anderen Anteile ganz Wustrau zu einem Zietenschen Besitztum . Es blieb bei seinem Sohne , dem letzten Zieten , bis 1854 . Dieser ernannte in seinem Testamente einen Schwerin zum Erben . Daß dieser der nächste Verwandte war , wurde vielleicht noch von der Vorstellung überwogen , daß nur ein Schwerin würdig sei , an die Stelle eines Zieten zu treten . Albert Julius von Schwerin , der jetzige Besitzer von Wustrau , ward 1859 unter dem Namen von Zieten-Schwerin in den Grafenstand erhoben . Wustrau liegt an der Südspitze des Sees . Der Boden ist fruchtbar , und wo die Fruchtbarkeit aufhört , beginnt das Wustrausche Luch , eine Torfgegend , die an Ergiebigkeit mit den Linumer Gräbereien wetteifert . Das eigentliche Dorf , saubere , von Wohlstand zeugende Bauernhäuser , liegt etwas zurückgezogen vom See ; zwischen Dorf und See aber breitet sich der Park aus , dessen Baumgruppen von dem Dache des etwas hoch gelegenen Herrenhauses überragt werden . Dieses letztere gleicht auf ein Haar den adligen Wohnhäusern , wie sie während der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in märkischen Städten und Dörfern gebaut wurden . Unser Pariser Platz zeigt zu beiden Seiten noch ein paar Musterstücke dieser Bauart . Erdgeschoß und Beletage , ein hohes Dach , ein Blitzableiter , zehn Fenster Front , eine Rampe , das ganze gelb getüncht und ein Wappen oder Namenszug als einziges Ornament . So ist auch das alte Herrenhaus der Zieten , das freilich seinerseits eine reizende Lage voraus hat . Vorder- und Hinterfront geben gleich anziehende Bilder . Jene gestattet landeinwärts einen Blick auf Dorf , Kirche und Kirchhof , diese hat die Aussicht auf den See . Wir kommen in einem Boot über den See gefahren , legen an einer Wasserbrücke an und springen ans Ufer . Ein kurzer Weg , an Parkgrün und blühenden Linden vorbei , führt uns an den Eingang des Hauses . Der Flur ist durch eine Glaswand in zwei Teile geteilt , von denen der eine , der mit Bildern und Stichen behängt ist , ( darunter der bekannte Kupferstich Chodowieckis : Zieten sitzend vor seinem König ) als Empfangshalle dient . Der andere Teil ist Treppenhaus . Wir steigen die eichene , altmodisch-bequeme Treppe hinauf und treten oben in eine nach vornhin gelegene Zimmerreihe ein . Es sind fünf Räume ; in der Mitte ein großer vier- oder fünffenstriger Saal , zu bei den Seiten je zwei kleinere Zimmer . Die kleineren Zimmer sind durchaus schmucklos , nur über den Türen befinden sich Ölbilder , Kopien nach niederländischen Meistern . Das ist alles . Das Zimmer rechts vom Saal ist das Sterbezimmer des letzten Wustrauer Zieten . Der historische » alte Zieten « starb in Berlin , und zwar in einem jetzt umgebauten , dem Friedrich-Wilhelms-Gymnasium schräg gegenüber liegenden Hause der Kochstraße . Das Zimmer links vom Saal heißt das Königszimmer , seitdem Friedrich Wilhelm IV. , etwa in der Mitte der vierziger Jahre , die Grafschaft Ruppin durchreiste und in Wustrau und Köpernitz , ( auf welch letzterem Gute damals noch die siebzigjährige Marquise La Roche Aymon lebte ) einen längeren Besuch machte . Der große Saal ist die eigentliche Sehenswürdigkeit des Hauses . Alles erinnert hier an den Helden , der diese Stätte berühmt gemacht hat . Eine Kolossalvase zeigt auf ihrer Rückseite die Abbildung des auf dem Wilhelmsplatze stehenden Zietendenkmals , an den Wänden entlang aber gruppieren sich Porträts und Skulpturen der allermannigfachsten Art. Unter diesen bemerken wir zunächst zwei Büsten des » alten Zieten « selbst . Sie stehen in Wandnischen auf hohen Postamenten von einfacher , aber gefälliger Form . Die eine dieser Büsten , ein Gipsmodell vom berühmten Bildhauer Tassaert , ist ein großes Wertstück , durch aus Porträt , das noch bei Lebzeiten des alten Zieten nach der Natur gefertigt wurde , die andere dagegen entstammt der neueren Zeit und erweist sich einfach als eine Marmorausführung des Tassaertschen Modells . Die Arbeit dieses alten Meisters ist ganz vortrefflich , vor allem von einer Lebenswahrheit , die den Schadowschen alten Zieten zu einer bloßen Tendenzstatue herabdrückt . Schadow hat nicht den Husarenvater als Porträt , sondern das Husarentum als solches dargestellt . Von dem Moment ab , wo man den wirklichen alten Zieten ( den Tassaertschen ) gesehen hat , wird einem das mit einem Male klar . Dies übergeschlagene Bein , diese Hand am Kinn , als ob mal wieder ein lustiger Husarenstreich ersonnen und ausgeführt werden solle , das alles ist ganz im Charakter des Husarentums , aber durchaus nicht im Charakter Zietens , der von Jugend auf etwas Ernstes , Nüchternes und durchaus Schlichtes hatte . Er hatte ein verwegenes Husarenherz , aber die Husarenmanieren waren ihm fremd . Es bedarf wohl keiner besonderen Hervorhebung , daß mit diesem allen kein Tadel gegen den Schadowschen Zieten ausgesprochen sein soll , der – nach der Seite des Geistvollen hin – ganz unzweifelhafte Vorzüge hat , dessen vielbetonte realistische Auffassung aber mehr scheinbar als wirklich ist . Das Postament der Modellbüste zeigt sich bei näherer Betrachtung als ein Schrein von weiß-lackiertem Holz ; ein Schlüsselchen öffnet die kaum bemerkbare Tür desselben . In diesem einfachen Schrein befindet sich der Säbel 2 des alten Zieten , nicht jener türkische , den ihm Friedrich II. nach dem zweiten Schlesischen Kriege zum Geschenk machte , sondern ein gewöhnlicher preußischer Husarensäbel . Er zog ihn während des ganzen Siebenjährigen Krieges nur einmal , und dies eine Mal zu seiner persönlichen Verteidigung . Am Tage vor der Schlacht von Torgau , 2. November 1760 , als er in Begleitung einer einzigen Ordonnanz auf Rekognoszierung ritt , sah er sich plötzlich von sechs österreichischen Husaren umstellt . Er hieb sich im buchstäblichen Sinne durch und steckte den blutigen Säbel ruhig wieder in die Scheide . Nie sprach er von dieser Affäre . Die Blutflecke , ein rotbrauner Rost , sind noch deutlich auf der Klinge sichtbar . Kaum minder interessant als dieser im ganzen Kriege nur einmal gezogene Säbel ,