, nein ! Scheiden laß ich mich nicht ! Ihr braucht mir nicht zuzureden . Weder glatt noch schwierig - ich will ' s nicht ! Es ist unmöglich . Aber weißt , es sticht mich da ! Jedes Wort , was du drüber redest ! Nur nicht sagen , ich wär vernarrt in ihn , jetzt noch ! O nein ! Bin nicht vernarrt , Vater , bin ganz klar und so ruhig ! « Ihr ganzes Gesicht glühte plötzlich in Fieberröte . » Du sagst : nicht vernarrt ? Also verzaubert ? Behext ? « schrie Plattner , auf den Tisch schlagend . » So ein Schuft , so ein - « » Siehst du ! « rief sie wild . » Das ist es ! Weil ihr immer so sprecht ! Weil er von der ganzen Welt verachtet , verstoßen , verlassen ist ! Und ich soll mitmachen ? Nein , nicht verzaubert , nicht behext , aber die nächste , wo er hat ! Den einen erwischen sie , und zehntausend gehen frei aus . Schuft ! Schuft ! Immer nur Schuft ! Pfui , die Bande ! Alle hergefallen über einen ! Schämt euch ! Vater , weißt - einmal ist der Georges doch so ganz wie andere - doch so ganz - - « Tränenüberströmt sank sie an der Wand in sich zusammen . Aber wie der Vater wirr und stumm dreinblickte , zwang sie ihre Fassung zurück . » Bitte , bitte , laß mich tun , was ich kann ! Du weißt ja , daß ich immer meinen Weg gehen muß . Ich bin ja ganz zerschlagen , eigentlich wie toll ! « Sie drückte ihre Schläfen mit den Händen zusammen . » Auf die Straße möcht ich und schreien , bis die Leute mit mir kommen und ihn da herausreißen , wo sie ihn vergraben haben ! « Sie funkelte den Vater an , kurz und schnell , mit ihren Fieberblicken . Aber sein Gesicht war fremd und abweisend geworden ; er sah sich verloren um , betastete seine Stirn , auf der Schweißtropfen standen . Dann suchte er seinen Hut , den derben Stock und näherte sich dabei unmerklich der Tür . » Also - also - adie , Josy , « sagte er in trockenem Ton , ohne die Hand auszustrecken . Sprachlos sah die junge Frau ihm zu . Sie konnte nichts reden , um den Preis ihres Lebens nicht . Aber ihr Herz klopfte in wilder Verzweiflung , daß er so gehen sollte , ihr lieber , treuer Vater . Und er ging . Durch das halbdunkle Balkonzimmer über den kleinen fensterlosen Flur hörte sie seine schweren Tritte . Er stieß mit dem Stock auf , als ob er mit lahmen Füßen an der Krücke ginge ... Die Tür klappte , der schwere , müde Tritt , der Krückstock erklang auf den Treppenstufen ... Josy schüttelte sich auf aus der Erstarrung . Sie riß das Kleinste aus der Wiege und rannte mit ihm auf dem Arm dem Vater nach . Am Ende der Stiege holte sie ihn ein . » Die Kinder ! « rief Josy keuchend . » Vater , du hast ja die Kinder nicht gesehen . « Er kehrte mit ihr zurück in die Wohnung . Die älteren Kinder lärmten in ihren Betten . Josefine riß weit die Schlafzimmertür auf : » Springt heraus , der Großvater ist gekommen ! « Schüchtern , im Hemdchen , mit bloßen Füßen kamen sie herangehuscht , ein blasser , schmaler Bub von sieben Jahren mit unruhigen Augen und ein untersetzter Blondkopf mit rotgeschlafenen Backen . Ein zartes Mädchen mit dünnem , seidigem , dunklem Haar folgte . Es ging mit gesenktem Kopf und schlaff hängenden Ärmchen beschämt und langsam hinter den Buben her . Josefine eilte mit dem Kleinsten in die Küche . Sie war froh , einen Augenblick fortzukommen , während sie doch den Vater noch hier wußte , hier bei ihr , in der traurigen Wohnung mit dem schwarzen , gähnenden Schlund in der Mitte . Der gute , treue Vater mit dem starken , ehrlichen Antlitz , mit den kräftigen , Lebensfrische atmenden Gliedern , mit den derben Kleidern , die nach Heu dufteten , mit den sonnenbraunen , arbeitgewöhnten Händen . Er war noch hier . Sie stand in der Küche und sah gedankenlos zu , wie das Mädchen die kleine Nina badete und ankleidete . Das Mädchen lachte , denn die Kleine sog an dem Waschschwämmchen und wollte es nicht fahren lassen . Aus dem Zimmer vorn kamen die Stimmen der Kinder , froh und jauchzend , und dann wieder hörte sie ihres Vaters Stimme und sein Gelächter . Josefine seufzte erleichtert . Er war ja im Grunde ein fröhlicher Mann , ihr Vater , jung geblieben zwischen seinen jungen Zöglingen von der landwirtschaftlichen Schule . Und sie fühlte es : immer doch würde er auf ihrer Seite sein mit seiner Hilfsbereitschaft , mit seinem praktischen Sinn und seinem Vaterherzen . Nur keine Entzweiung zwischen ihnen ! Nur seine Hand nicht loslassen müssen ! Zögernd entschloß sich Josefine , wieder hinüberzugehen , aber dann , als sie die fröhliche Gruppe sah , wurde ihr ganz licht vor den Augen . Die Kinder hielten den Großvater eng belagert , wie er da mitten im Balkonzimmer saß . Röslis leichtes , kleines Figürchen lag ganz fest in den starken Armen , das Köpfchen dicht an des Großvaters Brust geschmiegt , die Finger in seinem grauen Lockenbart vergraben . Hermannli hielt ihn von rücklings umfaßt , der Kleinere , Uli , stand zwischen den Knien des Alten , der ganz beruhigt , milde und versöhnt auf die Kinder niedersah . » Sie gehen mit mir , alle miteinander ! Deine ganze wilde Bande ! Aber das ist die wildeste von allen ! « Er zupfte Rösli an den braunen Ringeln und wiegte sie spielend . Hermann versuchte , sie von dem bevorzugten Platze zu verdrängen