ein . „ Wert scheint — ja , das ist es eben “ — fuhr der schlangenglatte Mann fort — „ aber zu diesem Schein gehört mancherlei und unter Anderem auch ein klein wenig Vertrauen auf die Person des Verkäufers , — dafür sind es Menschen . “ — „ Und Dir liegt der Verkauf gar sehr am Herzen , weil Du die fünfzehntausend Taler Überschuß , die ich Dir zugesichert , lieber in die Tasche stecktest , als Dein Brot durch Arbeit verdientest “ , bemerkte sarkastisch der Kranke . — „ Ein hübsches Geschenk , das ich Dir da in den Schoß werfe ! “ „ Ein Geschenk ? “ fragte der Bruder , „ eine Ent ­ schädigung für den Gehalt , dessen ich beim Verkauf der Fabrik verlustig ginge , — ohne welche ich diesen unter allen Umständen hintertreiben würde ! — Daß Du es doch immer wieder versuchst , Dir als Großmut anzurechnen , was lediglich Geschäftssache zwischen uns Beiden ist . Ich fordere ja von Dir keine Großmut — Du bezahlst mich für meine Dienste — ich diene Dir , weil Du mich be ­ zahlst ; wozu uns ein Gefühl vorheucheln , welches wider alle Natur wäre . Wir sind Stiefbrüder , es wäre eine sentimentale Verschrobenheit , wenn wir uns bemühten , einander zu lieben ! “ „ Wenigstens gibst Du Dir nicht die geringste Mühe , Dich bei mir beliebt zu machen “ — bemerkte der Kranke . „ Wozu sollt ’ ich das ? “ erwiderte lächelnd der Bruder . „ Es muß doch Alles in der Welt einen Zweck haben — das aber hätte keinen . Für meine Liebenswürdigkeit schenktest Du mir keinen Heller , was Du mir gibst , mußte ich mir durch andere Verdienste erwerben , als durch brüderliche Zärtlichkeit . “ „ Du bist ein Teufel , den kein Mensch von Fleisch und Blut lieben kann , und warst es von klein auf . Wie peinigtest Du meine arme Mutter ! Du weißt nichts von menschlichen Gefühlen . Wie Du in der größten Hitze immer feuchtkalte Hände hast , so wird auch Dein Herz nie warm . Ich bin bös und jähzornig , aber so fühllos wie Du , bin ich doch nicht . Gott bewahre mich — Du bist eines von den unheimlichen Wesen , die aus dem Verband mit der Natur ausgeschieden sind und deren Leib keinen Schatten mehr wirft , wenn sie in der Sonne gehen ! “ Der Kranke schloß erschöpft die Augen und dicke Schweißtropfen standen auf seiner Stirn . Der Bruder nahm ein feines Tuch und wischte sie leicht und sorgfältig ab . „ Sieh , wie Du Dich wieder unnütz aufregst und wie Du übertreibst ! “ sagte er in dem lieblichsten wohlwollendsten Tone — „ weil ich kein Freund unwahrer Ergüsse und erzwungener Empfindungen bin , nennst Du mich gefühllos . Weil ich blutleer und nicht zu Wallungen geneigt bin — muß ich gar in Deiner er ­ hitzten Krankenphantasie zum Vampyr werden ! — Ich will Dich jetzt verlassen , sonst rege ich Dich auf . — Beherzige meine Warnungen wegen des Kindes , — denn solch ein Treiben bringt uns Schande und ich finde nichts uner ­ träglicher , als diese ! “ Hartwich antwortete nicht , er hatte das Gesicht zur Wand gekehrt und wendete sich nicht um , bis der Bruder lautlos zur Türe hinausgeschlüpft war . — Während dieses Gesprächs hatte sich die kleine Ernestine anziehen lassen . Als sie fertig war , ging die Haushälterin hinaus und Ernestine bemühte sich , ihre Füße in ein Paar alter , zu eng gewordener Stiefelchen einzuschnüren . „ Hast Recht , Ernstchen ! “ hetzte leise eine der Mägde , — „ die Gedike ist ein böses Weib und wir können sie Alle nicht leiden — wenn Du sie ärgerst , ist ’ s ihr gesund und freut uns ! “ „ Ich will sie nicht ärgern — aber ich hasse sie — und den Vater auch — er ist grausam gegen mich ! “ sagte das Kind mit jenem Ingrimm , durch welchen sich der wehrlos Mißhandelte stets zu rächen sucht . „ Er ist aber auch ein wahrer Rabenvater “ , — flüsterte Rieke , die ältere Magd , leise der jüngeren zu , aber Ernestine vernahm es recht wohl mit jenem scharfen Ohr , das die Kinder für Alles haben , was sie nicht hören sollen . „ Er hat sich immer einen Sohn gewünscht und von nichts Anderem gesprochen , als von seinem Jungen und den Plänen , welche er für den gemacht habe . Als aber endlich das Kind zur Welt kam und kein Knabe war , da schrie er ganz außer sich : „ Nur ein Mädchen ? “ — ging hinaus und schlug im Zorn die Türe hinter sich zu , daß es dröhnte . Die junge Mutter — ’ s war ein zartes Frauchen — bekam vor Schreck und Kummer Weinkrämpfe und regte sich so auf , daß sie das Fieber bekam und am dritten Tage starb . Dann packte ihn freilich die Reue , er raufte sich die Haare und weinte und schrie bei der Leiche , aber lebendig machen konnte er sie doch nicht mehr . Er ist jetzt schwer gestraft seit ihn der Schlag getroffen , und die Ernestine ist viel ­ leicht auch zur Strafe so garstig geworden — aber er sollte doch wenigstens an dem armen kränklichen Geschöpf gut machen , was er bei seiner Geburt verbrach , statt es zu mißhandeln . — Das Kind kann ja doch nichts dafür , daß es kein Junge ist . “ Ernestine hatte , dieser Rede mit klopfendem Herzen gelauscht und nun schlich sie sich sachte hinaus , damit die Magd nicht merke , daß sie etwas verstanden . Draußen blieb sie beim Hunde stehen und wollte ihn streicheln , aber das gequälte , dürstende Tier knurrte sie an . Sie sah , daß