herausgestellt , daß Old Surehand und Apanatschka Brüder waren , die man ihrer Mutter , einer körperlich , seelisch und geistig hochbegabten Indianerin , unterschlagen hatte . Um diesen Raub aufzuklären , hatte sie , als Indianer verkleidet , unter dem Namen Kolma Putschi viele Jahre lang die Städte des Ostens , die Savannen und die Urwälder durchforscht , ohne dieses Ziel zu erreichen , bis es Winnetou und mir gelang , die von ihr gesuchten Spuren und infolge dessen dann auch die beiden Söhne zu entdecken , den einen als hochberühmten Westmann und den andern als nicht weniger berühmten Komantschenhäuptling , zwei außerordentlich wertvolle Menschen , deren Freundschaft mir treugeblieben ist , trotz aller Wandlungen , welche sowohl ihr als auch mein Leben seit damals durchzumachen hatte . Beide heirateten später ein schönes , intelligentes Schwesternpaar aus dem besonderen Stamme Winnetous , also der Mescaleroapatschen , und jedem von ihnen war sodann die Freude beschert , einen Sohn zu besitzen , auf den alle Begabungen Kolma Putschis in noch vermehrtem Grade vererbt worden waren . Sie hatten die Mittel , diese Gaben ausbilden zu lassen . Young Surehand und Young Apanatschka wurden nach dem Osten gebracht , um Künstler zu werden , der Erstere Architekt und Bildhauer und der Letztere Maler und Bildhauer . Die auf sie gesetzten Hoffnungen erfüllten sich . Sie gingen später auf einige Jahre nach Paris , um dort die berühmtesten Ateliers zu studieren , dann nach Italien und endlich gar nach Aegypten , wo sie sich die Aufgabe stellten , sich dort mit den Gesetzen der einstigen Gigantenkunst vertraut zu machen . Auf dem Rückwege kamen sie über Deutschland , um mich aufzusuchen . Sie waren mir sehr sympathisch . Ich hatte meine Freude an ihnen , und zwar nicht allein deshalb , weil sie meinen unvergleichlichen Winnetou fast als einen Halbgott verehrten . Auch ihr künstlerisches Wollen und Können war hervorragend und schien noch wachsen zu können . Leider aber war es in echt amerikanischer Weise auf den Abweg der Busineß hinübergeleitet worden , und so geschah es , daß sie von mir anstatt eines Lobes eine sehr ernste Warnung zu hören bekamen , die sie mir , wie ich aus ihrem Briefe ersah , bis heut noch nicht vergessen und vergeben hatten . Dies war wohl auch der Grund , daß ich weder von ihren Vätern noch von ihnen selbst über ihre Zukunftspläne und ihr jetziges künstlerisches Schaffen unterrichtet worden war . Ganz besonders schweigsam gegen mich aber verhielt man sich über die Gründe , welche die beiden jungen Leute veranlaßt hatten , grad die Kolossaldarstellungen der alten Aegypter zu studieren . Das hatte Geheimnis bleiben sollen . Jetzt aber begann ich zu ahnen , daß die » Meisterwerke « , zu deren Begutachtung ich eingeladen war , hierzu in Beziehung standen . Ich kann ganz und gar nicht behaupten , daß die Briefe , welche in so schneller Folge bei mir anlangten , mir Freude bereiteten . Warum sagte man mir nicht gleich offen und ehrlich , um was es sich eigentlich handelte ? Wozu diese heimliche Campmeetingspielerei ? Große und fruchtbare Gedanken werden in heiliger , unberührter Einsamkeit geboren , nicht aber in langen Reden , die doch nur auf kurze Erfolge berechnet sein können ! Warum diese Trennung der alten Häuptlinge von den jungen ? Wozu noch extra die roten Frauen ? Wer waren die » außerdem berühmten roten Männer und roten Frauen « ? Etwa die Herren dieses mir so sonderbar , ja sogar verdächtig vorkommenden Komitees ? Sie wollten das Schlußmeeting leiten , also die Beschlüsse sämtlicher Versammlungen beeinflussen und korrigieren ! Die Namen der beiden Professoren , geborener Indianer , kannte ich . Sie hatten einen guten Klang . Aber den Ton , in dem sie an mich schrieben , hätte sich kein Sam Hawkens , kein Dick Hammerdull und kein Pitt Holbers gefallen lassen . Der Schriftführer und der Kassierer waren mir vollständig fremd . Und Old Surehand als Direktor ? Was sollte das heißen ? Wozu hier einen besonderen » Direktor « ? Etwa um die moralische Verantwortung oder gar die pekuniäre Garantie auf ihn zu werfen ? Old Surehand war ein Westmann allerersten Ranges gewesen ; aber ob er auch imstande war , es mit der geschäftlichen Smartneß eines geriebenen , amerikanischen Pfiffikus aufzunehmen , das wußte ich leider nicht . Die Sache kam mir umso bedenklicher vor , je länger und intensiver sie mich beschäftigte . Auch meiner Frau gefiel sie nicht . Und weil ich sie hierbei mit erwähne , so sei zugleich gesagt , daß auch sie in Schreiben bekam , nämlich folgendes : » Meine liebe , weiße Schwester ! Nun werden meine Augen Dich endlich , endlich sehen ; meine Seele sah Dich schon längst . Der Gebieter Deines Hauses und Deiner Gedanken wird nach dem Mount Winnetou kommen , um mit uns über Großes und Schönes zu beraten . Ich weiß , er wird diese Reise nicht tun , ohne daß Du ihn begleitest . Ich bitte Dich , ihm zu sagen , daß ich das beste unserer Zelte für Dich und ihn bereit halten werde und daß ich Dein Kommen vorempfinde als einen lieben , warmen Strahl der Sonne , die meinem Leben unbekannt gewesen ist bis nun , da es zum Scheiden gehen will . So komm also , und bring mir Deine Menschenliebe , Deine Herzensgüte und - - - Deinen Glauben an den großen , gerechten Manitou , den ich gern ebenso deutlich fühlen möchte , wie Du , meine Schwester , ihn fühlst . Kolma Putschi . « Ich muß erwähnen , daß das Herzle mit Kolma Putschi in Briefwechsel stand und heut noch steht und daß diese Zuschrift nicht ohne Einfluß auf unsere Entschließungen war . Wenn ich wirklich ging , so verstand es sich nun ganz von selbst , daß ich diese Reise nicht allein unternahm . Es liefen noch mehrere Briefe ein . Ich wähle unter ihnen nur noch