. Und fettes , rabenschwarzes Schlichthaar , davon Strähne immer in die Stirn fielen . Das Gesicht sehr mager und gelb . Die Augen in Dunkelweiß so tief funkelnd , wenn er haßte oder in Abwehr aufblitzte , obwohl er meist eine fast lächerliche Gutmütigkeit und scheue Einfalt zeigte , und fast nie wußte , ob er gelebt oder nur geträumt , was er redete . Heimlich rauchte er , wo er konnte , gleichgültig was . Die Schwestern steckten ihm allerhand zu , und die Mutter desgleichen . Eine feine , schmale Stirn , daran eine leichte Aderschwellung in Zeiten der Freude , hatte er , eine feine , schmale Nase und gerade , schmale , frohe Lippen , aus denen die vom Rauchen leicht gelben Zähne sahen . Wer ihn so betrachtete , war entsetzlich erstaunt , daß dieser junge Mann Einhart hieß , und noch mehr darüber , daß er eines strengen Geheimrats Sohn war . Man konnte ihm anschaffen , was man wollte . Alles war gleich hin . Man konnte ihn mahnen , sorgfältig und auf seine Reinlichkeit achtsam zu sein . Es gäbe keinen , der in solchen Träumen leben und noch hätte wissen können , wofür man Seife und Wasser brauchte und wie die Traumdinge reiner waschen ? Er selbst ging vor sich im Traume hin , und hatte nie ein Gefühl , daß er je und je Schmutz an Haaren und Halse , Nägeln und Händen , und an seinen Kleidern mit sich brachte , wo er ging und stand . Nun , daß da gerade Herr Selle nicht glücklich war über solches zuchtloses Leben , kann man begreifen . Es gab jetzt ewig Szenen um Einhart . Man mußte sich allmählich schämen , wenn er einmal von den Schwestern unbemerkt unter Besuche hereingekommen . Draußen putzten und säuberten ihn dann erst die Schwestern . Und er lachte kindlich dazu . Die Mutter hatte heimlich einen Hang zu ihm . Wenn sie ihn auch nur sah , strich sie ihm immer flüchtig die gelbgraue Wangenhaut . Der Mutter gegenüber war auch er immer geradezu wie ein demütiger Hund . Es lag in ihr für Einhart etwas , was er sinnlos und wie nichts in der Welt liebte . Und für sie schien sich in Einhart wieder herzustellen , so ins Unbestimmte , was sie immer verloren gefühlt . So sah Frau Selle mit träger Verachtung fast , wenn sie alle erst um den Tisch saßen , zu Vater , aber zu Einhart mit jäher , heimlicher Glut in den Mienen , die so graugelb waren , wie seine , nur welk und alt . Und Frau Selle hatte es oft für sich amüsiert , wenn er das Essen verpaßt , draußen in der Sandkuhle gelegen , Igeln nachgetrachtet im Weizenfelde , mit Kindesblicken ewig einer Lerche Jubel zugestarrt bis zum Blenden , und statt des Kalbsbratens mit trüber , dünner Sauce daheim einfach Ähre um Ähre vom Weizenfelde ausgekörnert und mit seinen Zähnen , unter Träumen oben im Hirn , zermahlen hatte . Dann hatte er ihr alles umständlich erzählen müssen , daß Frau Selles Augen unaufhörlich dabei lachten . Auch wenn es schon Auftritte gegeben mit Vater . Wobei Mutter natürlich gar nicht erst hatte wagen können , gegen dessen Wünsche und Bestimmungen aufzukommen . Aber heimlich , da hatte man beisammen gesessen , wenn der Herr Geheimrat geraden Ganges mit dem Schirm unter den Armen die Straße entlang gegangen , und man ihn um die Ecke hin endlich hatte verschwinden sehen . Da kam jede einzelne der Schwestern , um Einhart um den Hals zu nehmen . Rosa zuerst , die ihn ein Stück drollig hinzog , wobei er noch immer absichtlich ein dummes Gesicht behielt . Auch wenn der Tusch noch jetzt manchmal mit Handgreiflichkeiten geendet . Alle kamen , Johanna , Katharina , und die Jüngste , Emma , und faßten ihn um den Hals von hinten oder von vorn . Und Rosa küßte ihn phantastisch auf die Augen , die dann pfiffig lachten , als wie dem Sturmwind des Vaters und seiner Würde mit Drolligkeit nach . Und Mutter , versorgt und geängstigt noch , begann , selber immer lustiger werdend , ihn auszufragen , wenn sie die schon belustigten Schalksblicke sah , mit denen Einhart seine versonnenen , Vergessen bringenden Fahrten draußen in Heide und Wildnis spürsinnig zu erzählen und Buntes und wie aus märchenschönen Dingen Erlesenes hineinzuweben wußte . Dann standen die vier Schwestern mit Staunen und sahen in Einhart etwas , wie ein unglaublich neckisches , wagsames Rätselwesen , das sie liebten , das ihnen unter die armgrauen Ereignisse des herkömmlich-bürgerlichen Geheimratlebens ein ganz neues Fühlen und neue Feste brachte . Sie lachten über den ungekämmten , ungewaschenen Jungen , dessen Augen Diebe schienen , und über die zerrissenen und verwitterten Kleider und die verwetzten , verwahrlosten Stiefeln . Und jede wußte jetzt auch , daß man ohne solche Opfer nichts dergleichen erleben könnte . Eine jede der vier dunkelfarbigen Dirnen hätte es dann am liebsten gleich auch versucht . Alle , auch Mutter , trug trotz der verborgenen Pein des Zerwürfnisses immer ein Glück fort aus diesem das Leben so wegwerfenden Jüngling . Einhart war bald ein Jüngling , so dürftig und schmächtig er auch mit seinen Jahren noch aussah . An solchem Tage sahen alle heimlich auf den Herrn Geheimrat , wie auf eine langweilige Gesetzestafel , die streng verfügte , was man längst tausendmal kannte . Und wenn er erst wieder heimgekommen , fühlte man es in allem , daß es eine jede der Damen , alt und jung , heimlich entrüstete , wie die harte Würde dem grünen Wucherreis mit dem glutäugigen Sanftblick blind und mißlaunig alles frohe Treiben knicken wollte . Da hatte Herr Selle keine seiner Töchter in seiner Arbeitsstube hocken , wie sonst gewöhnlich . Niemand empfing ihn . Er mußte am Tische stumme Münder unter den sammetnen , gesenkten Blicken sehen . Alles war da nicht