Stimme zu ersticken , aber er bezwang sich , » die Kunstreiter zogen davon - nur Giovanni blieb . Er spannte ein Seil vom Turm über den Hof bis zum Torweg . Da konnte die Mutter vom Bett aus sehen , wenn er seine Sprünge machte , seine Gesichter schnitt . Wie sie lachte ; wie sie froh sein konnte ! Der Vater - , « ein harter Zug grub sich mit tiefen Falten in das weiche Knabenantlitz - » der Vater war nicht da - « » Konrad , du versündigst dich - « Tante Natalie stand drohend dicht vor ihm . » Weil ich sage , was ihr wißt , so gut wie ich : daß der Vater nicht da war , als - als - , « seine Stimme erstickte in wildem Weinen . Gräfin Savelli zog ihn an ihr Herz . » Mio caro amore - « sie überschüttete ihn mit Schmeichelnamen , aber sein Körper zuckte , von der Erregung geschüttelt , in ihren Armen . » Guten Abend , « sagten Elise und Natalie und verschwanden nach einigem geräuschvollen Stühlerücken hinter der Glastür des Gartensaales . » Guten Abend , « sagte der Schulmeister ; er hatte feuchte Augen und strich mit einer bebenden Hand über seines Zöglings blondes Haupt . Nun waren die beiden allein . Vom Tale her stiegen in feinen Schleiern die Nebel auf . Konrad warf einen zögernden Blick um sich , um gleich darauf die großen angstvoll aufgerissenen Augen fragend der Großmutter zuzuwenden . » Willst du mir nicht sagen - jetzt am letzten Abend sagen - wie es kam , daß - daß er nicht da war ? « Die Gräfin richtete sich gerade auf ; in ihren Augen entzündete sich ein grausamer , gelber Funken wie in der Pupille der Löwin , die , zum Sprunge bereit , vor dem Feinde ihrer Jungen auf der Lauer liegt . Sie sprach , wie immer , wenn sie mit dem Knaben allein war , italienisch , aber ihre Stimme kam tief und rauh aus der Kehle , so daß die vollen Laute von den Zähnen , durch die sie gepreßt wurden , zerrissen schienen . » Drüben auf dem Eckartshof war er zur Jagd geladen . Bleibe bei mir , Manfredo - nur heute verlaß mich nicht , flehte Lavinia - sie war an jenem Tage so weiß wie das Linnen , das sie deckte , nur ihre Haare lagen um sie wie ein schwerer , schwarzer Trauerschleier - und ich sah , daß dem Mann , der den ganzen Frühlingsduft der Erde mit sich hineintrug , vor ihr grauste . Ich kann nicht , sagte er gequält , küßte ihr flüchtig die kalte , kraftlose Hand und ging . Sie aber lag von da an regungslos in den Kissen ; die Tränentropfen allein , die unaufhaltsam unter den langen Wimpern ihrer geschlossenen Lider hervorquollen , bewiesen mir , daß sie noch lebte . Giovanni spannte indessen sein Seil vor ihren Fenstern . Aber sie sah seine Sprünge und Grimassen nicht . Da begann er den Tanz mit Gesang zu begleiten , und sie schlug die Augen groß auf . Welche Augen ! Als laure der Tod in ihrer Tiefe ! Ich schickte nach dem Eckartshof . Aber sie saßen an der Frühstückstafel und ließen sich nicht stören . Da ging ich selbst . Und geradenwegs , an den verblüfften Dienern vorbei , in den Saal . Blond und weiß , mit Rosen auf den Lippen und den Wangen , saß die Hausfrau neben ihm . Lavinia stirbt , rief ich in ihr Gelächter und wandte mich wieder zum Gehen . Ich sah , wie das Blut , das eben noch von Lebenslust gepeitschte , aus den Gesichtern wich , und fühlte die Stille , die ich zurückließ . Er folgte mir - langsam , widerwillig , er , der sich einmal verzweifelnd mir zu Füßen gewunden hatte , als ich ihm Lavinia versagte ! Wir stiegen stumm den Berg hinauf . Plötzlich aber schoß er an mir vorbei , der helle Schweiß stand ihm auf der Stirne , es war , als jage ihn der Schrecken . Meine Hoffnung begleitete seinen Lauf . Erwachte nicht vielleicht mit der Liebe das Leben wieder ? ! Ich betrat den Hof . Er war voller Menschen . Sie schwiegen alle , den entsetzten Blick auf einen Punkt geheftet , da lag Giovanni unter dem Seil in seinem Blut . Lavinia aber war tot . « Die Gräfin Savelli schwieg . Sie war nun ganz zusammengesunken und sah sehr klein und sehr alt aus . Der Knabe zitterte , daß die Zähne ihm aufeinander schlugen . » Sieh dort hinaus ! « mahnte die Großmutter ; ihre weiße , in die unbestimmte Ferne weisende Hand schimmerte wie von innen erleuchtet ; » und nicht zurück ! Dort suche das Leben ! « Am nächsten Morgen fuhr der alte , wappengeschmückte Wagen den letzten Junker von Hochseß zum Hoftor hinaus nach dem Bahnhof . Es regnete , ein lautloser , gleichmäßiger Regen , von einem gleichmäßig weißgrauen Himmel herab . Unter der Haustür standen die Tanten ; in den mageren schwarzbehandschuhten Händen hatten sie weiße Tüchlein , die aber nicht recht wehen wollten , als sie sie hochhoben ; der alte Lehrer stand hinter ihnen und schluchzte . Giovanni hatte sich in sein Turmzimmer eingeschlossen . Die Gräfin Savelli begleitete den Enkel in die Stadt und ging mit ihm hinauf in den Dom , um dessen Säulen und Arkaden die Dämmerung ihren feinen Schleier wob . Sie sprachen kein Wort miteinander ; aber zu dem königlichen Jüngling erhoben sich zu gleicher Zeit ihre Blicke , den ein unbekannter Künstler in Stein gemeißelt hatte , ein Vorbild reiner Ritterschaft . Konrad war , als sähe er sich selbst im Spiegel und als lächle der Doppelgänger ihm freundlich zu . Stumm drückten Großmutter und Enkel einander die Hände . Dann gingen sie . Und die