Raum , in dessen Zwielicht eine versinkende Flamme flackerte . Seine Augen suchten , während er weiterritt . Er gewahrte die Hirtin auf dem höheren Almgehänge . Mit dem kupfernen Milchzuber und einem dreibeinigen Stühlchen ging sie einer aus plumpen Steinen aufgeschichteten Stallung zu . Viele Stücke der Herde trabten ihr mit heiseren Schellen nach . Und aus dem ganzen Almfeld , von überall , zogen die Kühe mit Gebrüll und Schellengerassel dem Steinbau entgegen , zu dem die Hirtin wanderte . Während Moorle vorsichtig über den groben , steilen Weg hinunterkletterte , wandte der Reiter immer wieder das Gesicht . Nun nahm der Wald ihn auf . - Als er beim Taubensee das offene Feld erreichte , fing der Abend zu dämmern an . In einem gezäunten Wiesgarten war ein Bauer mit seinem Weib dabei , das Gras zu mähen . Der Reiter verhielt den Gaul . » Bauer ! Komm her da ! « Die Sense flog ins Gras , der Bauer sprang , und sein Weib fing in dunkler Sorge zu bangen an . Wenn ein Herr befahl , das war für einen Bauern immer ein übel Ding . » Weißt du , wer die Hirtin ist auf dem Hängmoos droben ? « Der Bauer atmete auf . » Das ist die Jula vom Runotter , den man heuer wieder zum Richtmann der Ramsauer Gnotschaft gewählt hat . Sein Vater ist Erbrechter worden vor dreißig Jahr . « Sinnend sagte der Reiter : » Die Jula ? « » Die , ja ! Könnt ' s besser haben und müßt nit sennen . Die Jula geht aus Fürlieb almen , um ihres bresthaften Bruders willen . Der mag nit unter Leut sein . « Ohne zu antworten , ließ der Reiter dem ungeduldigen Pongauer die Zügel schießen . Und der Bauer kehrte zu seiner Sense zurück . In Sorge fragte das Weib : » Was hat er wollen ? « » Von mir kein Hälml . Gott sei Dank ! Bloß nach der Jula droben hat er mich ausgefratscht . Aber da wird ihm der g ' lustige Herrenschnabel trücken bleiben . « » Schrei nit so ! « tuschelte das ängstliche Weib . » Was war ' s denn für einer ? « » Ich glaub , der jung Someiner . « » Dem Gadener Amtmann der seinig ? « » Der , ja ! Aber ' s Zwielicht kann mich genarrt haben . Es heißt doch allweil , der jung Someiner wär auf der Prager Magisterschul . « » Was geht uns der Bub des Amtmanns an ? « Das Weib bekreuzigte sich . » Gott sei gelobt , daß wir nit Kinder haben . Nit Buben , die Eisen fressen müssen für die Herren , und nit Töchter , die man zu Lustföhlen macht . « Der Bauer brummte was in den dielten Bart und schwang im sinkenden Abendtau die Sense wieder . - In gleichmäßigem Takte klang der Hufschlag des trabenden Pferdes . Der Reiter achtete des Gaules wenig und war nachdenklich . » Die Jula ? « Hatte er nicht die Jula vom Runotterhof einmal gesehen , vor sieben Jahren , noch als ein halbes Kind ? Wie das magere , trutzäugige Ding sich ausgewachsen hatte ! Aber so stolz und so sparsam mit Worten wie damals war sie noch immer . Auf der besseren Straße , in die der Taubenseer Karrenweg einbog , klang der Hufschlag des Pongauers fester und heller . Die ersten Sterne schimmerten , und es schlich die stahlblaue Nacht um die Berge , als der Reiter zu den Wohnstätten der Ramsau kam . Neben der Straße rauschte die Ache . Und auf der andern Seite des Weges huschten armselige Hütten vorüber , die nicht Zaun und Gärtlein hatten ; dann kamen fest umgatterte Höfe mit hohen Dächern , es kam die kleine Kirche und das große Leuthaus , in dem noch Licht war und trunkene Knechte beim Dünnbier sangen . Und dort , auf dem Hügel droben , das große Gehöft mit den starken Planken und dem steilen Moosdach ? War das nicht der Hof des Richtmanns Runotter ? Dessen Vater einst , als das Stift zu Berchtesgaden unter drückenden Schulden zu leiden begann , das alte Schupflehen um einhundertvierzig Pfund Pfennig als Erbrecht und Eigengut erworben hatte ? Der Pongauer , in dem die Sehnsucht nach dem Stall erwachte , fiel in einen sausenden Trab . » Die Jula ! « Und daß die schlanke , aufrechte Jula einen Krüppel zum Bruder haben mußte ? Die klösterlichen Hofleute , die gut von den Herren redeten , erzählten es so : Die Frau des Runotter mit ihrem vierjährigen Dirnlein wäre eines Tages , als die Erdbeeren reif geworden , im Hochtal des Windbaches hinaufgestiegen zur Ahn ihres Mannes ; am selben Tage hätten die Berchtesgadnischen Chorherren dort oben eine Hetzjagd auf Hirsche abgehalten ; und ein Rudel flüchtenden Hochwildes hätte die Runotterin , die seit drei Mondzeiten gesegneten Leibes war , zu Boden geworfen und über eine stubenhohe Steinwand hinuntergestoßen ; das kleine Dirnlein wäre über den Unfall der Mutter so arg erschrocken , daß ihm durch , lange Zeit ein seltsames Zittern blieb , eine blinde Angst mit atemwürgenden Schreikrämpfen ; und nach sechs Monden gebar die Runotterin den taubstummen Krüppel und blieb ein stilles , trauriges Weib und starb . Aber die Bauern , wenn sie keinen Herrn und Hofmann in Hörweite wußten , erzählten es anders . Und das wußten alle im Land , daß damals ein junger Chorherrr , Hartneid Aschacher , plötzlich nach dem Kloster Chiemsee hatte verschwinden müssen , weil er seines Lebens im Berchtesgadener Lande nimmer sicher war . Ein dumpfes , donnerähnliches Rauschen in der schönen . Nacht . Das war der Windbach , der seine Wasser herunterstürzte durch die enge Klamm . In dem jungen Reiter erloschen die Bilder des Erinnerns . Er mußte scharf nach der Straße spähen , die zwischen den hohen , schwarzen Waldmauern kaum