er , wenn ein Windstoß in die Obstbäume fuhr und ihm kalte Regentropfen ins Gesicht schleuderte . Ein Hund riß an der Kette und bellte ihm heiser nach ; beim Finkenzeller öffnete die alte Mariann ein Fenster und rief ihm zu : » Derfst ma ' s it übel ham , daß i net bei da Leich ' g ' wen bi ; i hon an Wehdam in die Haxen und kimm it bei da Tür außi . I waar ihr so viel gern ganga , und derfst ma ' s g ' wiß glaab ' n , i bi ganz vokemma , wia ' n i dös g ' hört hab , und weil sie gar so ... « Der Schormayer hörte sie nicht ; er bog scharf um die Hausecke und war nun bald , unverständliche Worte murmelnd , an der Einfahrt seines Hofes . Die Spuren vieler Tritte waren noch sichtbar ; sie liefen mitten über den geräumigen Platz bis zur Haustüre , und bei ihrem Anblick raffte der Schormayer seine Gedanken wieder fester zusammen . » Da hamm s ' as raustrag ' n. Ah mei ! Ah was ! « Er faßte zögernd nach der Türklinke , als vom Kuhstall herüber eine helle Weiberstimme klang . » Bauer ! « - » Was is ? « » Schaugst it eina ? D ' Schellerin hat a Kaibi kriagt . « » Was nacha ? « » A Stierkaibi . « Die Stalldirne klapperte auf ihren Holzpantoffeln mit hoch aufgeschlagenen Röcken näher heran . » Vor a Stund is ' s kemma , und hat gar it viel ziahg ' n braucha , und i ho mir z ' erscht denkt , i schick umi zu ' n Wirt , aba nacha is an Tristl sei Knecht da g ' wen , und nacha ... « » Ja , ja ! Is scho recht ... « Er trat ins Haus und schlug die Türe hinter sich zu . Im Flötz stand noch der weißgedeckte Tisch , und darauf ein Kruzifix , auch war ein süßlicher Duft von Weihrauch zu merken , und so blieb der Schormayer nachdenklich stehen und schaute die Stiege hinauf , über die sie vor wenigen Stunden seine Bäuerin heruntergetragen hatten . Er zog den Mantel nicht aus und hing den Hut nicht an den Nagel ; wie er war , ging er mit schmutzigen Stiefeln in die Stube und setzte sich auf die Ofenbank . Es wurde schon Abend , und die Fenster schauten wie große Augen in dei dämmerige Stube herein ; eine Uhr tickte laut und aufdringlich , als das einzige Ding , was hier zu vernehmen war , und ihr Schlag und die Stille und dunkle Winkel erinnerten den Schormayer an seine Verlassenheit . Er dachte wohl nicht viel darüber nach und malte sich keine wehmütigen Bilder vor , aber er spürte die Einsamkeit , wie er sich so vornüberbeugte und auf den Boden sah . Da waren einige weiße Flecken ; und wie er nachdachte , woher sie kämen , trat ihm lebhaft und deutlich die traurigste Stunde seines Lebens vor Augen . Das waren Tropfen von Wachskerzen , und da herinnen waren die Weiber versammelt , als der Pfarrer die Leiche aussegnete . Er hörte die Hammerschläge , die von oben herunter tönten , als sie den Sarg zumachten , und dann schwere Tritte auf der Stiege , und das Schleifen der Totentruhe , und die tiefen Stimmen der betenden Männer und die hellen der Weiber , und dann wieder durch die Stille eine fette Singstimme , der eine andere erwiderte mit fremden Worten , die er oft und oft gehört , aber heute sich erst gemerkt hatte : » Requiescat in pa-ha-ce ! A-ha-men ! « Eine zitternde , verschnörkelte Stimme , und dann das Klirren des Weihrauchfasses , und gleich darauf ein weißer beizender Rauch , der viele zum Husten brachte . Und ein Flüstern unter den Männern , die den Sarg aufhoben , und wieder viele dumpfe Tritte und schreiende Stimmen durcheinander . » Vater unsa , der du bischt in dem Himmel , geheiliget werde dein Name ... « Der Bauer fuhr zusammen , weil die Stubentüre aufging . » Wos geit ' s ? « » I bin ' s « , sagte die Stalldirne , die auf Strumpfsocken hereinkam . » Was willst ? « » I ho ma denkt , ob ' s d ' as Kaibi net o ' schaugst , weil ' s gar so fei ' is . « » Morg ' n nacha . « » Und d ' Kuah is aa guat beinand ; gar it viel ei ' brocha . « » So ? « » Ganz leicht is ganga ; i hätt an Tristl Knecht schier gar it braucht ; aba no , mi woaß net . « Der Bauer gab keine Antwort . Zenzi ging ans Fenster und schaute hinaus ; gegen die Helligkeit erschien ihre Gestalt so groß und mächtig , daß sie der Schormayer zum erstenmal daraufhin anschauen mußte . Die hatte einen Buckel wie ein starkes Mannsbild und dicke Arme und volle Brüste . » Soll i dir a Kaffeesuppen kocha ? « fragte sie . » Na . « » Aba d ' Ursula werd so schnell it kemma , und i ko d ' as leicht macha . « » I mog nix . « Zenzi trat zur Ofenbank ; und wie der Bauer sie nicht wegschickte , setzte sie sich neben ihn . Ihr Arm streifte den seinen , und eine Wärme ging von ihr aus , die ihm wohltat ; den ganzen Tag hatte er das Gefühl gehabt , daß es ihn fröstle beim Alleinsein , und in der Stube hatte es ihn erst recht so überkommen . Zenzi drehte den Kopf nach ihm zu ; ihr sinnlicher , breit gezogener Mund und ihre flackernden Augen versprachen Dinge , die selten einer verschmäht . Aber