Daher ist es so greulich , wenn plump Gewachsene einen sogenannten Anlauf nehmen - es wird mir so unbehaglich dabei , als wenn ich schwere Gänse zum Fliegen ansetzen sehe . Es ist dann ein Rücken , Ziehen und Heben der Schultern und Hüften , ein Lenken und Renken mit den Armen - das schönste Mädchen könnte durch solchen Gang meine Illusion zerstören . Rosas Leichtigkeit hält mein Wünschen in stetem Schweben , sie erzeugt eine ästhetische Behaglichkeit , wie ich sie über alles liebe . Auch ihr Kopf , Hals , Nacken , ihre Schultern - alles atmet in einer rasch gebogenen Wellenlinie soviel Leichtigkeit , daß mein Auge auf diesen geflügelten Formen mit einer Wonne herumhüpft , wie die heiterste Sehnsucht nach Lust in warmer Sommernacht auf den spielenden , lauen Lüftchen . Nichts an allen diesen Formen ist starrer Stillstand , wie plätschernde Wellen nickt und wiegt alles . Ein reiches , nußbraunes Haar trägt sie auf griechische Weise leicht hinter dem Scheitel zusammengenestelt ; wie herausfordernde lose Schalke fliegen die kleinen zierlichen Löckchen vom Hinterkopf herunter , als wollten sie erinnern , man müßte die vorüberfliegende Schönheit der Nymphe fassen . Glatt liegt vorn das Haar an der weißen runden Stirn , und nichts von dem vielfachen Unrat des Kopfputzes unserer Modedamen stört das lachende Oval des ganzen Köpfchens . Zierlich schwingen sich die schmalen dunklen Augenbrauen über das weite lachende Auge hin , eine leicht gebogene Nase deutet auf fröhlichen Unternehmungsgeist , ein kleiner Mund mit schmalen Lippen auf verschwiegene Lust , das ganze zurückgeworfene Köpfchen , das sich auf einem länglichen schneeweißen Halse wiegt , auf Übermut . Die blendenden Schultern sind , harmonisch mit dem Bau der Hüfte , so überraschend schön nach dem Arme geschweift , daß der Blick in unbeschreiblicher Lust heruntergleitet zu dem vollen Händchen der rosenfingerigen Eos . Dies ist Rosa . Ich hoffe , Clauren malt sie Dir nicht deutlicher . Sie wohnt drei Treppen hoch , einfach aber niedlich . Eine alte Frau , die sie ihre Pflegemutter nennt , wohnt in einem kleinen Zimmer neben ihr - sie war nicht zu Hause , als wir aus dem Theater ankamen , und ist mir jetzt schon sehr im Wege ; solche alte Weiber sind bei Liebeshändeln die fatalste Grammatik , das auswendig zu lernende Vokabelbuch , ohne das man nicht zur ruhigen Lektüre des Poeten kommt , der in einer uns noch fremden Sprache geschrieben . Das ist ein Gucken und Schnüffeln und Fragen - der Mantel wird gestrichen , um aus der Qualität des Tuches Schlüsse auf die Qualität des Besitzers zu ziehen , nach der Uhr wird gelugt , ob sie von Gold oder Silber , das Taschentuch wird beäugelt , ob es von doppelter oder einfacher Seide ist - diese alten Weiber sind die Zollbeamten in den Liebesstaaten , und Zölle habe ich nie leiden mögen . Ich stehe mit dieser auch schon auf einem ärgerlichen Fuße . Darin ist doch nur die Jugend liebenswürdig ; sie kennt den Umfang ihrer Kräfte , also auch ihr Ende noch nicht , und fragt darum nie , wie weit oder kurz der Weg , es steht ihr noch alles offen , darum nimmt sie jeden Nahenden nur als einen kleinen Teil des Alls , und fragt und forscht nicht ängstlich nach ihm - sie rechnet nicht , weil sie ungekünstelt , und das Rechnen die größte Künstelei ist - sie schiebt die Summe der Teilnahme , welche man ihr schenkt , ungezählt in die Tasche , weil sie noch unzählige Summen erwartet . Ein alter Drache aber besieht jeden Pfennig , weil er berechnen kann , wieviel ihm noch abfallen werden . Das hat mich am meisten für Rosa gewonnen , daß sie sich um mein Aushängeschild gar nicht bekümmerte . Das ist die Poesie des Liebens , daß sie hundert Augen für den Liebenden und nicht einen Blick für den Bürger hat . Man redet sich ' s wenigstens vor , und weil man Täuschung sucht , findet man sie , es ist ja all dies Liebeswesen nur ein künstlich Gestell , ein ungeschickter Stoß und es kracht zusammen - die Leute , welche sich selbst und gegenseitig am geschicktesten zu täuschen verstehen , lieben am glücklichsten . Rosa konnte an Deinem wohlgebildeten und wie immer sehr elegant ausstaffierten Sir John leicht erkennen , daß er eine respektable Stelle in der bürgerlichen Gesellschaft einnehme - aber es freute mich doch , daß sie nicht fragte . Die kleine Bajadere bereitete auf das zierlichste Tee , und ich improvisierte ihr unterdes das Sujet eines phantastischen Balletts . Sie lachte und klatschte mitunter in die Hände dazu , machte rasch eine Pantomime meines Balletts , und setzte sich endlich behaglich zu mir aufs Sofa , sah mir lächelnd in die Augen , schlürfte Tee und versicherte mich , daß ich recht hübsch zu schwätzen wisse . Ich nahm ihre Hand und küßte sie , und behielt sie , und betrachtete mit Wonne den schönen weißen Arm , den sie im leichten Gewande bis dicht an die Schulter aufgeschürzt trug . Sie ließ mich einen Augenblick gewähren , dann zog sie die Hand zurück , ward still , sah mich sinnend an , lächelte endlich in sich hinein und nickte mit dem Köpfchen - ich fragte - - Genug für heut ; morgen mehr . 3. Konstantin an Hippolyt . Ich habe sehr schöne Gedanken und Reflexionen im Kopfe , aber ich weiß ja , was Du dazu sagst , wenn man sie zwischen Handeln und Tat spreut . » Handle , lebe , « pflegtest Du zu sagen - » von den sieben Weisen Griechenlands herunter haben die Leute philosophiert , systematisiert , schematisiert und doch nichts gelernt , sie haben alles in Formeln gebracht und darüber die schöne Zeit verloren , während welcher sie glücklich sein konnten . Lebe , sagtest Du mir beim Abschiede , und da Du ja auch ein Federheld bist , schreib