, in deren einer Grissel bis dahin allein gewohnt hatte . Die sollte sie jetzt mit Hilde teilen . Es war ein großer , weißgetünchter Raum , in dem aber so vielerlei stand , daß er wenigstens nicht kahl und kalt wirkte . Die Truhen und Schränke waren bunt gestrichen , und in der Nähe des Fensters hing eine Wanduhr , auf deren Zifferblatt ein goldgelber Hahn krähte . Der Pendel ging , ein paar große Fliegen summten , und Grissel sagte : » Sieh , Hilde , hier müssen wir uns nun vertragen . Werden wir ? Ich denke doch . Du siehst mir danach aus , als ob jeder mit dir leben könnt und wärst ein gutes Kind und hättest keinen Eigenwillen . Und das ist immer das Beste , keinen eigenen Willen haben . Ich meine so für gewöhnlich , denn mancher hat einen und muß einen haben ... Und dies hier ist deine Seite , dein Bett und dein Stuhl , und dieser Rechen ist für dich . Und es darf nichts umherliegen . Die Fenster aber müssen offen sein , denn es lebt sich besser in frischer Luft , und ich weiß nicht , wer sie wieder zugemacht hat . Gewiß unser Joost ; der denkt immer : je stickiger , je besser , und will alles warm haben wie seinen Pferdestall . « Und während sie so sprach , hatte sie das Fenster aufgemacht und eingekettet und winkte Hilden , an dem anderen Fenster ein gleiches zu tun . Und Hilde tat es , und ein Ausdruck von Glück überflog ihre Züge , so sehr gefiel ihr , was sie sah . Unmittelbar unter ihrem Fenster lag der Wirtschaftshof , auf dem die Tauben von einem Dachfirst zum anderen flogen ; abwärts am Bach hin , in Entfernung weniger hundert Schritte , stieg der Rauch aus den Dächern des Dorfes , und immer weiter zu Tale dehnte sich das weite , flache Vorland aus und blinkte sonnenbeschienen in allen Herbstesfarben . In all das sah Hilde hinein und sagte , während sie lang und tief aufatmete : » Hier will ich immer stehen ... Ah ... ! Es ist so weit hier . « » Ei nun « , lachte Grissel , » das ist gut , daß es dir gefällt . Aber du kannst hier nicht immer stehen . Ein junges Ding wie du , das ist nicht dazu da , bloß in die Welt zu gucken und zu warten , bis das Glück kommt oder der Bräutigam , was eigentlich ein und dasselbe ist . So wenigstens glauben sie . Nein , mein Hildechen , ein junges Ding muß arbeiten ; denn bei der Arbeit vergehen einem die dummen Gedanken , und der Böse kann nicht herein , der immer vor der Tür steht ... Und nun komm und laß uns in die Küche gehen , daß wir ein Feuer machen und ihm ein Frühstück bringen . « » Muß ich es ihm bringen ? « » Ja . Da wird er sich freuen . Denn er hat dich gern , und du gefällst ihm . Oder fürchtest du dich vor ihm ? « Sie schwieg und sah vor sich hin . Grissel aber fuhr fort : » Er lacht nicht viel und sieht aus , als ob er bloß brummen und beißen könnt . Aber er ist nicht so schlimm und hat es eigentlich gern , wenn andere lachen . Lache nur und erzähl ihm viel und sei zutulich , und du wirst sehen , er läßt sich um den Finger wickeln . Und so sind alle Mannsleut , und die , die so sauertöpfisch aussehen , just am meisten . Aber das verstehst du noch nicht . Oder verstehst du ' s ? Höre , Hilde , du siehst mir aus , als verständest du ' s. « Und dabei lachte Grissel wieder , nahm sie bei der Hand und führte sie treppab in die Küche . Hilde fand sich schnell in allem zurecht , und den dritten Tag , als Grissel eben den Tisch deckte , sagte der Heidereiter , indem er sich auf seinem Stuhle herumdrehte : » Nun , wie geht es ? Ich meine mit der Hilde ? « » Wie soll es gehen ! Gut geht es . Es ist ein liebes Kind , still und gehorsam . « » Das freut mich « , sagte Baltzer , » daß ihr euch vertragt . Aber ich wußt es . Sie hat so was Feines , und ist alles anders . Meinst du nicht auch ? « » I freilich , mein ich . Die Muthe war ja eine feine Person und eigentlich über ihren Stand . Und was ihr Mann war , ich meine den Jörge Rochussen – denn er soll ja doch wirklich ihr Mann gewesen sein , und sie reden ja von zwei Trauringen , die der alte Sörgel oben in einer Schachtel gefunden und mit in die Sakristei genommen hat – , nu , der Jörge , der war ja kohlschwarz und eigentlich noch schwärzer als die Muthe , bloß nicht so kraus . Und davon , denk ich , hat unser Hildechen das rote Haar und ist so was Feines . « » Höre , Grissel « , entgegnete der Heidereiter , » ich kenne dich und weiß , wo das hinaus soll . Aber ich sage dir , ich will davon nicht hören . Was geschehen ist , ist geschehen , und es muß nun tot sein , so tot wie die Muthe . Die hat alles mit ins Grab genommen , ich meine die Geschichte von drüben , und das Kind ist jetzt ehrlicher Leute Kind , unser Kind , und du wirst den Mund halten . Ich weiß auch , du kannst es , wenn du willst . Denn du bist eine kluge Person , eine rechte Schulmeisters- und Küsterstochter , und hörst das Gras wachsen , geradeso