pacht für schlechten Boden , und deine Amtmanns ernten die besten Acker ab ; sie leben ins Tageslicht hinein und fragen den Kuckuck danach , daß auch einmal bezahlt sein muß – « » Lassen Sie mich gehen , Frau ! « rief das Mädchen halb gebieterisch , halb ängstlich , und strebte weiter zu kommen . » Frau ! Frau ! « wiederholte die kleine Dicke geärgert und ohne den Schürzenzipfel loszulassen . » Bin ich denn ein Tagelöhnerweib ? Und hast du denn gar keine Lebensart , Mädchen ? Wenn du noch gesagt hättest , Frau Verwalterin , oder meinetwegen auch nur Frau Griebel – aber schlechtweg › Frau ‹ ! ... Du bist ja nicht um ein Haar besser als deine Herrschaft . Verschenkst mir nichts dir nichts gute Sachen , die nicht bezahlt sind , und hast den Hochmutsteufel und eitle Dinge im Kopfe ... Sieht man dich denn je ohne das Scheuleder da auf dem Acker oder beim Grafen ? « – Sie zeigte nach dem weißen Kopftuch . – » Hör mal , wenn man dienen muß , da darf man nicht danach fragen , ob einem die Sonne ein paar Sommerfleckchen mehr auf die Haut brennt oder nicht – das paßt nicht , da lachen dich die Leute nur aus , wie sie sich auch lustig darüber machen , daß dir der Graskorb nicht nobel genug ist . Hierzulande trägt man das Futter nicht auf dem Kopf heim , das ist nicht Mode bei uns ! Und laß doch mal sehen « – sie bog sich vor – » ach herrje , Forellchen hast du da im Netz ? Guck einer an , Forellchen ! – Ja , ja , auf dem Vorwerk wissen sie , was gut schmeckt ! « » Der Fisch ist für die Kranke . « » Ach ja – für die Kranke wird er geholt , und der Herr Amtmann ißt ihn – die alte Naschkatze , die ! ... Gucke , Mädchen , wüßte ich das nicht , ich schickte manchmal ein Rebhuhn oder sonst was Gutes ' nüber – ich bin ja doch kein Unmensch und hab ' Mitleid – « » Wir danken ! « kam es kurz und herb unter dem weißen Tuch hervor . » Wir danken ! « spottete die kleine Behäbige nach . – » Großplatziges Ding du ! Wer ist denn › wir ‹ ? – ' s ist ja wahr , Amtmanns haben schlimm gehaust mit ihrem großen Vermögen , das Hemd auf dem Leibe gehört ihnen kaum noch ; aber deswegen sind ' s immer vornehme Leute und noch lange nicht deinesgleichen . « Inzwischen war Herr Markus längst näher gekommen und stand neben der Sprechenden , ohne daß sie es bemerkte . Er verbiß mit Mühe das Lachen . Die drollige Frau hatte sich bei dem nachäffenden » Wir danken ! « ironisch knicksend , tief und gravitätisch zu Boden gestaucht , und das war urkomisch gewesen . Sie hielt das Mädchen noch fest – dem Beobachtenden war es , als müsse er den gefangenen Vogel befreien . » Wer wird sich denn so ereifern , meine kleine Dame ! « unterbrach er die Standrede . Die Frau fuhr wohl bei der unvermuteten Einmischung ein wenig zusammen , aber außer Fassung geriet sie nicht . Sie wandte