, daß ich zwei Monat drüben in Jauer war , wie ' n Verbrecher , unter lauter Gesindel . Und das verdank ich ihm . « » Er hat dich angezeigt . Das war seine Pflicht . « » Er hat mich angezeigt , das war seine Lust . So liegt es . Er ist immer lustig dazu , bei jedem , aber doppelt bei mir , denn wir sind alte Feinde , noch von den Soldaten und vom Kriege her . Ich kenn ihn , Herr Pastor ; er ist ein schlechter Kerl , und solang ich denken kann , hat er mich gequält . Er war mein Oberjäger , und kein gutes Wort hat er mir je gegönnt . Immer hart , immer roh , auch vorm Feind , und nur wenn ' s in die Schlacht ging , war er wie ' n Ohrwurm . Es gibt eben Kugeln , die sich verirren . Und dann , Herr Pastor , wenn er nicht war , so hätt ich das Kreuz . Aber er hat dagegen gesprochen . Und was hat er gesagt ? Ich taugte nichts , ich wäre frech und übermütig , und man könne nicht jedem das Kreuz geben , der ein paarmal aus einem Fenster geschossen habe , bei guter Deckung . Wahr und wahrhaftig , bei guter Deckung , so hat er gesagt , der schlechte Kerl . Und er war gar nicht einmal dabei . Ich will nicht sagen , daß er feige ist , nein , feige ist er nicht , aber ein Neidhammel ist er . Und was dann nachher kam , ich meine das vorige Jahr , nun , das weiß der Herr Pastor . Von Unschlitt und Schimmelbrot will ich leben , wenn ich ' s dem Kerl verzeih , daß er mich belauert und an die Grenzaufseher verraten hat und daß sie mich nach Jauer abgeliefert haben . Und warum ? Um ein Stück Reichenberger Tuch , nicht der Rede wert ! Immer hat er mir den Weg gekreuzt . Hol ihn der Teufel ! « Siebenhaar drohte halb scherzhaft mit dem Finger . Lehnert aber trat an den Alten heran und bat in einem Tone , drin sich Ernst und gute Laune die Waage hielten , um Entschuldigung . » Ich will dir den Teufel zugute halten , Lehnert , wiewohlen man ihn nicht anrufen soll . Aber versprich mir dafür , Friede zu halten . Ich weiß nicht , ob er dir unrecht getan hat mit dem Kreuz , aber wenn es auch wäre , du mußt es vergessen . « » Will ' s versuchen . « » Versprichst du ' s ernsthaft ? Hab ich dein Wort ? « » Ja . Aber wenn er wieder anfängt ... « » Er wird nicht . Ich werde mit ihm sprechen , und du sollst Bescheid haben . Vielleicht bald . Und dann komm ich selbst . « Drittes Kapitel Während Lehnert dieses Gespräch hatte , schritt der , dem all diese Drohungen galten , heimwärts auf Wolfshau zu , wo seine Försterswohnung mit der der Menzschen Stellmacherei grenzte . Der nächste Weg nach Haus wäre der unten im Tal , an der Lomnitz hin , immer flußaufwärts , gewesen , er mied ihn aber , weil dieser nähere Weg ohne Wirtshaus war und er ernstlich vorhatte , sich bei einem Glase Bier und einem guten Gespräch von den Anstrengungen der Siebenhaarschen Predigt , die , wie gewöhnlich , gut , aber etwas lang gewesen war , zu erholen . So stieg er denn , den Umweg nicht scheuend , die große Straße bergan auf Krummhübel zu , wo er sicher war , in dem prächtig gelegenen Wirtshause » Zur Schneekoppe « den ersehnten guten Trunk und vor allem auch eine gute , das heißt eine gefällige Gesellschaft zu finden , die sich ' s angelegen sein ließ , ihn reden zu lassen und ihn bei jedem dritten Worte » Herr Förster « zu nennen . Denn sich umworben und ausgezeichnet zu sehen und Ehre vor den Menschen zu haben , war das , wonach ihm zumeist der Sinn stand . Sein Hühnerhund Diana , der darauf dressiert war , die Predigt draußen auf einer von der Sonne beschienenen Kiesstelle zu verschlafen , folgte dicht hinter ihm , ein schönes , schwarz und weiß geflecktes Tier . Und keine halbe Stunde , so bog er in Krummhübel ein , drin eine sonntägliche Stille herrschte . Links lief ein Wässerchen und schäumte , Hühner und Sperlinge pickten überall umher , wo eine Krippe gestanden hatte , und in der offenen Haustür lehnten einzelne Dorfbewohner und genossen der Sonntagsruhe . » Guten Tag , Herr Förster « , sagte Gerichtsmann Klose , seine Pfeife respektvoll aus dem Munde nehmend , und » Guten Tag , Herr Förster « , wiederholte die nebenan wohnende , für gewöhnlich mit ihren Gunstbezeigungen etwas kargende Frau Böhmer den Gerichtsmann Kloseschen Gruß auch ihrerseits und trat aus ihrem Kramladen in die Dorfstraße hinaus , um dem Vorübergehenden die Hand zu geben , ja , sie schien ihn sogar anreden zu wollen . Des Försters Haltung aber war so steif und gemessen , daß selbst Frau Böhmer mit ihrer Frage zurückzuhalten für gut fand . Und nun noch hundert Schritte , so stand unser Förster Opitz vor Exners » Schneekoppe « , trat aber nicht über den Schwellstein in den Flur , sondern bog gleich daneben in einen von einem Staketenzaun eingefaßten Garten ein , in dem , um einen plätschernden Springbrunnen herum , und zugleich in Front einer großen Veranda , viele Sommergäste saßen . Sich diesen zu gesellen fiel Opitz aber nicht ein , weil er im Vorübergehen herausgehört hatte , daß es Berliner waren , also Leute , von deren eigener Eingebildetheit er für die seinige nicht viel zu hoffen hatte . So ging er denn lieber auf eine kleine , von wildem Wein umwachsene Holzlaube zu , wo noch