Dir in Deinen Geschichten sehr wohl zu helfen weißt , denn beim Runterfallen amüsierst Du dich gleich wieder über die köstliche Tiefe der Dorfkirchenwelt . Merkwürdig ist es nur , daß Du Dir in Deinem Leben nicht zu helfen weißt - denn Deine Mienen lassen nicht den geringsten Grad von Heiterkeit erkennen . Dir scheint die Grütze sehr stark verhagelt zu sein . « Ich wollte was erwidern , aber das Nilpferd ließ mich nicht zu Worte kommen ; es wollte bloß noch ein paar » schmerzliche « Manuskripte lesen - es wollte gleich mehrere haben - und ich gab ihm diese drei : Er hatte ... Eine Nachtscene Er hatte sehr viel getrunken - das stand fest . Und er hatte sehr lange getrunken - so drei bis vier Tage - genau wußte man ' s nicht . Er hatte sich auch geärgert - natürlich ! Wer viel und lange trinkt , hat sich immer geärgert . Das ist nun mal so auf diesem großen Erdball . Und er hatte natürlich keinen Sechser mehr - das sagten Alle , die ihn umstanden . Und die mußten es wissen , denn sie waren dabeigewesen . Er hatte sich ja in ihrer Gegenwart die Gurgel durchgeschnitten und war dabei umgefallen , obgleich er sich am Laternenpfahl gehalten hatte . Jetzt lag er da - in der Gosse . Er hatte endlich genug . Er hatte in seinem ganzen Leben niemals genug gehabt . Blut hatte er noch . Das merkten Alle , die ihn umstanden und nicht wußten , wie sie ihm helfen sollten . Das Blut floß plätschernd in die Gosse . Die Laterne leuchtete und blitzte in dem roten Blut . Warum hatte er sich die Kehle durchgeschnitten ? Ja - warum hatte er ? Er hatte das Leben plötzlich dick bekommen . Sich selbst hatte er niemals dick bekommen - wohl aber das Leben . » Er hatte Talent ! « sagten die Leute . Und bei diesen Worten hatte sich ein Arzt vorgedrängt - der hatte natürlich sein Verbandzeug nicht bei sich . Aber die Umstehenden hatten Taschentücher . Wer hatte nicht Taschentücher ? Er hatte Talent . Ja - warum hatte er denn Talent ? Er hatte einen Vogel . Er hatte mir ' s ja gesagt . Er hatte nie genug . Jetzt erst hatte er genug - mit der durchschnittenen Kehle . Ja - die Kehle ! Die Kehle hatte schuld an Allem . Die Kehle ! Er hatte eine Kehle ! Er hatte eine Kehle ! Lautlos wälzte sich eine Wolke die Straße entlang , und in der Wolke saß ein Fleischer mit einem ellenlangen Messer . Der Fleischer hatte ein Messer , aber keine Kehle dazu . Mein Freund hatte eine Kehle . Er hatte jetzt genug . Aber er hatte trotzdem kein Talent . Ich weiß das ganz genau . Er hatte ... Er hatte wieder zu viel getrunken . Er hatte ... Der große Kampf Ein Dualisticum Langsam fallen glühende Sonnen in die schwarze Nacht - und machen Alles hell . Und dann kommt der Erzengel Michael mit seinem langen Schwert . Mächtige Eisenmassen rasseln auf seiner Brust , die Beinschienen knacken , und die Armschienen platzen beinah - so schwellen dem Erzengel die Muskeln an . Und dann taucht aus dunklen Wolken der Kopf des Drachensatans heraus . Aber dessen Augen sind nicht leuchtend wie die des Michael ; des Drachensatans Augen sind so matt . » Ich hau ' Dich zu Brei ! « brüllt der Michael . Doch der Satan schüttelt den Kopf und sieht dem Engel traurig ins lachende Angesicht . » Dein Schwert ist zu kurz ! « erwidert der müde Satan . Michael funkelt mit den Augen , seine Stahlrüstung kreischt , und das lange Schwert blitzt durch die Wolken . Satan zieht den Kopf ein , und seine ungeheuere Körpermasse kommt zum Vorschein - Millionen weltendicke Schlangenarme winden sich aus den Wolken heraus . Michael schlägt zu und haut unzählige Schlangenarme ab - aber die abgeschlagenen Glieder verbinden sich wieder mit dem Drachenrumpf . Und des Erzengels Arm erlahmt . Da kommt des Satans Kopf wieder an die Oberfläche des Rumpfes und grinst den Engel an wie ein Totenschädel . Der Engel will zuschlagen , doch er kann das Schwert nicht mehr heben - seine Arme zittern . Und die Millionen dicker Schlangenarme umhalsen den eisernen Engel , so daß der schier erstickt wird . » Hör auf ! « schreit der Engel . Der Satan läßt nach , die weichen schlaffen dicken Schlangenarme lösen sich von dem Engel los . Und langsam sinkt der Drachensatan zurück . » Nächstens kämpfen wir wieder von Neuem ! « flüstert höhnisch der müde Teufel . Der Engel stöhnt und schwebt mit hängendem Kopfe davon ; nur ganz allmählich kehrt die Kraft in die zitternden Muskeln zurück . Bunte Wolken nehmen den Engel auf und erfrischen ihn . Langsam steigen starke Marmorsäulen in den Himmel empor . Die Säulen steigen immer höher und verschwinden zwischen den Sternen . Die Kummerlotte Die Morgensonne glühte in die Resedabüsche , die vor Lottens Dachfenster blühten . Und sie saß still vor ihrer Nähmaschine und machte ein trauriges Gesicht . Die Lotte war sonst immer so glücklich gewesen - früher , als sie so wenig Geld verdiente und so oft nur Häringe zu Mittag aß . Früher war sie eigentlich stets so recht lustig gewesen - so seelenvergnügt . Das war jetzt Alles so anders geworden . Seit drei Tagen war die Lotte die richtige Kummerlotte geworden . Wie kam das ? Die Nähmaschine stand seit drei Tagen still . Und das Unglück ? Wie sah ' s denn aus ? Oh - es sah merkwürdig gut aus - das Unglück . Andere Menschen hätten das Unglück ein großes Glück genannt . Die arme Lotte hatte geerbt - zweimal ! Zweimal geerbt in drei Tagen ! Von einem alten Großonkel hatte sie zehntausend Thaler geerbt - und von einer Kusine