war er , so Winter wie Sommer , in ein Leinwandhabit gekleidet , und nur wenn es zu Tisch ging , trug er eine richtige Livree von sandfarbenem Tuch mit großen Knöpfen dran . Es waren Knöpfe , die noch die Zeiten des Rheinsberger Prinzen Heinrich gesehen hatten , weshalb Dubslav , als er mal wieder in Verlegenheit war , zu dem jüngst verstorbenen alten Herrn von Kortschädel gesagt hatte : » Ja , Kortschädel , wenn ich so meinen Engelke , wie er da geht und steht , ins märkische Provinzialmuseum abliefern könnte , so kriegt ich ein Jahrgehalt und wäre raus . « Das war im Mai , daß der alte Stechlin diese Worte zu seinem Freunde Kortschädel gesprochen hatte . Heute aber war dritter Oktober und ein wundervoller Herbsttag dazu . Dubslav , sonst empfindlich gegen Zug , hatte die Türen aufmachen lassen , und von dem großen Portal her zog ein erquicklicher Luftstrom bis auf die mit weiß und schwarzen Fliesen gedeckte Veranda hinaus . Eine große , etwas schadhafte Markise war hier herabgelassen und gab Schutz gegen die Sonne , deren Lichter durch die schadhaften Stellen hindurchschienen und auf den Fliesen ein Schattenspiel aufführten . Gartenstühle standen umher , vor einer Bank aber , die sich an die Hauswand lehnte , waren doppelte Strohmatten gelegt . Auf eben dieser Bank , ein Bild des Behagens , saß der alte Stechlin in Joppe und breitkrempigem Filzhut und sah , während er aus seinem Meerschaum allerlei Ringe blies , auf ein Rundell , in dessen Mitte , von Blumen eingefaßt , eine kleine Fontäne plätscherte . Rechts daneben lief ein sogenannter Poetensteig , an dessen Ausgang ein ziemlich hoher , aus allerlei Gebälk zusammengezimmerter Aussichtsturm aufragte . Ganz oben eine Plattform mit Fahnenstange , daran die preußische Flagge wehte , schwarz und weiß , alles schon ziemlich verschlissen . Engelke hatte vor kurzem einen roten Streifen annähen wollen , war aber mit seinem Vorschlag nicht durchgedrungen . » Laß . Ich bin nicht dafür . Das alte Schwarz und Weiß hält gerade noch ; aber wenn du was Rotes drannähst , dann reißt es gewiß . « Die Pfeife war ausgegangen , und Dubslav wollte sich eben von seinem Platz erheben und nach Engelke rufen , als dieser vom Gartensaal her auf die Veranda heraustrat . » Das ist recht , Engelke , daß du kommst ... Aber du hast da ja was wie ' n Telegramm in der Hand . Ich kann Telegramms nicht leiden . Immer is einer dod , oder es kommt wer , der besser zu Hause geblieben wäre . « Engelke griente . » Der junge Herr kommt . « » Und das weißt du schon ? « » Ja , Brose hat es mir gesagt . « » So , so . Dienstgeheimnis . Na , gib her . « Und unter diesen Worten brach er das Telegramm auf und las : » Lieber Papa . Bin sechs Uhr bei dir . Rex und von Czako begleiten mich . Dein Woldemar . « Engelke stand und wartete . » Ja , was da tun , Engelke ? « sagte Dubslav und drehte das Telegramm hin und her . » Und aus Cremmen und von heute früh « , fuhr er fort . » Da müssen sie also die Nacht über schon in Cremmen gewesen sein . Auch kein Spaß . « » Aber Cremmen is doch soweit ganz gut . « » Nu , gewiß , gewiß . Bloß sie haben da so kurze Betten ... Und wenn man , wie Woldemar , Kavallerist ist , kann man ja doch auch die acht Meilen von Berlin bis Stechlin in einer Pace machen . Warum also Nachtquartier ? Und Rex und von Czako begleiten mich . Ich kenne Rex nicht und kenne von Czako nicht . Wahrscheinlich Regimentskameraden . Haben wir denn was ? « » Ich denk doch , gnäd ' ger Herr . Und wovor haben wir denn unsre Mamsell ? Die wird schon was finden . « » Nu gut . Also wir haben was . Aber wen laden wir dazu ein ? So bloß ich , das geht nicht . Ich mag mich keinem Menschen mehr vorsetzen . Czako , das ginge vielleicht noch . Aber Rex , wenn ich ihn auch nicht kenne , zu so was Feinem wie Rex paß ich nicht mehr ; ich bin zu altmodisch geworden . Was meinst du , ob die Gundermanns wohl können ? « » Ach , die können schon . Er gewiß , und sie kluckt auch bloß immer so rum . « » Also Gundermanns . Gut . Und dann vielleicht Oberförsters . Das älteste Kind hat freilich die Masern , und die Frau , das heißt die Gemahlin ( und Gemahlin is eigentlich auch noch nicht das rechte Wort ) , die erwartet wieder . Man weiß nie recht , wie man mit ihr dran ist und wie man sie nennen soll , Oberförsterin Katzler oder Durchlaucht . Aber man kann ' s am Ende versuchen . Und dann unser Pastor . Der hat doch wenigstens die Bildung . Gundermann allein ist zuwenig und eigentlich bloß ein Klutentreter . Und seitdem er die Siebenmühlen hat , ist er noch weniger geworden . « Engelke nickte . » Na , dann schick also Martin . Aber er soll sich proper machen . Oder vielleicht ist Brose noch da ; der kann ja auf seinem Retourgang bei Gundermanns mit rangehen . Und soll ihnen sagen sieben Uhr , aber nicht früher ; sie sitzen sonst so lange rum , und man weiß nicht , wovon man reden soll . Das heißt mit ihm ; sie redt immerzu ... Und gib Brosen auch ' nen Kornus und funfzig Pfennig . « » Ich werd ihm dreißig geben . « » Nein , nein , funfzig . Erst hat er ja doch was gebracht , und nu nimmt er wieder