weiß , daß du ein verständiger Mann bist und will dir darum eine Frage anvertrauen : Hast du in deinem Herzen einmal gefühlt , was Ischtijak el Watan10 ist ? « » Ja , « antwortete ich . » In deinem eigenen Herzen ? « » Ja . « » So darf ich dir gestehen , daß ich diese Sehnsucht schon oft empfunden habe und auch noch jetzt in mir trage . Du weißt , daß ich eine Tochter der Ateïbeh bin , und hast mich und meinen Stamm in der Nähe Mekkas kennen gelernt . Dort sind die lichten Tage meiner Kindheit verflossen ; ich weiß nicht , ob du es glaubst , ich aber halte es für wahr , nämlich daß das Herz des Menschen , je älter er wird , um so mehr nach den Orten verlangt , welche seine Jugend gesehen haben . Ich liebe meinen Halef und auch Kara Ben Halef , meinen Sohn ; ich bin glücklich in dieser meiner und in ihrer Liebe ; aber neben diesem Glücke wohnt das Verlangen , die Matarih el Watan11 einmal wiedersehen zu dürfen . Ich bitte dich , Halef nichts davon zu sagen , denn es würde ihn betrüben , zu erfahren , daß ich Sehnsucht leide ! Für diese Verschwiegenheit sollst du Erfüllung deines Wunsches haben . Er darf dich begleiten , und ich reite mit . « » Und Kara Ben Halef , euer Sohn ? « fragte ich . » Ihn hier zu lassen , würde mir unmöglich sein ; er geht auch mit . Ja , ich glaube , daß du noch größere Begleitung bekommst . Du weißt zwar , daß unsere Haddedihn den Propheten längst nicht mehr so verehren wie zu der Zeit , als sie dich noch nicht kannten , aber Mekka selbst ist vielen von ihnen doch noch eine wichtige Stadt , und wenn sie erfahren , daß wir hinwollen , wird mancher von ihnen sich bereit erklären , mitzureiten . Wirst du etwas dagegen haben ? « » Nein . Ich kann als Christ im Gegenteile nur wünschen , möglichst viele Freunde bei mir zu haben , die im Augenblicke der Gefahr an meiner Seite stehen . « » So sind wir also einig , und ich werde jetzt gleich Halef suchen , um ihm zu sagen , daß er seine Vorbereitungen beginnen könne . « Das war ihre mir wohlbekannte Energie . Wenn sie einmal einen Entschluß gefaßt hatte , so pflegte sie mit der Ausführung desselben nicht auf sich warten zu lassen . Wie glücklich sie den Hadschi mit ihrer so unerwartet schnellen Einwilligung machte , das wußte ich nicht nur , sondern ich bekam es auch schon nach kurzer Zeit zu hören , als er freudestrahlend mich aufsuchte und mir sagte : » Effendi , sie hat ja gesagt , sie , die liebenswürdigste unter allen irdischen Liebenswürdigkeiten ! Wir gehen nach Mekka , ja wir gehen wirklich hin . Ich habe es soeben öffentlich verkündigen müssen . Da werden wir wieder einmal große Thaten der Tapferkeit verrichten und Werke der Kühnheit vollbringen , die unsern Ruhm in alle Länder tragen . Unsere Kindeskinder werden uns ehren und unsern Enkels- und Urenkelsnachkommen unser Lob verkünden vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne ! Habe ich nicht ein herrliches Weib , Sihdi ? « » Ja , « nickte ich ; » deine Hanneh ist ganz gewiß die herrlichste aller Frauen ! « » Ganz gewiß ! Richtig ! Aber deine Emmeh auch ! Und damit es zu keinem Streite und Zusammenstoße zwischen ihnen komme , wollen wir vorsichtig sein und folgendermaßen beschließen : Meine Hanneh ist die herrlichste Frau des Morgen- , und deine Emmeh ist die herrlichste Frau des Abendlandes . Bist du damit zufrieden ? « » Ja . « » Du kannst da aber auch wirklich ganz zufrieden sein , denn wenn du dadurch von mir ohne alle Widerrede die herrlichste Frau des Abendlandes bekommen hast , darf keine andre dort von nun an wagen , sich mit ihr zu vergleichen . Sage ihr das , wenn du in dein Duar12 heimkehrst , damit sie erkenne , was für ein Freund ich von dir bin und also auch von ihr ! Allah erhalte sie jung ; er gebe ihr schwarzgefärbte Augenwimpern , seidene Bänder in die Zöpfe und die schönsten , roten Fingernägel ! « Es meldeten sich auch wirklich so viele Haddedihn , daß sie gar nicht alle mitgenommen werden konnten , sondern eine Auswahl getroffen werden mußte . Der Ritt durch die großen arabischen Wüsten wäre des Wassers wegen um so schwieriger gewesen , je mehr Personen sich an demselben beteiligten . Und bei einer so großen Schar , wie sich gemeldet hatte , hätten wir an einen längeren Aufenthalt in Mekka gar nicht denken können . Darum wurde bestimmt , daß für jetzt nur fünfzig Krieger teilnehmen durften ; den andern wurde es freigestellt , dann wieder eine Auswahl unter sich zu treffen und die durch sie bestimmten dann nachfolgen zu lassen . Es war nämlich jetzt noch nicht die Zeit der eigentlichen Hadsch , des großen Pilgerzuges . Da bei diesem die Scharen der Mohammedaner zu vielen , vielen Tausenden aus allen Himmelsrichtungen in Mekka zusammenströmen , so war zu dieser Zeit die Gefahr des Erkanntwerdens am größten . Darum wollten wir jetzt schon hin , wo der Andrang nicht so groß war und ich meine Studien mit mehr Muße machen konnte . Waren wir dann bei der Ankunft der großen Hadsch noch dort und ich fand Grund , mich schnell in Sicherheit zu bringen , so konnte ich das in dem befriedigenden Bewußtsein thun , meinen Zweck trotzdem und schon vorher erreicht zu haben . Es zwang uns ja nichts , zur eigentlichen Pilgerzeit in der Stadt der Kaaba einzutreffen , weil der Moslem auch außerhalb derselben , während des ganzen Jahres , seinen religiösen Obliegenheiten dort nachkommen und die ihm nach seiner Ansicht dafür gebotenen geistlichen