der immer wackelt , weil er dünne Beine hat , ein Pechpflaster aufkleben soll ? Nein , Stinechen , da kennst du deine Schwester schlecht . Oder wegen den blassen Neffen ? Ich denk ihn mir so . « Und dabei zog sie das Gesicht in die Länge und drückte mit Daum und Zeigefinger die beiden Backen ein . Stine lachte . » Ja , damit wirst du ' s wohl getroffen haben . Und überhaupt , ich find es unpassend und ungebildet , daß er den jungen Menschen mitbringt . Ein Onkel ist doch immer so was wie ' ne Respektsperson . Für sich mag er ja tun , was er will ; aber solchen jungen Menschen ... ich weiß nicht , Pauline . Findst du nich auch ? « » Na , ob ich finde . Natürlich ; erst recht . Aber , Kind , wenn wir davon erst reden wollen , denn is kein Ende . Das is nu mal so ; sie taugen alle nichts und is auch recht gut so ; wenigstens für unsereins - mit dir is es was anders - und für alle , die so tief drinsitzen un nich aus noch ein wissen . Denn wovon soll man denn am Ende leben ? « » Von Arbeit . « » Ach Jott , Arbeit . Bist du jung , Stine . Gewiß , arbeiten is gut , un wenn ich mir so die Ärmel aufkremple , is mir eigentlich immer am wohlsten . Aber , du weißt ja , denn is man mal krank un elend , un Olga muß in die Schule . Wo soll man ' s denn hernehmen ? Ach , das is ein langes Kapitel , Stine . Na , du kommst doch ? So Klocker acht , oder lieber noch ein bißchen eh ' r. « Drittes Kapitel Während die Pittelkow oben bei Stine war , um sich dieser für den Abend zu versichern , ging Olga die Invalidenstraße hinauf , um erst den Brief abzugeben und dann auf dem Rückwege bei Konditor Bolzani die Torte zu bestellen . Es war ihr Eile befohlen , aber sie kehrte sich nicht dran , freute sich vielmehr , eine Stunde lang ohne mütterliche Kontrolle zu sein , und getröstete sich , » daß es noch lange hin sei bis Abend « . An allen Läden blieb sie stehen , am längsten vor dem Schaufenster eines Putzgeschäfts , aus dessen buntem Inhalt sie sich abwechselnd eine rote Schärpe mit Goldfranzen und dann wieder einen braunen Kastorhut mit Reiherfeder als Schönstes wünschte . Diesen Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen , war freilich wenig Aussicht vorhanden , aber es schadete nicht viel , weil sich ihre nächste Zukunft unter allen Umständen angenehm genug gestalten mußte . Wanda , wie sie von Tante Stine her wußte , hatte meistens Sandtorte , ja mitunter sogar Schokoladenplätzchen in ihrem Schrank , und wenn sich beides auch nicht erfüllte , so blieben doch immer noch die Gerstenbonbons . Solchen Betrachtungen hingegeben , kam Olga bis an die Chausseestraße , wo , wie gewöhnlich in dieser kirchhofreichen Gegend , ein großes Begräbnis die Straßenpassage hemmte . Olga , weitab davon , irgendwelchen Anstoß an dieser Wegestörung zu nehmen , wünschte ganz im Gegenteil , dieselbe so lange wie möglich andauern zu sehen , und stellte sich , besseren Überblicks halber , auf eine vor einem Öl- und Spiritusgeschäft angebrachte Steintreppe . Der Wagen mit dem Sarge war schon eine Weile vorüber , so daß sie nur noch das versilberte Kreuz über einem Meer von schwarzen Hüten hin und her schwanken sah . Kutschen fehlten im Zuge ( so wenigstens schien es ) , dafür aber folgten allerlei Baugewerke mit Bannern und Musik , und während noch aus der Front her der Trauermarsch der Zimmerleute bis weit nach rückwärts tönte , klang schon aus der Mitte des Zuges und vom Oranienburger Tor her ein zweiter und dritter Trauermarsch herauf , so daß Olga nicht wußte , worauf sie hören und welchem Geblase sie den Vorzug geben sollte . Neben dem eigentlichen Gefolge drängten breite Volksmassen mit vorwärts und ließen nur allemal eine schmale Gasse frei , wenn reitende Schutzleute von der Queue her bis an die Spitze des Zuges und dann wieder zurücksprengten . » Wer es nur is ? « dachte Olga , in deren Herzen etwas wie Neid aufkeimte , so schön begraben zu werden , aber soviel sie horchte , sie konnte es bei den mit ihr auf der Steintreppe Stehenden nicht mit Bestimmtheit in Erfahrung bringen . Einer versicherte , daß es ein alter Mauerpolier , ein anderer , daß es ein reicher Ratszimmermeister sei , während eine mit braunem Torfstaub ganz überdeckte Frau , die der herannahende Zug sichtlich beim Abladen unterbrochen hatte , von nichts Geringerem als von einem Minister für Maurer- und Zimmerleute wissen wollte . » Dummes Zeug « , unterbrach sie der nebenan wohnende Budiker , » so was gibt es ja gar nich . « Aber das Torfweib ließ sich nicht stören und sagte nur : » Warum nich , warum soll es so was nich geben ? « Und so stritt man sich hin und her . Endlich aber war der Zug vorüber , und Olga passierte nun den Damm und bog hundert Schritte weiter abwärts in die Tieckstraße ein . Nummer 27a war das dritte Haus von der Ecke : fünf Fenster Front , drei Stock und eine kleine Mansarde . Der Wirt , ein Kupferschmied , hatte den Hof in eine halb offene Werkstatt verwandelt , in der nun , den ganzen Tag über , auf oft zweimannshohen Braukesseln herumgehämmert wurde , bei welchem Gedröhn und Gehämmre Wanda ihre Rollen lernte . Es tat ihr nichts , ja sie hätte nirgends lieber wohnen mögen , und der Kupferschmiedegeselle , der auf der obersten Kesselrundung oft stundenlang herumritt und sich dabei in platonischer Liebe ( der einzigen , die Wanda so kleinen Leuten gestattete )