schwangeren Weiber ? haben sie uns nicht ausgewiesen aus ihren Städten und unsere Häuser verbrannt ? und unsere Güter geraubt ? Müssen wir nicht vogelfrei dahinwandern und viele finden keine Hütte , wie Kain , der seinen Bruder erschlug ? Haben sie uns nicht aufs Rad geflochten und den Henkern im Land preisgegeben wie krankes Vieh ? nicht unsere Kinder verbrannt , nicht unsere Weiber geschändet und als die Pest kam , nicht schlimmer unter uns gewütet , denn die Pest ? Bei alledem hat sich der Zorn des Herrn nicht gewandt . Doch jetzt , jetzt wird er ein Panier aufrichten dem Heidenvolk aus der Ferne und wird ihm pfeifen vom Ende der Erde und siehe , eilends , flugs kommt es . Keilt Matter und kein Strauchelnder ist darunter ; nicht gibt es sich dem Schlummer noch dem Schlafe hin ; auch springt nicht der Gurt seiner Lenden , noch zerreißt der Riemen seiner Schuhe . Die Hufe seiner Rosse sind wie Kiesel zu achten und seine Räder wie der Sturmwind . Gebrüll hats wie die Löwin und brüllt wie die jungen Löwen und knurrt und packt den Raub und trägt ihn davon und niemand vermag zu retten . Und es wird über Juda dröhnen wie Meeresdröhnen und blickt er auf das Land hin , siehe da ist angsterregende Finsternis und das Licht ward dunkel in dem Gewölbe darüber . Nahet euch , ihr Heiden , um zu hören , und ihr Völker , merket auf ! Es höret die Erde , was sie erfüllet , der Weltkreis , und alles , was ihm entsproßt . Denn einen Groll hat der Herr auf alle Heiden , er hat sie bestimmt für die Schlachtung und ihre Erschlagenen werden hingeworfen , und ihre Leichen , - aufsteigen soll ihr Gestank , und es sollen die Berge zerfließen von ihrem Blut . Die Sterne sollen zerbröckeln und wie ein Pergamentum soll der Himmel zusammengerollt werden . Aber unsere Trift soll lustig sein , frohlocken soll unsere Steppe und blühen wie die Narzisse . Sie soll blühen , ja blühen und frohlocken , frohlocken und jubeln ! Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt und die Pracht des Karmel . Stärkt die erschlafften Glieder und die wankenden Knie macht fest ! Sagt zu denen , die bekümmerten Herzens sind : seid stark ! Aufgetan werden die Augen der Blinden und die Ohren der Tauben geöffnet ! Dann wird wie ein Hirsch der Lahme springen und jubeln die Zunge des Stummen . Denn seht : ein Mann ist aufgestanden in der kleinasiatischen Stadt Smyrna , das ist der wahre Messias und das Himmelreich ist nah ! Ja , ich sehe eure Blicke leuchten und eure Hände beben ! Habt ihr ihn nicht rufen hören von den Gestaden des Mittelmeers ? Ein neues Erlösungswerk geht ihm voran und Olam ha Tikkun wird erstehn . Das göttliche Wesen hat er allein erkannt , er , Sabbatai Zewi ! Sammelt euch , Brüder , richtet euch empor , richtet eure Weiber empor , lehrt eure Kinder seinen Namen aussprechen und eure Waisen tröstet mit seinem Wort ! Im Jahre fünftausendvierhundertundacht der Welt begann die Erlösungszeit zu tagen , und in diesem Jahre hat sich Sabbatai Zewi uns offenbart . Wunder über Wunder hat er verrichtet und die Juden des Morgenlandes jauchzen ihm zu . « Ein furchtbarer Tumult unterbrach den Redner . Lange schon war die Kunde von dem Ereignis nach Franken gedrungen , aber stets waren es nur dunkle Laute gewesen , geheimnisvolle Andeutungen : von wandernden Mönchen , von wandernden Juden oder von Zigeunern hergetragen . Es war nur das dumpfe Geräusch eines sehr fernen Wetters gewesen , das die Gemüter wohl in nächtlicher Stille und Träumerei zu ergreifen vermag , aber das Licht des Tages machte zweifeln und ungläubig . Zum ersten Male nun war es wie ein Trompetenstoß in die Ohren der Juden gefahren , wie ein heller , schmetternder Schlachtruf , wie ein Klirren von tausend Schildern und Schwertern , ein Auferstehungsschrei . Es wurde leuchtend um ihre Augen , rings herum ward es Tag , das bange Los der Unterdrückung schien dem Ende nahe : Sonne , Freiheit , göttliches Auserwähltsein zu großen Dingen , Glanz und Freudigkeit und verzückte Sehnsucht , - eine wundervolle Erfüllung tausendjähriger Glaubensdienste . In ihre bedrückten Seelen fuhr es wie der Aufruf zu einer neuen Weltordnung ; Knaben sahen sich zu Männern geworden , Männer ballten ihre Fäuste und es rieselte ihnen kalt und heiß über den Rücken . Und als der erste Taumel sich gelegt , drängten sie sich um den Fremden , bestürmten ihn um Einzelheiten und lauschten , lauschten . Vergessen war die Stunde der Heimkehr , vergessen die Gebote des Fasttags ; die Weiber drängten sich aus ihren Verschlägen und hörten mit erhitzten Wangen zu . Sie sahen ihn in ihrer Phantasie lebendig werden , den geheimnisvollen Propheten von Smyrna , der am hellen Tag der Geschichte wie ein glühendes Meteor hinwandelte und , ergriffen von lurjanischer Mystik , das Ende der Zeitalter herbeizuführen glaubte . Zacharias Naar erzählte , versunken und hingegeben gleich einem Träumenden : wie Sabbatai seinen Leib kasteite und Sommer und Winter , bei Tag oder bei Nacht im Meer badete . Wie sein Leib vom Wasser des Ozeans einen Wohlgeruch erhielt und sein Auge klar davon wurde . Niemals hatte er ein Weib berührt und obwohl er zwei Frauen vermählt worden war , mied er sie und verstieß sie bald . Ernst und einsam war sein Wesen , und er hatte eine schöne Stimme , mit der er die kabbalistischen Verse oder seine eigenen Poesien sang . Das Jahr sechszehnhundertsechsundsechzig bezeichnete er als das messianische Jahr ; den Juden sollte es eine neue Herrlichkeit bringen und sie sollten nach Jerusalem zurückkehren . Seine Seele ergab sich jauchzend dem süßen Rausch des Gottesbewußtseins . Man hatte ihn von Smyrna verjagt , aber da brach das glimmende Feuer zur verheerenden Flamme aus : seine Demütigung war seine