sie mit einer lauten , tiefen Stimme , » da sind Sie , ich habe an Sie schon wie an eine Verstorbene gedacht . « Die Baronesse lächelte wehmütig : » Ach ja , zuweilen möchte man wirklich schon gestorben sein . « » Na , na , es kommen wieder bessere Zeiten , « beschwichtigte die Baronin , » setzen Sie sich , und erzählen Sie , wie geht es bei Ihnen ? « » Immer das gleiche , « erwiderte die Baronesse , » doch nein , eine gute Nachricht habe ich , unsere Fastrade kommt , ich habe an sie geschrieben , und sie kommt . « » So . « Die kleinen Augen der Baronin wurden blank vor Neugierde , und sie lüftete die Blondenhaube ein wenig an den Ohren , um besser hören zu können . » So , die kommt also , jetzt erst . « Die Baronesse zog traurig die greisen Augenbrauen empor und meinte : » Bisher hatte es der Vater nicht gewollt , aber jetzt - . « » Und immer wegen des jungen Menschen ? « fragte die Baronin gespannt . Die Baronesse nickte , sie schwieg einen Augenblick , lehnte den Kopf zurück . Sie wußte , jetzt würde sie über alle diese Dinge sprechen , über die sie so lange hatte schweigen müssen . Aber sie konnte nicht anders . Sylvia ging leise ab und zu und servierte den Tee . Die Baronin nahm eine Strickarbeit mit klappernden elfenbeinernen Nadeln , wie beruhigt darüber , daß sie ihren Besuch jetzt dort hatte , wo sie ihn haben wollte . » Ach ja ! Was man nicht erlebt , « begann die Baronesse , » und denken Sie sich , ich hatte doch von allem nichts gemerkt , ich merke so etwas nie . Erst als eines Tages die beiden sich an der Hand faßten und in das Schreibzimmer meines Bruders gingen , da packte mich der Schrecken , die Knie zitterten mir so , daß ich mich setzen mußte . « » Also einfach eine Verlobung « , bemerkte die Baronin sachlich . » Ja , « erwiderte die Baronesse , » die armen Kinder dachten sich wohl so etwas , aber mein Bruder machte dem allen schnell ein Ende . « » Wie ertrug es Fastrade ? « inquirierte die Baronin weiter . Die Baronesse seufzte , diese langverschwiegenen Dinge herauszusagen , ergriff sie so stark . » Fastrade , Sie kennen sie ja , ist ein so starkes und mutiges Mädchen , wenn sie gelitten , hat sie es uns nie gezeigt . Und wie die Zeit verging , glaubte ich , sie hätte ihn vergessen . Da kommt nun dieser Geburtstag , an dem sie dem Vater erklärt , sie muß fort in ein Krankenhaus , sie ist volljährig , sie hat Geld von ihrer Mutter ; was gesprochen wurde , weiß ich ja nicht , Sie kennen meine Feigheit ; wenn so etwas in der Luft liegt , verkrieche ich mich in mein Zimmer . Da kommt nun das Kind , weiß wie ein Tuch und sagt : Ich reise . Liebes Kind , sage ich , nur eins möchte ich wissen , ist es seinetwegen ? Sie sieht mich ruhig an und sagt klar und fest : Er ist krank und in Not , da muß ich bei ihm sein . Was konnte ich da sagen , ich habe ja nie recht was zu ihr sagen können . Als sie noch ein kleines Mädchen war , fühlte ich , daß sie von uns beiden immer die Klügere und Stärkere war . So reiste sie denn . Es war gute Schlittenbahn , ich stand im großen Saal am Fenster und hörte noch den Schellen ihres Schlittens zu , die man bei uns ja so weit von der Landstraße hört , da kam mein Bruder aus seinem Zimmer , setzte sich an den Kamin , stocherte mit der Zange in den Kohlen herum und murmelte so vor sich hin : Auf dem Posten bleiben will keine . Das ist wohl auch schwerer , ein Fräulein von der Warthe zu sein , als so etwas anderes . « » Also sie fuhr direkt zu dem jungen Menschen « , sagte die Baronin scharf . » Nun ja « , erwiderte die Baronesse zögernd , » er war krank , lag im Krankenhaus , da hat sie ihn wohl gepflegt und dann , dann starb er . « Die Baronin ließ die Arbeit sinken und blickte überrascht auf : » Er starb ? Gott sei Dank ! « » Wollen wir uns nicht versündigen , liebe Karoline , « meinte die Baronesse wehmütig , » der arme junge Mensch ! Vielleicht war es so besser . « » Viel besser , « bestätigte die Baronin , » überhaupt , die Sache ist dann nicht so schlimm , aber das kommt von der Geheimtuerei , da denkt man gleich wer weiß was . « » Und dann , liebe Karoline , « versetzte die Baronesse und lächelte gerührt , » unserer Fastrade kann man dies alles nicht anrechnen , sie hat ein zu heißes Herz . Als unser kleiner Hund umkam , sie war noch ein kleines Kind , da hat sie doch die ganze Nacht geweint und geradezu gefiebert . Und später , als die alte Wärterin Knaut starb , - mein Bruder hatte gewünscht , daß die Kinder bei der Beerdigung mit auf den Friedhof genommen werden , sie sollten sich früh an solche Pflichten gewöhnen , sagte er - , nun gut , am Abend , es war im Juni , ist Fastrade fort . Man sucht sie und wo findet man sie ? Sie sitzt auf dem Friedhofe in der Abenddämmerung am Grabe der Knaut , sie will die Knaut nicht allein lassen . So war sie immer . « Von ihrem Sitz aus konnte die Baronesse die dämmerige Zimmerflucht entlang sehen , an