fast die Steinfliesen streift . Jedoch die Dichter wollen nicht mitkommen . - Safur sagt : » Das kennen wir schon ! Wenn wir zu Euch hineingehen , so gehen wir nicht sobald wieder hinaus ! « Die stattliche Negerin nestelt verlegen an ihrer dicken Perlenschnur , die ihren starken Nacken umkränzt - muß dann aber mit ihren Fackelträgern ohne die beiden Dichter - abgehen . Wieder klingen die Saitentöne und die hellen hallenden Frauenstimmen durch das Sommerhaus der alten Dschellabany , vor deren gastlicher Tür Safur und Suleiman geduldig warten und den Halbmond betrachten . Und nach einer guten Weile kommt dann der Kodama , Bagdads dickster Gelehrter , auch endlich zum Vorschein . Er ruft ärgerlich : » Na , ein Glas Wein hättet Ihr doch noch trinken können ! « Indeß die Dichter zeigen lächelnd auf den Halbmond und erklären dem Kodama , daß die Mondfinsternis sehr bald eintreten müsse . Die Drei begeben sich daher ohne weiteren Verzug zusammen zur Sternwarte , die einst der gebildete Chalif Mamun für die Astronomen mit großen Kosten erbauen ließ . Das weite Himmelszelt mit seinen Sternen funkelt . Der Halbmond steht drüben im Osten über den Lorbeeralleen . Der Garten ist still , nur die Springbrunnen plätschern . Die roten Tulpen auf den geschorenen Rasen leuchten wie kleine rote Flammen . Im lauen Nachtwind schaukeln langsam die ruhigen Palmen . Aus der Ferne ganz leise dringt von den Gartenmauern hernieder der Lärm der großen Stadt . Die Drei wandeln schweigend zur Sternwarte . Bagdads Lachen verhallt . Zweites Kapitel Hoch oben auf dem Mittelturm der Sternwarte schaut der Sterndeuter Abu Maschar durch ein dreieckiges Blechrohr zum schwarzen Saturn . In seinem weißen Beduinengewande steht Abu Maschar da oben unter den Sternen wie ein Gespenst . Ein pechschwarzer Vollbart wallt ihm bis auf den ledernen Leibgurt hinab . Zur Rechten und zur Linken des Sterndeuters stehen hohe wunderliche Meßgeräte . Auf dem alten , sehr breiten Holzgeländer sind lange Papierstreifen - mit Bleistücken beschwert - ausgebreitet . Und uralte vergilbte Bücherrollen liegen am Boden . Abu Maschar murmelt was in seinen schwarzen Bart , er murmelt in einer unverständlichen Sprache , die wohl nur die Bürger Alt-Babylons verstanden hätten . Er schreibt dabei Zahlen auf einen der langen Papierstreifen und blickt dann stolz nach allen Seiten umher - in die große funkelnde Sternenwelt . In seinem braunen Antlitz leuchten die großen schwarzen Augen unheimlich auf , sie starren in das tiefe Himmelsblau , als wenn sie Geister sähen ... Abu Maschar steht still - gebannt - wie eine Bildsäule . Die Sternwarte war eigentlich eine Ruine . Bald nach Mamuns Tode hatten sich Räuber der Sternwarte bemächtigt , da nach Mamuns Tode fast Niemand mehr Geld für die Himmelskunde erübrigen wollte . Als man nun später dahinterkam , daß sich in den fünf Türmen , auf denen sonst nur gelehrte Männer emsig arbeiteten , Räuber verborgen hielten , ward das prächtige Bauwerk von den Soldaten eines arabischen Hauptmanns gestürmt . Und bei diesem Sturm stürzten zwei Türme um und begruben viele Räuber und Soldaten unter ihren Trümmern . Auf dem Schutt wächst jetzt Gras mit wilden Blumen . Die Türme hatten einen Halbkreis gebildet und waren durch vier schwere Holzbrücken miteinander verbunden ; von diesen überlebten nur zwei den Sturm des Hauptmanns . Vom Mittelpunkte der durch die fünf Türme gegebenen Kreislinie aus hatte eine mit Backsteinen erbaute feste Treppe fast bis zur Spitze des Mittelturmes geführt . Diese Treppe war bei dem Kampf mit den Räubern auch über den Haufen geworfen worden . Über den Trümmern der Treppe wächst nun gleichfalls Gras . Nur das oberste Stück der Treppe hängt noch wie ein Widerhaken oben am Mittelturm , auf dem Abu Maschar wie eine Bildsäule dasteht . Die beiden andern Türme erreichen nicht dieselbe Höhe wie der , welcher einst der mittlere gewesen ; der diesem zunächst gelegene sieht sogar recht niedrig aus - dafür geht er allerdings mehr in die Breite , befindet sich doch in seiner Spitze der große Empfangssaal , in dem die Astronomen einst von Mamun die fürstlichen Geschenke empfingen . Auf dem großen fünfeckigen Altan , der vor dem Empfangssaal hoch über den Palmen in den Garten hinausragt , spricht der berühmte Astronom Al Battany mit Jakuby , dem großen Weltreisenden , über die Wissenschaft ... Al Battany hat die Sternwarte wieder bewohnbar gemacht . Mit seinen wissenschaftlichen Instrumenten sitzt er oft im dritten der drei noch übrig gebliebenen Türme . Im Empfangssaal pflegt er seine Freunde zu empfangen , die dort gern aus- und eingehen und besonders gern auf dem fünfeckigen Altane weilen , der sich auf der Außenseite des durch die drei Türme beschriebenen Kreisabschnittes befindet . Der Empfangssaal mit dem Altan wird von den bedeutendsten Männern Bagdads besucht . Die Freunde des reichen Battany , der sich , wenn er allein sein will , in sein nicht weitab am Tigris gelegenes Landhaus begibt , sind zum größten Teil nicht sehr wohlhabend - das aber beeinträchtigt ihre Bedeutung nicht im Geringsten ... In der Tiefe des Gartens unterm Altan und zwischen den Trümmern reiten zwei Mongolen mit langen Lanzen auf schäumenden Rossen langsam , fast schleichend auf und ab . Die gelben Mongolen mit ihren blanken Helmen wachen in jeder Nacht , auf daß kein Unberufener feindselig nahe . Die Mongolen stehen im Solde des reichen Al Battany , der auch ein Dutzend schwarzer Sklaven in den unteren Gelassen der Türme verteilte . Hunde sind aber nicht da . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Tiefernst ist das Gespräch zwischen dem großen Astronomen und dem großen Weltreisenden , der Jakuby heißt . Die Beiden ergründen oben auf dem fünfeckigen Altan die Bedeutung der arabischen Literatur . Der Battany schließt eine längere Auseinandersetzung über Bagdads Gelehrtenwelt mit den folgenden heftigen Worten : » Überhaupt - was weißt Du von unsren wissenschaftlichen Bestrebungen ? Du